
Abschiebungsbeobachtung
Getrennte Familien, unversorgte Kinder, dubiose Betreuung
Bei Abschiebungen über den Frankfurter Flughafen geraten Familien mit Kindern und kranke Menschen laut Beobachtungsbericht besonders unter Druck. Kritisiert werden Nachtmaßnahmen, fehlende Informationen und eine ärztliche Begleitung, die nicht immer unabhängig wirkt.
Sonntag, 21.06.2026, 10:12 Uhr|zuletzt aktualisiert: Samstag, 20.06.2026, 23:34 Uhr Lesedauer: 2 Minuten |
Die Abschiebungsbeobachtung am Flughafen Frankfurt hat im vergangenen Jahr die Abschiebungen von rund 2.000 Personen begleitet. Erneut sei eine steigende Zahl von Schutzbedürftigen betroffen gewesen wie Familien mit Kindern, Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen oder Personen in Ausbildung oder Arbeit, sagte Melisa Ergül-Puopolo anlässlich der Veröffentlichung des Tätigkeitsberichts 2025 am Freitag in Frankfurt am Main.
So hätten medizinische Behandlungen und laufende Therapien durch Abschiebungen abgebrochen werden müssen. Kritisch sei vor allem der Eindruck, dass ärztliche Begleitung teils eher der Durchführung der Maßnahme dient als einer unabhängigen medizinischen Prüfung.
„Ein generelles Problem bleiben kurzfristig angesetzte Abschiebungen oder Maßnahmen mitten in der Nacht, insbesondere wenn Kinder betroffen sind.“ Der Bericht dokumentiert mehrere Fälle, in denen Familien nachts abgeholt wurden, Kinder unzureichend versorgt waren, Gepäck fehlte oder Elternteile voneinander getrennt wurden.
Familien mit Kinder getrennt
Besonders problematisch ist ein Fall einer türkischen Familie, die im Rahmen einer Dublin-Überstellung nach Kroatien gebracht wurde: Der Vater war in Griechenland registriert, die Mutter in Kroatien; dadurch kam es faktisch zu einer Trennung der Kernfamilie, obwohl die Dublin-Regeln die Familieneinheit besonders berücksichtigen. Bei Maßnahmen mit Kindern muss zudem das Kindeswohl vorrangig berücksichtigt werden. Das ergibt sich aus der UN-Kinderrechtskonvention, der EU-Grundrechtecharta und im deutschen Recht aus dem Schutz von Familie und körperlicher Unversehrtheit.
Betroffene würden teilweise unzureichend informiert über den Ablauf und den Zielstaat, was Ängste auslöse. Wenn Abschiebungen scheiterten, würden Betroffene häufig am Flughafen entlassen, ohne einen Rücktransport zu organisieren. Besonders problematisch sei das bei Familien, kranken Menschen, Schwangeren oder Personen ohne Geld. Der Bericht kritisiert, dass Menschen dadurch faktisch gezwungen werden können, ohne Ticket zurückzufahren.
Extreme psychische Belastungssituation
Der Bericht bescheinigt der Bundespolizei „einen weitgehend professionellen und respektvollen Umgang mit den Betroffenen“, sieht aber bei den zuführenden Behörden der Länder „weiterhin deutlichen Verbesserungsbedarf“. Fachstellen des Bundes und der Länder sollten stärker in die Planung von Abschiebungen einbezogen werden und Behördenmitarbeitende sollten stärker für besondere Schutzbedarfe sensibilisiert werden, empfiehlt der Bericht. Abschiebungen würden Betroffene oft in extreme psychische Belastungssituationen bringen, da die Hoffnung auf ein Bleiberecht abrupt ende und die Angst vor der Rückkehr in unsichere Herkunftsländer wachse.
Im vergangenen Jahr wurden laut dem Bericht knapp 22.800 Personen aus Deutschland abgeschoben, davon knapp 7.700 vom Frankfurter Flughafen (2024: knapp 20.100 Abschiebungen). Knapp 5.400 Abschiebungen betrafen Überstellungen in andere EU-Staaten. Knapp 1.600 Abschiebungen bundesweit scheiterten. Die Abschiebebeobachtung wird von der evangelischen und der katholischen Kirche getragen. (epd/mig) Aktuell Panorama
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Natürlich gehen Abschiebungen einher mit einer psychischen Belastung, ende doch die Hoffnungen und Träume genau mit dieser. Festzustellen ist aber, dass alle die Aufforderung und das Angebot einer freiwilligen Ausreise erhielten, sie wussten also, dass wenn diese nicht erfolgt, eine Abschiebung im Raum steht. Und…die besondere Schutzbedürftigkeit der Kinder bedeutet nicht, dass sie in Deutschland bleiben könnten. Diejenigen, die abgeschoben werden, haben keinen Fluchtgrund, zumindest nicht einen ausreichenden, um einen Schutztitel zu erhalten. Viele versuchen eine Migration, sei es um hier zu arbeiten, den Kindern eine bessere Bildung zu ermöglichen oder für eine bessere Gesundheitsversorgung, über das Asylsystem, denn dann erhält man ab sofort monetäre Unterstützung und Unterbringung. Viele haben auch keine Möglichkeit, über ein Arbeitsvisum zu kommen, weil sie keine Ausbildung haben. Es locken die besseren Lebensbedingungen und das großzügige Sozialsystem sowie alle erdenkllichen Hilfen, die man erhalten kann. Natürlich will niemand in sein Heimatland zurück und es wird alles getan, um das zu vermeiden inkl. der Behauptung, man sei psychsich schwer erkrankt oder man hätte sich, nach der letztinstanzlichen Ablehnung des Asylantrages, vollständig integriert. Festgemacht wird diese Integration allerdings meistens an den Schulbesuch der Kinder, nicht an die Integration der Erwachsenen. Nachdem in der Vergangenheit kaum Abschiebung vorgenommen wurden und die meisten bleiben konnte, ist die Erwartung natürlich entsprechend. Wenn das nicht funktioniert, ist das Wehklagen groß. Bei allem Verständnis für diese Menschen, kann Deutschland jedoch nicht jeden Migrationswilligen aufnehmen, unterstützen, eine Ausbildung finanzieren und unterbringen. Unser Sozialsystem ist am Limit angelangt und das sollte jeder Vernünftige einsehen…