
Nebenan
Schwarz-braun ist die Haselnuss
Die Union kopiert den rechten Ton, hofiert Taliban-Diplomatie, kürzt Sprachkurse und beleidigt Geringverdiener – und wundert sich dann, warum am Ende wieder die AfD kassiert.
Von Sven Bensmann Montag, 23.02.2026, 10:12 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 23.02.2026, 8:18 Uhr Lesedauer: 6 Minuten |
„Wir brauchen keine radikalen Vorschläge, nichts Populistisches und Lautes, weil das nicht zu uns passt“, tönte Deutschlands oberster Rechtspopulist am Wochenende auf dem Parteitag seiner CDU – die ihn bekanntlich so liebt, dass sie ihn erst mehrfach bei der Wahl zum Parteivorsitzenden und dann auch noch im ersten Wahlgang zum Kanzler hängen lies. Immerhin hielt er sich in dieser Rede wohl tatsächlich vornehm zurück, tobte weder gegen „Paschas“ noch Geringverdiener und all das andere verlauste, arbeitsscheue Pack, das er so verachtet – das überließ er seiner vorderösterreichischen Hack… – pardon Norditaliens bekanntestem Wurstinfluencer. Als Veganer bringe ich das irgendwie immer durcheinander.
Dieser packte dafür aber ganz tief in die Populismuskiste, hetzte lautstark gegen Linke, Frauen, linke Frauen und natürlich tätowierte linke Frauen. Aber auch das Verbrenner-Aus – weil kurzfristige Gewinne halt wichtiger sind, als mittelfristige Wettbewerbsfähigkeit oder gar ein langfristig habitabler Planet Erde -, die Atomkraft – wenn wir bis 2040 klimaneutral sein müssen, geht halt nichts über Kraftwerke, die erst 30–40 Jahre für die Errichtung und anschließend russisches Uran brauchen – und neuerdings Bremen – Söder scheint es auf Städte mit „B“ abgesehen zu haben, aufgepasst Bamberg! – standen auf der Liste des Humunkulus von der Theresienwiese.
Ob das Teil dieser ominösen Strategie ist, die AfD zu halbieren, oder nicht, blieb offen. Was hingegen durchaus Teil dieser Strategie ist, ist, dass die Union aktiv Terroristen ins Land holt und sie anschließend zu Diplomaten adelt, ihnen also Immunität gewährt, um so zweierlei zu erreichen: Erstens soll es Deutschland so erleichtert werden, Menschen, die vor diesen Terroristen geflüchtet sind, zurück in die Hände dieser Terroristen abzuschieben, und zweitens sorgt man auf diese Weise dafür, dass die Terroristen direkten Zugriff auf die Botschaftsakten bekommen und so sowohl die hierher Geflüchteten direkt einschüchtern (oder mehr) können, als auch deren Angehörige zurück in Afghanistan.
„Deutschland wird auf diese Weise zu einem unsicheren Herkunfts- und Zielland für geflüchtete Afghanen.“
Deutschland wird auf diese Weise zu einem unsicheren Herkunfts- und Zielland für geflüchtete Afghanen, und genau darum geht es der Union. Damit gehen wir einen ganz eigenen Sonderweg, nachdem die anderen europäischen Staaten – selbst Österreich – sich einer diplomatischen Anerkennung der Taliban als rechtmäßige Regierung Afghanistans weiterhin verschließen. Wobei man der Fairness halber sagen muss, dass Deutschland die Terroristen der Taliban ja nur de facto anerkennt und nicht etwa de jure. Heißt: Sie können all das tun, was sie wollen und Deutschland schaut einfach weg.
Was es für Menschen heißt, die erst mit der Bundeswehr kollaboriert haben und dann aufgrund einer Gefahr für Leib und Leben durch die Taliban nach Deutschland evakuiert werden mussten, wenn sie nun für verschiedene Verwaltungsakte die afghanische Botschaft oder Konsulate besuchen, wo sie direkt ebenjenen Taliban gegenübertreten müssen, fällt mir schwer, vorzustellen. Dass diese Taliban dann bereits ihre Akten durchwühlt, Familienangehörige weggesperrt, gefoltert oder ermordet haben, sie geheimdienstlich aus der Botschaft heraus überwachen oder sie am Ende womöglich direkt in der Botschaft zerstückeln, wie das schon andere getan haben, wird von Deutschland einfach in Kauf genommen, um sich ein paar Geflüchteter zu entledigen.
