
Autorin Sibel Schick
„Emma“ hat islamfeindlichen Rassismus reproduziert
Zum Ende der gedruckten „Emma“ übt Autorin Sibel Schick scharfe Kritik an Alice Schwarzer. Ihr Magazin habe wiederholt Feindbilder geschaffen und die Lebensrealitäten vieler Frauen ausgeblendet. Angesprochen worden seien vor allem weiße, privilegierte Frauen.
Mittwoch, 21.10.2026, 18:30 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 21.10.2026, 18:30 Uhr Lesedauer: 2 Minuten |
Aus Sicht der feministischen Autorin Sibel Schick war die „Emma“ schon lange nicht mehr zeitgemäß und hat vor allem privilegierte Frauen angesprochen. Sie habe das vor 50 Jahren gegründete feministische Magazin, das zum Jahresende eingestellt wird, als „persönliches Tagebuch“ von Alice Schwarzer wahrgenommen und als „Plattform, auf der nur Menschen zu Wort kommen dürfen, die die gleichen Ansichten vertreten wie Alice Schwarzer selbst“, sagte Schick am Mittwoch dem „Evangelischen Pressedienst“.
Die „Emma“ habe sich vor allem an „weiße, christlich sozialisierte Frauen“ gerichtete, die nicht chronisch krank oder behindert sind, sagte Schick. Die Kontrolle über ihr Magazin habe die 83 Jahre alte Schwarzer nie aufgegeben. Deshalb war es Schick zufolge klar, dass „Emma“ nicht mehr existieren kann, sobald die Gründerin entscheidet, dass sie nicht mehr weitermacht.
Schick: Rassismus wenig berücksichtigt
Schick wirft der „Emma“ vor, wiederholt transfeindliche Positionen vertreten und islamfeindlichen Rassismus reproduziert zu haben. In entsprechenden Dossiers seien Feindbilder geschaffen und Menschen zu Projektionsflächen gemacht worden. Transfrauen würden als „Männer in Frauenverkleidung“ dargestellt, Frauen mit Hijab als Täterinnen, die Deutschland islamistisch unterwandern wollten.
Schwarzer habe sich vor allem auf Sexismus als Diskriminierungsform konzentriert, sagt Schick. Andere Erfahrungen von Frauen wie Armut, Rassismus, Antisemitismus und Behindertenfeindlichkeit würden dabei wenig berücksichtigt. Ein solcher Feminismus blende die Lebensrealitäten vieler Frauen aus.
Letzte Ausgabe am 8. Dezember
Interessant findet Schick die Frage, warum Schwarzer gerne in Talkshows eingeladen wurde: „Sie war ein bisschen exzentrisch, ein bisschen frech. Das fanden Männer, die die Medienbranche kontrollieren, unterhaltsam. Wenn sie eine richtige Bedrohung für deren Machtstellung gewesen wäre, hätte sie nicht überall auftreten können.“
Die Ausgabe der „Emma“ vom 8. Dezember wird nach Angaben des Verlags die letzte gedruckte Ausgabe sein. Das Magazin war 1977 erstmals erschienen. Schick ist Autorin, Journalistin und feministische Publizistin. In ihrem Buch „Weißen Feminismus canceln: Warum unser Feminismus feministischer werden muss“ kritisiert sie einen privilegierten Feminismus, der die Erfahrungen marginalisierter Gruppen zu wenig berücksichtigt. (dpa/mig) Aktuell Feuilleton
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