
Berlin-Monitor
Jeder Dritte fühlt sich von Muslimen bedroht
Viele Berliner fühlen sich bedroht – am meisten von Muslimen, aber auch von Sinti und Roma. Das geht aus dem aktuellen Berlin-Monitor hervor. Danach nimmt die Zustimmung zur Demokratie ab. Dafür verharren rassistische Einstellungen auf hohem Niveau.
Dienstag, 24.02.2026, 10:12 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 24.02.2026, 8:29 Uhr Lesedauer: 2 Minuten |
Zwischen 25 und 30 Prozent der Berliner hegen abwertende Einstellungen gegenüber den Minderheiten Sinti und Roma. Dazu zählt etwa die Zustimmung zu Aussagen wie, Sinti und Roma seien „nicht so zivilisiert“ oder sollten aus Innenstädten verbannt werden. Das geht aus dem neuen Berlin Monitor hervor, in der Antiziganismus ein Schwerpunktthema ist. Die Studie wurde am Montag in Berlin vorgestellt.
Danach nimmt etwa jeder vierte Befragte (22 bzw. 23 Prozent) Sinti und Roma als bedrohlich und gefährlich wahr. Noch höher fallen diese Werte bei Palästinenserinnen und Palästinensern aus (34 Prozent). Den Spitzenplatz nimmt in dieser Sparte allerdings eine andere Minderheit ein. Mehr als jeder dritte Befragte (36 Prozent) gab an, sie fühlten sich von Muslimen bedroht.
Trotz der vergleichsweisen niedrigeren Werte für Sinti und Roma weisen die Studienautoren darauf hin, dass es sich bei Antiziganismus keinesfalls um eine Randerscheinung handelt. Immerhin nehme mehr als ein Fünftel der Berliner die beiden Minderheitsgruppen als bedrohlich wahr.
Fast jeder Zweite: selbst Schuld
Etwa 42 Prozent sind zudem der Meinung, Sinti und Roma seien selbst an ihrer Diskriminierung mitschuldig. 48 Prozent stimmten der Aussage zu, die beiden Minderheitengruppen seien „besonders gute Musiker“ – ein auf den ersten Blick positives Stereotyp, das die Autoren aber als Teil eines abwertenden Musters einordnen. Außerdem verbanden 69 Prozent Sinti und Roma mit Armut.
Auffällig ist aus Sicht der Forschenden, dass viele Befragte ihr Wissen über Sinti und Roma vor allem aus Medienberichten beziehen – und weniger aus persönlichen Kontakten. Der Berlin-Monitor verweist in diesem Zusammenhang auf ein problemorientiertes und häufig verzerrtes Bild in der Berichterstattung, das Vorurteile verstärken könne.
„Rassismus der kleinen Leute“.
Die Autoren betonen zudem enge Zusammenhänge zwischen antiziganistischen und antisemitischen Einstellungen. Vor allem ausgrenzende antiziganistische Einstellungen seien stark mit antisemitischen Ressentiments verbunden. Im Fazit beschreiben sie Antiziganismus deshalb als „Rassismus der kleinen Leute“.
Als wichtige Einflussfaktoren nennen sie negative Medienbilder, niedrigeres Bildungsniveau, geringeres Einkommen, autoritäre Einstellungsmuster, Verschwörungsmentalität und eine starke Orientierung an gesellschaftlicher Hierarchie. Besonders deutlich seien antiziganistische Einstellungen in sozial benachteiligten Gruppen ausgeprägt.
Zustimmung zu Demokratie gesunken
Wie aus dem Berlin-Monitor weiter hervorgeht, ist die Zustimmung zur Demokratie unter Berlinern auf den niedrigsten Wert seit Beginn der Untersuchungen im Jahre 2019 gefallen. Nur noch 86 Prozent (2023: 90 Prozent) der Befragten bewerteten die Demokratie als bestes System.
Zudem würden 40 Prozent als fragile Demokraten eingestuft, zwölf Prozent seien Autokraten. Im Vergleich mit dem Bundesdurchschnitt der Leipziger Autoritarismus-Studie 2024 seien in Berlin doppelt so viele Menschen autokratisch eingestellt.
Die Studienreihe befragt zu politischen Einstellungen, Möglichkeiten der Partizipation, Vorurteilen, aber auch Diskriminierungserfahrungen. Bei der diesjährigen Ausgabe handelt es sich um die vierte repräsentative Erhebung. (epd/mig) Aktuell Gesellschaft
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