
„Bis ins Mark verrottet“
ICE schießt auf Mann im Auto: Kind (5) auf der Rückbank
Ein 28-Jähriger wird bei einem Festnahmeversuch der US-Einwanderungsbehörde ICE in seinem Auto angeschossen. Ein fünfjähriges Kind befindet sich währenddessen im Fahrzeug. New Yorks Bürgermeister Mamdani reagiert scharf und fordert die Abschaffung. Die ICE sei bis ins Mark verrottet.
Sonntag, 11.10.2026, 12:54 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 11.10.2026, 12:54 Uhr Lesedauer: 4 Minuten |
Ein Beamter der US-Einwanderungsbehörde ICE hat bei einem Einsatz in New York auf einen Mann geschossen und ihn verletzt. „Der Mann ist am Leben und befindet sich in einem örtlichen Krankenhaus“, schrieb das US-Heimatschutzministerium auf der Plattform X. Der Mann habe bei dem Einsatz festgenommen werden sollen.
Das US-Heimatschutzministerium verteidigte den Einsatz später. Die Beamten seien überzeugt gewesen, dass ihr Leben, das ihrer Einsatzpartner sowie die Öffentlichkeit in Gefahr gewesen seien, und hätten deswegen Schüsse abgegeben, sagte Marcos Charles, stellvertretender Leiter der für Verhaftungen und Abschiebungen zuständigen ICE-Abteilung ERO. Der Mann sei „oberflächlich“ von einer Kugel oder Splittern am Hals getroffen worden, sagte Charles.
New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani teilte mit, ersten Berichten zufolge hätten Einsatzkräfte das Auto des Manns umringt, in dem auch ein fünfjähriges Kind war. Dann seien mehrere Schüsse abgegeben worden. Das Kind blieb nach bisherigem Kenntnisstand körperlich unverletzt. Charles zufolge wussten die Beamten nichts von dem Kind.
Der Vorfall trug sich am Nachmittag (Ortszeit) im Stadtteil Marble Hill zu, einem Wohnviertel nahe der Insel Manhattan auf dem Festland der Metropole.
Ministerium spricht von vorbestraftem Schwerverbrecher
Es handele sich bei dem Mann um einen „kriminellen illegalen Ausländer“ aus der Dominikanischen Republik, teilte das US-Heimatschutzministerium auf X mit. Er sei wegen schweren Diebstahls vorbestraft und wegen Körperverletzung, Raubes sowie Drogen- und Waffenbesitzes bereits mehrfach festgenommen worden. Zudem soll er demnach in Verbindung mit der Straßengang „Trinitarios“ stehen.
Nach Angaben von Charles wollten die ICE-Beamten einen Haftbefehl vollstrecken, nachdem sich der Mann bereits im September einer Festnahme entzogen hatte. Die Bande, der er angehören soll, sei für Diebstähle mit Waffen und Mopeds bekannt.
Der Mann sei im Dezember 2023 von der New Yorker Polizei festgenommen worden, aber „aufgrund rücksichtsloser Schutz-Politik der Demokraten“ wieder entlassen worden, schrieb das Ministerium.
Mamdani will ICE komplett aus der Stadt verbannen
Mamdani nannte den Vorfall „nicht zu rechtfertigen und außerordentlich ernst“. Er werde US-Präsident Donald Trump auffordern, alle ICE-Einsätze in der Stadt einzustellen. „Ich werde nicht tatenlos zusehen, wie ICE-Beamte unsere Gemeinden terrorisieren“, schrieb Mamdani in einer Mitteilung, die mit den Worten „Schafft ICE ab“ endet. „Wir wissen, dass ICE bis ins Mark verrottet ist“, erklärte er darin.
Auch die demokratische Gouverneurin des Bundesstaats New York, Kathy Hochul, rief nach eigenen Angaben Trump und Heimatschutzminister Markwayne Mullin auf, ICE-Einsätze in New York zu stoppen. Jegliche Videoaufnahmen von den Body-Kameras der beteiligten Einsatzkräfte müssten an die Öffentlichkeit herausgegeben werden, forderte sie.
Mullin machte unterdessen den 28-Jährigen selbst für die Gefährdung des Kindes verantwortlich. Anders als die Beamten habe der Mann gewusst, dass sich das Kind im Auto befand, und dennoch stark beschleunigt und zwei Fahrzeuge gerammt. Offenbar sei er dabei auch auf Beamte zugefahren. Die öffentliche Empörung müsse sich deshalb gegen den Verdächtigen richten, sagte Mullin.
Mullin zufolge bot Trump an, den Mann in den Gewahrsam der New Yorker Polizei zu übergeben, sofern diese strafrechtlich gegen ihn vorgehe. Mamdani habe dies abgelehnt. Mullin wies zudem Forderungen nach einer vorübergehenden Aussetzung der Einsätze seiner Behörde zurück. „Nein, wir werden die Einsätze nicht aussetzen“, sagte er. Seine Behörde werde weiterhin die Einwanderungsgesetze durchsetzen. „Unsere Männer und Frauen leisten jeden einzelnen Tag verdammt gute Arbeit“, sagte Mullin.
Trump rühmt sich gerne mit seinem sehr harten Kurs gegen Migranten. Er fordert Massenabschiebungen und setzt dabei vor allem auf die umstrittene Bundesbehörde ICE, deren Beamte Razzien und Festnahmen übernehmen.
Massive Proteste nach tödlichen ICE-Einsätzen
Dabei kam es allein in diesem Jahr in mehreren Bundesstaaten zu tödlichen Vorfällen. Während die Regierung die Einsätze mit dem Schutz der öffentlichen Sicherheit rechtfertigt, werfen Kritiker ICE schwere Menschenrechtsverletzungen bei den Einsätzen vor.
Zu landesweiten Protesten gegen ICE kam es Anfang des Jahres, nachdem Schüsse von Bundesbeamten in Minnesota zwei US-Amerikaner getötet hatten. In beiden Fällen sprach die Regierung davon, dass für die Einsatzkräfte eine Bedrohung vorgelegen habe. Videoaufnahmen und Zeugenberichte ließen daran jedoch erhebliche Zweifel aufkommen. Beobachtern zufolge ist die Glaubwürdigkeit der Behörde ICE und die der Regierung auf einem Tiefpunkt angekommen.
Den Kampf hat Trump insbesondere den sogenannten Sanctuary Cities (Schutzstädten) angesagt, also zumeist demokratisch regierten US-Städten, die nur eingeschränkt mit den Bundesbehörden kooperieren, um das Einwanderungsgesetz durchzusetzen und Menschen ohne gültigen Aufenthaltsstatus tendenziell vor Inhaftierung und Abschiebung zu bewahren. In solchen Kommunen, etwa in Chicago, Los Angeles, Minneapolis und New York, hat Trump ICE verstärkt zum Einsatz gebracht. (dpa/mig) Aktuell Ausland
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