
Anfeindungen & Proteste
Erfurter Moschee nach zehn Jahren Bauzeit eröffnet
In Erfurt wird die Mahmud-Moschee an die Gläubigen übergeben, doch der Weg dorthin war von Anfeindungen und Protesten geprägt. Jetzt öffnet die Ahmadiyya-Gemeinde ihr Haus und sucht einmal mehr den Dialog mit der Nachbarschaft.
Montag, 16.02.2026, 13:25 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 16.02.2026, 13:25 Uhr Lesedauer: 2 Minuten |
Thüringens erster Moschee-Neubau ist nach jahrelanger Bauzeit und vielen Anfeindungen in Erfurt eröffnet worden. Die Mahmud-Moschee in einem Ortsteil der Landeshauptstadt wurde von der Ahmadiyya Gemeinde erbaut. Nach deren Angaben handelt es sich um das erste muslimische Gotteshaus mit Kuppel und einem kleinen Minarett in den fünf ostdeutschen Bundesländern. Am Sonntag war die Öffentlichkeit zu einem „Tag der offenen Moschee“ eingeladen.
Zu den Gästen der Eröffnungsfeier, die friedlich verlief, gehörten Vertreter der evangelischen und katholischen Kirche, der jüdischen Landesgemeinde sowie Landes- und Kommunalpolitiker.
Moschee soll nicht nur Gebetshaus sein
„Der Weg bis hierher war lang und von Herausforderungen und Prüfungen geprägt“, sagte der Sprecher der Erfurter Ahmadiyya-Gemeinde, Mohammad Suleman Malik. Die Moschee solle ein Haus des Gebets sein, aber auch ein Haus des Dialogs, des Respekts – sie solle „eine Brücke bauen zwischen Menschen und zwischen Religionen“. Das sei wichtig in einer Zeit, in der eine Partei religiöse Minderheiten infrage stelle oder ausgrenze. Die Gemeinde stehe zu Prinzipien wie Friedfertigkeit, Transparenz, Offenheit und Dialog sowie für soziales Engagement.
Malik sprach von einer bescheidenen Moschee: Der Gebetsraum habe eine Größe von 120 Quadratmetern, die Kuppel habe einen Durchmesser von sechs Metern, das Minarett sei acht Meter hoch. Die Investitionen beliefen sich auf 1,4 Millionen Euro und seien über Spenden finanziert worden.
Gemeinde seit 1990 in Erfurt präsent
Thüringens ehemaliger Ministerpräsident, Bundestags-Vizepräsident Bodo Ramelow (Linke), sagte zur Aufschrift auf einer Moschee-Wand „Liebe für alle, Hass für keinen“, das sei eine der großartigsten Botschaften, die er kenne. Ramelow und Erfurts Oberbürgermeister Andreas Horn (CDU) bezeichneten die Religionsfreiheit als eine der wichtigsten Lehren aus der deutschen Geschichte. „Es geht um Toleranz, um religiöse Vielfalt“, so Ramelow. Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) schickte eine Videobotschaft zur Eröffnung.
Nach Bekanntgabe des Projekts 2016 und noch vor dem Baustart 2018 hatte es Proteste gegen den Neubau der relativ kleinen Moschee und Anfeindungen gegen die Gemeinde gegeben. Gegner des Projekts hatten etwa in der Nähe des Baugeländes große Holzkreuze und Holzspieße mit Schweinekadavern aufgestellt. Während der Bauarbeiten kam es immer wieder zu Verzögerungen.
Handwerker lehnten Aufträge ab
Gegner organisierten wiederholt Proteste. Einzelne Handwerksbetriebe zögerten, am Bau mitzuwirken, weil sie Druck oder Einschüchterungen befürchteten; einige lehnten Aufträge ab. Vor der Thüringer Landtagswahl 2019 instrumentalisierte die AfD das Thema Moscheebau, um Stimmung gegen Einwanderungspolitik und Islam zu machen.
Die Ahmadiyya-Gemeinde zählt nach Angaben ihres Sprechers in Thüringen rund 100 Mitglieder. Die Gemeinde in Erfurt besteht seit September 1990. Bundesweit gibt es demnach etwa 60.000 Ahmadi-Muslime in 250 Gemeinden. Die Religionsgemeinschaft wurde 1889 in Indien gegründet. In einigen Ländern, vor allem Pakistan, ist sie Verfolgungen ausgesetzt. (dpa/epd/mig) Aktuell Panorama
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