München, Menschen, Demonstration, Demo, Iran, Fahnen, Freiheit
Menschen demonstrieren für Freiheit im Iran (Archiv) © Alexandra Beier/AFP

Unterschiedliche Szenarien

Migrationsforscher: Iraner könnte es nach Deutschland ziehen

Könnte Deutschland ein Ziel für Flüchtlinge aus dem Iran sein? Durchaus, sagt der Migrationsforscher Oltmer. Allerdings sei derzeit eine größere Fluchtbewegung eher unwahrscheinlich. Die Grenzen seien dicht. „Da ist kaum ein Durchkommen.“

Von und Donnerstag, 12.03.2026, 10:44 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 12.03.2026, 8:04 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |  

Deutschland wäre nach Ansicht des Osnabrücker Migrationsforschers Jochen Oltmer durchaus ein mögliches Zielland für flüchtende Menschen aus dem Iran. In Deutschland lebe eine starke iranische Diaspora von mehr als 300.000 Menschen, sagte der Historiker vom Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien dem „Evangelischen Pressedienst“. „Das sind natürlich Anknüpfungspunkte für Familienangehörige, die noch im Iran leben.“

Auch 2015 sei Deutschland für Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien attraktiv gewesen, weil schon viele Syrer im Land gelebt hätten. Migration funktioniere immer über Netzwerke sowie verwandtschaftliche und freundschaftliche Beziehungen, erläuterte Oltmer. Allerdings hält er eine größere Fluchtbewegung aus dem Iran Richtung Europa unter den derzeitigen Bedingungen infolge der andauernden Angriffe der USA und Israels für unwahrscheinlich. Innenpolitiker von SPD, Grünen und CSU indes forderten, dass sich Deutschland dennoch vorbereiten sollte.

___STEADY_PAYWALL___

Transitländer haben Grenzen dichtgemacht

Oltmer sagte zur Lage in der Region, Aufnahme- und Transitländer wie vor allem die Türkei, aber auch Griechenland und Bulgarien, hätten ihre Grenzen dichtgemacht. Über Tausende von Kilometern seien Mauern und Grenzüberwachungsanlagen errichtet worden. „Da ist also kaum ein Durchkommen.“ Zudem sei der Iran, anders als in den 2010er Jahren Syrien, derzeit nicht von einem blutigen Bürgerkrieg betroffen.

Die USA und Israel konzentrierten sich auf militärische Interventionen aus der Luft. „Wir sehen keine bewaffneten Auseinandersetzungen im Land selbst“, sagte der Professor der Universität Osnabrück.

Fiedler: Vorbereitung statt Alarmismus

Die einzig mögliche Fluchtroute aus dem Iran wäre laut Oltmer die über den Norden in Richtung Zentralasien. Das könne auch eine Möglichkeit für die etwa 2,5 Millionen afghanischen Geflüchteten sein, die sich derzeit noch im Iran aufhielten. Länder wie Turkmenistan, Usbekistan und Tadschikistan hätten in der Vergangenheit schon viele Menschen aus Afghanistan aufgenommen.

Der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Sebastian Fiedler, sagte dem in Düsseldorf erscheinenden „Handelsblatt“, er hoffe, dass die Prognosen von EU-Migrationskommissar Magnus Brunner „verlässlich und belastbar“ seien, wonach derzeit keine große Fluchtbewegung aus dem Iran zu erwarten sei. Dennoch müsse Europa auf unterschiedliche Szenarien vorbereitet sein, sagte Fiedler: „Entscheidend ist nicht Alarmismus, sondern Vorbereitung und europäische Handlungsfähigkeit.“

Mihalic: Humanitäre Standards einhalten

Die Erste Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen-Bundestagsfraktion, Irene Mihalic, sagte dem „Handelsblatt“, die aktuelle Situation angesichts der andauernden Angriffe Israels und der USA auf den Iran sei nicht direkt mit 2015 vergleichbar, weil man heute besser vorbereitet sei. Damals kamen fast eine Million Flüchtlinge aus verschiedenen Ländern wie Syrien, Afghanistan und dem Irak von Ungarn über Österreich nach Deutschland. Aber es sei dennoch wichtig, Vorbereitungen zu treffen, um unübersichtliche Situationen zu vermeiden. Die Bundesregierung müsse sicherstellen, dass kein Chaos entstehe und humanitäre Standards eingehalten würden.

Der CSU-Innenpolitiker Siegfried Walch dringt unterdessen auf einen strikten Schutz der deutschen Grenzen und lückenlose Kontrollen. „Die Sicherheit in Deutschland muss zu jeder Zeit oberste Priorität haben“, sagte der Bundestagsabgeordnete dem „Handelsblatt“. Er forderte die Abwicklung von Asylverfahren direkt an den EU-Außengrenzen, um zu verhindern, dass Unterstützer des iranischen Regimes einreisen. (epd/mig) Aktuell Gesellschaft

Zurück zur Startseite
MiGLETTER (mehr Informationen)

Verpasse nichts mehr. Bestelle jetzt den kostenlosen MiGAZIN-Newsletter:

UNTERSTÜTZE MiGAZIN! (mehr Informationen)

Wir informieren täglich über das Wichtigste zu Migration, Integration und Rassismus. Dafür wurde MiGAZIN mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet. Unterstüzte diese Arbeit und verpasse nichts mehr: Werde jetzt Mitglied.

MiGGLIED WERDEN
Auch interessant
MiGDISKUTIEREN (Bitte die Netiquette beachten.)