
Digitaler Alltag
Hass im Netz trifft häufig Migranten und Muslime
Hassrede gehört für viele zum Alltag im Internet. Einer aktuellen Befragung zufolge haben 79 Prozent der Internetnutzenden solche Kommentare gesehen. Häufig genannt werden Angriffe auf Menschen mit Migrationsgeschichte, religiöse Minderheiten und politisch Andersdenkende.
Mittwoch, 14.10.2026, 12:22 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 14.10.2026, 12:23 Uhr Lesedauer: 2 Minuten |
Hass gegen Menschen mit Migrationsgeschichte und religiöse Minderheiten wird im Internet zunehmend wahrgenommen. Laut einer aktuellen forsa-Umfrage im Auftrag der Landesanstalt für Medien NRW haben 51 Prozent der Befragten, denen Hassrede begegnet ist, Hasskommentare gegen Menschen mit Migrationshintergrund beobachtet. Im Jahr 2024 waren es noch 46 Prozent. Noch deutlicher stieg die Wahrnehmung von Hass gegen Menschen anderen Glaubens: von 23 Prozent im Jahr 2024 auf aktuell 32 Prozent.
Auch Musliminnen und Muslime sind zunehmend betroffen: 32 Prozent der Befragten haben Hasskommentare gegen sie wahrgenommen, fünf Prozentpunkte mehr als 2024. Antisemitische Hasskommentare gegen Jüdinnen und Juden beobachteten 25 Prozent. Hass gegen Asylsuchende fiel 38 Prozent auf. Bei nationalen Minderheiten, darunter Sinti und Roma sowie Sorben, waren es 18 Prozent.
Besonders häufig nehmen junge Menschen migrationsfeindliche Hassrede wahr: Unter den 14- bis 24-Jährigen, denen Hasskommentare begegnet sind, haben 78 Prozent solche Äußerungen gegen Menschen mit Migrationsgeschichte beobachtet. Bei den Befragten ab 60 Jahren waren es lediglich 41 Prozent.
Die Ergebnisse sind Teil einer Untersuchung zur Verbreitung von Hassrede im Internet, die die Landesanstalt für Medien NRW am Dienstag in Düsseldorf vorstellte. Demnach begegnen insgesamt 79 Prozent der Internetnutzerinnen und -nutzer in Deutschland Hasskommentaren. 45 Prozent stoßen häufig oder sehr häufig darauf. „Wer sich im Internet bewegt, kommt an Hass nicht vorbei“, bilanzierte der Direktor der Medienanstalt, Tobias Schmid.
Rechtsextreme Inhalte besonders verbreitet
Die Untersuchung zeigt zudem, dass extremistische Inhalte im Internet weit verbreitet sind. Erstmals erfasste die forsa-Erhebung in diesem Jahr auch deren Wahrnehmung. 78 Prozent der Befragten gaben an, bereits auf extremistische Inhalte gestoßen zu sein. Unter den bis 24-Jährigen lag dieser Anteil sogar bei 86 Prozent.
Am häufigsten ordneten die Befragten solche Inhalte dem rechtsextremen Spektrum zu (74 Prozent). Dahinter folgten antisemitische Inhalte mit 45 Prozent, linksextremistische Inhalte mit 43 Prozent und islamistische Inhalte mit 41 Prozent.
Immer mehr Menschen nehmen Hassrede wahr
Die Wahrnehmung von Hasskommentaren hat sich auch insgesamt erhöht. Während 2022 noch 77 Prozent der Befragten angaben, im Internet auf Hassrede zu stoßen, waren es 2024 bereits 78 Prozent und in der aktuellen Untersuchung 79 Prozent.
Neben Menschen mit Migrationsgeschichte und religiösen Minderheiten sind auch andere gesellschaftliche Gruppen betroffen. Hass gegen Frauen nehmen inzwischen 44 Prozent der Befragten wahr, denen Hassrede begegnet ist, gegenüber 38 Prozent im Jahr 2024. Besonders deutlich stieg zudem die Wahrnehmung von Hass gegen Menschen mit anderen politischen Einstellungen: von 49 auf 59 Prozent.
Für viele sei Hassrede damit kein Problem einzelner Gruppen mehr, sondern ein gesellschaftliches Phänomen mit großer Reichweite, erklärte die Landesmedienanstalt. Auch die persönliche Betroffenheit bleibe hoch: Fast jeder Vierte (24 Prozent) der Befragten mit Hassrede-Erfahrung gab an, selbst bereits Ziel von Hasskommentaren geworden zu sein.
Für die Untersuchung befragte forsa im Juni 2026 insgesamt 1.012 Internetnutzerinnen und -nutzer ab 14 Jahren online mittels eines strukturierten Fragebogens. Die Ergebnisse erfassen die Wahrnehmung von Hassrede und extremistischen Inhalten, nicht deren tatsächliche Verbreitung. (epd/mig) Aktuell Gesellschaft
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