
Forderungskatalog
Medienmacher fordern mehrsprachige Offensive gegen Fake-News
Über Fake-News wird in Deutschland viel gesprochen – aber meist so, als beträfe sie nur Menschen, die Nachrichten auf Deutsch konsumieren. Dabei wächst der Teil der Bevölkerung, der im Alltag mehrsprachig ist. Medienmacher sehen die öffentlich-rechtlichen in die Pflicht.
Dienstag, 10.02.2026, 13:06 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 10.02.2026, 13:06 Uhr Lesedauer: 2 Minuten |
Wenn in Deutschland über Fake News debattiert wird, geschieht das oft mit einem blinden Fleck: Es geht um deutschsprachige Inhalte, deutschsprachiges Publikum, deutschsprachige Gegenmittel. Gleichzeitig kursieren gezielte Desinformationskampagnen in zahlreichen Sprachen – und treffen Menschen, die zu Hause, im Freundeskreis oder in Communitys andere Sprachen nutzen. Wo seriöse Informationen nicht erreichbar sind, entstehen Informationslücken. Und in diese Lücken drängen Gerüchte, Manipulation und Propaganda.
Genau diese Leerstelle nimmt ein Forderungskatalog der Neuen deutschen Medienmacher (NdM) in den Blick. Der Tenor: Eine demokratische Öffentlichkeit braucht verlässliche Informationen für alle – nicht nur auf Deutsch. Wo sie fehlen, gewännen Falschinformationen an Einfluss, untergrüben Medienvertrauen und gefährdeten den gesellschaftlichen Zusammenhalt.
„Wir brauchen eine neue Infrastruktur für Glaubwürdigkeit“, sagt NdM-Geschäftsführerin Elena Kountidou und ergänzt: „Nur durch die Zusammenarbeit von Journalismus, Wissenschaft und einer starken, pluralen Zivilgesellschaft können wir Desinformation wirksam begegnen.“
Mehr Sprachenvielfalt in den öffentlich-rechtlichen Medien
Inhaltlich zielen die Forderungen auf einen Dreiklang: mehr verlässliche Angebote, mehr Kompetenz – und mehr Verantwortung dort, wo Desinformation verbreitet wird. So sollen Nachrichten- und Bildungsinhalte deutlich stärker mehrsprachig verfügbar sein, dauerhaft und sichtbar. Untertitel und mehrsprachige Tonspuren sollen nicht die Ausnahme bleiben, sondern zum Standard werden – gerade dort, wo öffentlich finanzierte Angebote Grundversorgung leisten sollen.
Zugleich wird gefordert, Redaktionen so aufzustellen, dass Mehrsprachigkeit und Vielfalt nicht nur als Thema vorkommen, sondern als Fähigkeit. Wer Desinformation in verschiedenen Sprachen und Kontexten früh erkenne, könne schneller reagieren – etwa mit Faktenchecks, die zeitnah in mehreren Sprachen erscheinen. Weil dafür oft die Mittel fehlen, setzt der Katalog außerdem auf Zusammenarbeit: Medienhäuser sollen Monitoring, Recherchen und Weiterbildung stärker gemeinsam organisieren, statt parallel an denselben Problemen zu arbeiten.
Soziale Medien in die Pflicht nehmen
Eine weitere Forderung betrifft Soziale Medien wie Facebook oder X. Diese müssten stärker in die Pflicht genommen werden: Desinformation müsse konsequent gekennzeichnet werden, dürfe nicht durch Algorithmen verstärkt werden, Moderationsprozesse müssten transparent sein – und Kooperationen mit Faktencheck-Initiativen dürften nicht an Sprachgrenzen enden.
Der NdM ist ein bundesweites Netzwerk von Journalist:innen, das sich für mehr Vielfalt im Journalismus einsetzt. Nach eigenen Angaben engagiert sich der Verein für diskriminierungskritische Berichterstattung, divers besetzte Redaktionen und gegen Hass im Netz. (mig) Aktuell Gesellschaft
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