Aber immerhin kann sich dann anschließend ein fetischhaft-fleischfressender Alpensepp in seine mit 1000 Jahren Inzest gefüllten Bierzelte stellen und dem versammelten Gschwerl erklären: „Deutschland ist sicherer, weil wir hunderte Terroristen ins Land geholt und ihnen diplomatische Immunität gegeben haben! Und wenn ihr jetzt trotzdem noch die AfD wählen wollt, dann wetter ich jetzt halt noch weiter gegen alles Fremde, von Bremen, über Berlin bis Odessa! Wir hatten die Hauptstadt der Bewegung in unserem schönen Bayern! Mit jenen Grunzlauten, die man hierzulande beschönigend ‚bairisch‘ nennt! Wir brauchen kein Hochdeutsch, keine Hochkultur, kein Gemüse! Das hatten wir hier noch nie, das brauchen wir auch nicht, liebe Frrreunde!“
„Damit wir auch zukünftig noch den Menschen vorwerfen können, sie würden sich nicht integrieren, ja nicht einmal die deutsche Sprache lernen, wurden zuletzt erst einmal die Sprachkurse kräftig zusammengestrichen.“
Apropos Odessa: Damit wir auch zukünftig noch den Menschen vorwerfen können, sie würden sich nicht integrieren, ja nicht einmal die deutsche Sprache lernen, wurden zuletzt erst einmal die Sprachkurse kräftig zusammengestrichen. Was so gut geklappt hat, als wir Flüchtenden aus dem arabischen Raum ein existenzsicherndes Minimum an Transferleistungen, sowie die Arbeitsaufnahme verweigert haben, damit sie nicht auf legale Weise an genug Geld kommen konnten, um damit ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, nur um sie anschließend als Kleinkriminelle geißeln zu können, klappt sicher auch ein zweites Mal. Und überhaupt, wenn die gerade im russlandfreundlichen Osten so unbeliebten Ukrainer nachhaltig an einer Integration gehindert werden, dann wird das die AfD ganz sicher eines ihrer wichtigen Wahlkampfthemen berauben, oder? Oder?!
Wahlkampfthemen übrigens auch ein schönes Stichwort. Gerade witzelt ja die ganze Republik mal nicht über die Bahn, sondern darüber, dass die AfD ihre Mitarbeiter vor allem aus dem engeren Familienkreis rekrutiert, weil sie, wie sie selbst sagt, sonst niemandem vertrauen könne. Es wird dabei von einigen so getan, als würde sie das zukunftssicher desavouieren – dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass gleich 56 CSU-Abgeordnete mit Steuergeldern Familienmitglieder als Mitarbeiter für Bürotätigkeiten beschäftigt hatten. Mal ganz zu schweigen von all den Schweinereien, die wir den Unions-Politikern nach der Corona-Pandemie verzeihen sollten.
Und die können sich ja nicht einmal damit herausreden, dass sie konspirativ-verfassungsfeindlich arbeiten, also Fremden nicht vertrauen könnten: Korruption wurde in der Union immer schon großgeschrieben und offen praktiziert. Trotzdem – oder doch eher deswegen – ist es unwahrscheinlich, dass dieser Skandal der AfD wirklich schadet.
„Ob fremde Ausländer, fremde Bundesländer, fremde Progressive, die AfD ist immer schon da, wenn die Union gerade losläuft.“
Und so werden die von Merz, Söder und Spahn geschürten fremdenfeindlichen, auch innerdeutsch-fremdenfeindlichen – denn nichts anderes ist es, wenn sich der südböhmische Gemsenwemser vor Bremern und Berlinern gruseln soll – Ressentiments nur auf ein Konto einzahlen: Das der AfD, deren Markenkern ebendiese Fremdenfeindlichkeit ist. Ob fremde Ausländer, fremde Bundesländer, fremde Progressive, die AfD ist immer schon da, wenn die Union gerade losläuft.
Und wenn die Union dann auch noch immer wieder die entscheidende Kernwählergruppe der AfD, nämlich ungebildete Arbeitslose und Mindestlöhner, beleidigt, während sie gleichzeitig die Axt an die gesetzliche Rente ansetzt, gibt es für die ohnehin keinen Grund vom Original zum billigen Plagiat unter Führung des Privatflugzeugbesitzers aus der gehobenen Mittelschicht zu wechseln.
Egal welche Werbeagentur die AfD für die anstehenden Wahlkämpfe beauftragt hat oder noch beauftragen wird: Eine bessere Werbung für die AfD, als sie die Union gerade macht, könnte sie mit allen illegalen Parteispenden der Welt nicht finanzieren. Entsprechend werden wohl die Landtagswahlen – insbesondere die im September – ausgehen. Die Generalprobe wird in zwei Wochen bereits stattgefunden haben und vermutlich hat sich die AfD dann bereits einmal landesweit verdoppelt. Läuft. (mig) Meinung
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