
Waffen-Export
Deutschlands Geschäft mit dem Tod
Deutsches Wachstum blüht auf fremden Gräbern. Wo zivile Industrie an Wettbewerbsfähigkeit verliert, wird Waffen-Export zum Rettungsanker — ein Offenbarungseid auf Kosten des Globalen Südens.
Von Kiflemariam Gebre Wold Dienstag, 27.01.2026, 11:59 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 27.01.2026, 12:02 Uhr Lesedauer: 2 Minuten |
Deutschland präsentiert sich gern als moralische Ordnungsmacht: Gewaltverzicht, historische Aufarbeitung und multilaterale Verantwortung sind feste Elemente seines Selbstverständnisses seit der Bonner Republik. Gleichzeitig zählt die Bundesrepublik seit Jahrzehnten zu den weltweit führenden Exporteuren von Kriegswaffen und Dual‑Use‑Gütern. Dieser Widerspruch ist kein Fehlpass. Er ist politisch gewollt.
Schon in den 1950er‑Jahren entstand ein eng verflochtenes Geflecht aus Politik und Industrie. Rüstungsunternehmen lieferten nicht nur Waffen, sie prägten auch internationale Standards. Staatliche und staatlich geförderte Firmen errichteten weltweit schlüsselfertige Munitions‑ und Waffenfabriken. Exportiert wurde damit nicht nur das einzelne Gewehr, sondern die Fähigkeit zur selbstständigen Kriegsführung — in Regionen, in denen diplomatische Beziehungen längst abgekühlt waren. Deutsche Ingenieurskunst machte Töten skalierbar – zum Beipiel im Sudan, Myanmar, Mexiko.
Die Logik ist zynisch und berechenbar: Rüstungsexporte fungieren als diplomatische Währung und werden ökonomisch als notwendig abgebildet. Die deutsche Rüstungsindustrie ist strukturell exportabhängig; der Binnenmarkt allein reicht nicht aus, um Forschung, Entwicklung und Produktion auszulasten. Also werden Absatzmärkte außerhalb Europas bedient. Konflikte werden so zu Konjunkturprogrammen: Große Exportvolumina senken Stückkosten, während andere Regionen die Kosten von Gewalt tragen. Waffenlieferungen befeuern Konflikte — planbar und profitabel.
„Deutscher Wohlstand wird zunehmend über die Belieferung fremder Kriege gesichert.“
Deutlich wurde diese Dynamik in den Jahren 2024 und 2025. Angesichts der Krise ganzer Branchen, z. B. der Autoindustrie, wurde die Rüstungsbranche als „Wachstumsmotor“ identifiziert. Unternehmen meldeten hohe Auftragsbestände, Fachkräfte wechselten aus schwächelnden Zulieferbetrieben in Munitionswerke — ein Trend, der Produktion und Beschäftigung in der Rüstungsindustrie stärkte. Deutscher Wohlstand wird zunehmend über die Belieferung fremder Kriege gesichert.
„Menschenrechtsfragen werden formal erwähnt, ohne wirkliche Entschlossenheit.“
Hinzu kommt eine strategische Dimension: Exporte nach Staaten wie Indien, Algerien oder Ägypten dienen geopolitischen Bindungen. Menschenrechtsfragen werden formal erwähnt, ohne wirkliche Entschlossenheit. Besonders perfide ist die Verbindung zur Migrationspolitik: Deutschland liefert Überwachungstechnik und andere Instrumente, mit denen Fluchtbewegungen außerhalb Europas gebremst werden. Gewalt wird so externalisiert, Abschottung ausgelagert. Gleichzeitig zirkulieren Waffen deutscher Herkunft in vielen Herkunftsregionen von Geflüchteten — oft über Jahrzehnte funktionsfähig und mitwirkend für uferlose Destabilisierung.
Wer Waffenfabriken exportiert, exportiert Leid und Zerstörung. Aus diasporischer Perspektive wirkt deutsche Empörung über Flucht unredlich, solange deutsche Technologie an der Mitproduktion von Gewalt beteiligt ist. Wer Gewalt global mitorganisiert und ihre Folgen an den eigenen Grenzen abwehrt, ist nicht glaubhaft.
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