
USA/Texas
ICE-Beamter fährt Mexikaner an – Absicht vermutet
Ein Geländewagen der US-Einwanderungsbehörde ICE erfasst in Texas einen flüchtenden Bauarbeiter. Der 48-Jährige wird schwer verletzt. ICE spricht von einem Unfall. Doch die örtliche Staatsanwaltschaft sieht Hinweise auf einen vorsätzlichen Angriff. Überwachungsvideos zeigen den Vorfall.
Dienstag, 13.10.2026, 13:11 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 13.10.2026, 13:11 Uhr Lesedauer: 3 Minuten |
Es ist Samstagmorgen, als auf einem Parkplatz nahe der texanischen Großstadt Houston zwei Männer aus einem Pick-up steigen und in unterschiedliche Richtungen davonlaufen. Ein dunkler Geländewagen nimmt die Verfolgung auf, überquert einen Bordstein und steuert auf einen der Männer zu. Wenige Augenblicke später liegt der 48-jährige Miguel Parra-Hernandez schwer verletzt am Boden. Am Steuer sitzt ein Beamter der US-Einwanderungsbehörde ICE.
Überwachungskameras haben die Szene vom 10. Oktober aufgezeichnet. Der genaue Moment des Zusammenstoßes ist auf einer der veröffentlichten Aufnahmen verdeckt. Doch die Bilder zeigen, wie der Geländewagen gezielt in Richtung des flüchtenden Mannes fährt. Ob der Fahrer ihn absichtlich erfasst hat, ist nun Gegenstand strafrechtlicher Ermittlungen.
Ermittler widersprechen ICE-Darstellung
Die US-Einwanderungsbehörde ICE, die unter anderem für Festnahmen und Abschiebungen zuständig ist, spricht von einem Unfall. Parra-Hernandez sei während seiner Flucht vor das Fahrzeug gelaufen. Seine Anwältin Kim Bruno widerspricht. Der Mann sei vorsätzlich angefahren worden, erklärte sie vor Journalisten.
Auch die Staatsanwaltschaft des Bezirks Harris County hat erhebliche Zweifel an der Darstellung der Bundesbehörde. Bezirksstaatsanwalt Sean Teare erklärte der Zeitung „Houston Chronicle“, mehrere erfahrene Unfallermittler hätten die Aufnahmen ausgewertet und den Unfallort untersucht. Sie seien übereinstimmend zu der Einschätzung gelangt, dass der Zusammenstoß nicht versehentlich erfolgt sei.
Die Staatsanwaltschaft untersucht deshalb einen möglichen schweren Angriff, bei dem das Fahrzeug als Waffe eingesetzt worden sein könnte. Weitere Videoaufnahmen und Zeugenaussagen sollen den genauen Hergang klären. Ob der ICE-Beamte angeklagt wird, ist noch offen.
Seit 34 Jahren in den USA
Parra-Hernandez lebt nach Angaben seiner Familie seit 34 Jahren in den Vereinigten Staaten und ist nicht vorbestraft. Der Bauarbeiter war an jenem Morgen auf dem Weg zur Arbeit, als er in die Verfolgungsaktion geriet.
Bei dem Zusammenstoß wurde sein rechtes Bein an drei Stellen gebrochen, auch das linke Bein wurde verletzt. Am Sonntag musste er operiert werden. Nach Angaben der Migrantenorganisation FIEL Houston sind weitere Eingriffe notwendig.
Dabei war der Mexikaner nach Darstellung von ICE gar nicht das eigentliche Ziel des Einsatzes. Die Beamten hätten einen anderen Mann festnehmen wollen, der mit Parra-Hernandez im Pick-up gesessen haben soll. Gegen diesen liege eine Abschiebungsanordnung vor. Anwältin Bruno bestreitet allerdings die Angaben der Behörde. Ihr Mandant kenne den von ICE gesuchten Mann überhaupt nicht.
ICE zufolge hält sich Parra-Hernandez ohne gültige Aufenthaltserlaubnis in den USA auf. Auch nach seiner Operation steht er im Krankenhaus unter Bewachung der Einwanderungsbehörde. Seine Anwältin wirft den Beamten zudem vor, ein vertrauliches Gespräch mit ihrem Mandanten unterbrochen und sie anschließend aus dem Krankenhausbereich verwiesen zu haben. Die Familie fordert seine Freilassung.
Erneut schwere Vorwürfe gegen ICE
Der Vorfall reiht sich in eine Serie umstrittener Gewalteinsätze im Zuge der verschärften Abschiebepolitik von US-Präsident Donald Trump ein. Erst im Juli hatte ein ICE-Beamter in Houston den 52-jährigen Mexikaner Lorenzo Salgado Araujo erschossen. Die Behörde begründete den Schusswaffeneinsatz damals mit einer angeblichen Bedrohung durch ein Fahrzeug. Zeugen widersprachen dieser Darstellung.
Auch diesen Fall untersucht die Staatsanwaltschaft von Harris County. Bezirksstaatsanwalt Teare beklagt jedoch, dass das US-Heimatschutzministerium, dem ICE untersteht, bei der Aufklärung nicht ausreichend mit den örtlichen Ermittlern zusammenarbeite. (mig) Aktuell Ausland
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