
Medienkritik
Afrika, Kinderarbeit und Mikroplastik fallen durchs Raster
Afrika jenseits von Armut, staatenlose Menschen in Deutschland, Mikroplastik auf Ackerflächen: Die Liste der „vergessenen Nachrichten“ zeigt, wie eng viele Redaktionen auf Krisen, Konflikte und wenige Großthemen fokussiert bleiben.
Von Frank Bretschneider Montag, 06.04.2026, 14:52 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 06.04.2026, 14:52 Uhr Lesedauer: 2 Minuten |
Medien in Deutschland haben nach Angaben der Initiative Nachrichtenaufklärung (INA) auch im vergangenen Jahr wichtige Themen nicht aufgegriffen. Auf Platz eins der stark unbeachteten Themen ist, auch die positiven Entwicklungen auf dem afrikanischen Kontinent darzustellen und ihn nicht nur als überwiegend arm sowie unterentwickelt zu beschreiben, wie die „Initiative Nachrichtenaufklärung“ (INA) am Donnerstag in Köln mitteilte.
Nach dem sogenannten Human Development Index (HDI) hätten afrikanische Länder einen höheren Entwicklungsstand als oftmals wahrgenommen, hieß es. Das Niveau der Inselstaaten Seychellen und Mauritius liegt demnach über dem weltweiten Durchschnitt. Weitere afrikanische Länder würden nicht viel schlechter abschneiden.
Immer noch zu wenig Aufmerksamkeit findet der Liste zufolge auch die zunehmende Belastung von Ackerböden mit Mikroplastik. Die über Klärschlamm, Kompost und eine unsachgemäße Entsorgung von Müll auf die Felder gelangenden Kleinstpartikel seien eine langfristige Gefährdung der menschlichen Nahrungskette.
Staatenlose scheitern an deutschen Behörden
Viele staatenlose Menschen in Deutschland arbeiteten und zahlten Steuern, hieß es weiter. Wegen fehlender oder uneinheitlicher Richtlinien sowie überlasteter Behörden blieben sie jedoch juristisch schlechter gestellt und warteten oft jahrelang auf die Klärung ihres Status. Ein weiteres kaum behandeltes Thema ist der Liste zufolge, dass durch mangelnde Barrierefreiheit viele Menschen mit Behinderungen von politischer Information ausgeschlossen bleiben.
Auch Kinderarbeit für die Tabakindustrie ist laut der veröffentlichten Liste ein Thema, das im Nachrichtenstrom untergeht. Millionen Kinder arbeiteten dabei unter gefährlichen Bedingungen und würden somit körperlich und psychisch geschädigt. Auf der Liste steht auch die ungenügende körperliche Untersuchung von Menschen mit bereits festgestellten psychischen Erkrankungen. Ebenso werde über das Unterlaufen von Maßnahmen zur Inklusion von Menschen mit Behinderung durch deutsche Unternehmen kaum berichtet.
„Medien konzentrieren sich auf wenige Großthemen“
„Medien und Gesellschaft konzentrieren sich immer stärker auf wenige Großthemen. Deshalb gehen wichtige Ereignisse und Stimmen unter“, warnte Deutschlandfunk-Nachrichtenchef Marco Bertolaso. Dieser Trend werde durch „Funktionslogik und Geschäftsmodell“ der großen Internet-Plattformen beschleunigt.
Nach Einschätzung des INA-Vorstandsvorsitzenden Hektor Haarkötter ist auch der Rechercheaufwand und das Finden eines Aufhängers für Themen abseits der nachrichtlichen Großwetterlage ein Grund dafür, dass viele relevante Themen nicht die verdiente Aufmerksamkeit bekämen. Hinzu komme, dass eine Geschichte nicht viele Menschen erreiche, wenn sie nicht in den großen Leitmedien vorkomme.
Ermittelt werden die Vorschläge für die „Top Ten“ der vergessenen Nachrichten von studentischen Rechercheteams. Auch Vorschläge aus der Öffentlichkeit werden berücksichtigt. Eine Jury entscheidet dann über die Platzierungen. Die Liste der vergessenen Nachrichten wird einmal jährlich in Kooperation mit der Nachrichtenredaktion des Deutschlandfunks veröffentlicht. (epd/mig) Aktuell Panorama
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