Richterpult, Prozess, Gericht, Richterstuhl, Stuhl, Justiz
Richterpult (Symbolfoto)

Ehekrise, Chats und Bombenbau

Zwischen IS-Sympathien und Frauen-Fantasien

Es klingt wie eine bizarre Mischung aus Dating-Chat und Terrorfantasie: Ein 28-jähriger Syrer erklärt vor Gericht, seine Radikalisierung habe weniger mit Politik zu tun gehabt – sondern mit einer Ehekrise und Frauen im Internet, die auf „IS-Kämpfer“ standen. Er habe nur imponieren wollen.

Montag, 09.02.2026, 15:18 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 09.02.2026, 15:18 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Im Prozess gegen einen syrischen Flüchtling wegen Vorbereitungen für einen Sprengstoffanschlag hat der 28-Jährige den Vorwurf der Anklage eingeräumt. „Ich habe nie einen konkreten Anschlagsplan gehabt“, ließ der Angeklagte vor dem Landgericht München I über seinen Anwalt zwar erklären.

Zur Wahrheit gehöre aber auch, „dass ich nicht weiß, wie weit ich abgedriftet wäre, wenn ich nicht festgenommen worden wäre“. Das Motiv, das der junge Mann angibt, lässt aufhorchen: „Es klingt absurd, aber diese Frauen standen regelrecht darauf.“

___STEADY_PAYWALL___

Die Generalstaatsanwaltschaft wirft dem heute 28-Jährigen aus Aleppo vor, Anleitungen zum Bombenbau heruntergeladen und einen Anschlag auf eine Diskothek oder einen ähnlich belebten Ort beabsichtigt zu haben. Er ist unter anderem wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat und vorsätzlichen Besitzes einer verbotenen Waffe angeklagt. Der Syrer war 2015 mit seiner Familie nach Deutschland gekommen.

Motiv: Ehekrise und andere Frauen

Als die Ehe mit seiner Frau in eine Krise geriet, habe er sich in sozialen Medien ablenken wollen und sei da mit heiratswilligen Frauen mit Sympathien für die sogenannte Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) in Kontakt gekommen.

„Ich muss heute gestehen, dass ich mich von den Frauen habe mitreißen lassen“, erklärte der 28-Jährige über seinen Anwalt. „Für die Frauen waren IS-Kämpfer wie Popstars, denen sie sich an den Hals werfen wollten.“

Einige dieser Frauen hätten sich sogar „entblößt, wenn sie dachten, auf der anderen Seite der Kamera sitzt ein IS-Anhänger“. Darum habe er Anleitungen zum Bau von Sprengsätzen aus dem Internet heruntergeladen und zum Beweis in die Kamera gehalten. „Ich hielt es zunächst für harmloses Imponiergehabe im Internet“, hieß es in der Erklärung. „Ich fühlte mich, ehrlich gesagt, wie ein Mafioso.“

Bombenmaterial in der Wohnung?

Laut Anklage bewahrte er unter anderem neun Flaschen Brenngel und potenziell explosives Kaliumchlorat aus Streichholzköpfen in seiner Wohnung im unterfränkischen Kolitzheim bei Schweinfurt auf. Außerdem wurden ein Butterflymesser und ein Schlagstock gefunden. Das Brenngel sei in seiner Wohnung gewesen, weil er es gebraucht habe, um auf traditionelle Weise Kaffee zu kochen, ließ der 28-Jährige mitteilen. Der Rest aber sei dazu gedacht gewesen, Sprengsätze zu bauen.

Sein Plan soll gewesen sein, „eine unkonventionelle Spreng- oder Brandvorrichtung herzustellen, um diese für die Begehung eines Sprengstoffanschlages oder eines Brandanschlages zu verwenden und hierdurch eine Vielzahl von Personen zu töten“, sagte die Vertreterin der Generalstaatsanwaltschaft in ihrer Anklage.

Der 28-Jährige betonte, er wolle sich bei der deutschen Bevölkerung entschuldigen. Nach eigenen Angaben konvertierte er in der Untersuchungshaft zum Christentum, einst war er mit seiner Familie vor dem „Islamischen Staat“ nach Deutschland geflohen. „Heute tut mir das alles unendlich leid.“

Das Geständnis des jungen Mannes ist Teil eines sogenannten Deals von Staatsanwaltschaft und Verteidigung mit dem Gericht. Bei einem umfänglichen Geständnis stellte die Kammer dem Angeklagten eine Strafe von höchstens drei Jahren und vier Monaten in Aussicht. (dpa/mig) (dpa/mig) Aktuell Panorama

Zurück zur Startseite
MiGLETTER (mehr Informationen)

Verpasse nichts mehr. Bestelle jetzt den kostenlosen MiGAZIN-Newsletter:

UNTERSTÜTZE MiGAZIN! (mehr Informationen)

Wir informieren täglich über das Wichtigste zu Migration, Integration und Rassismus. Dafür wurde MiGAZIN mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet. Unterstüzte diese Arbeit und verpasse nichts mehr: Werde jetzt Mitglied.

MiGGLIED WERDEN
Auch interessant
MiGDISKUTIEREN (Bitte die Netiquette beachten.)