
NRW-Studie
Schlechte Noten für islamischen Religionsunterricht an Schulen
Eine aktuelle Studie stellt dem islamischen Religionsunterricht an nordrhein-westfälischen Schulen kein gutes Zeugnis aus. Nur sechs von Hundert Schülern nehmen daran teil. Auch die Qualität lässt zu Wünschen übrig.
Montag, 26.01.2026, 11:11 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 26.01.2026, 11:11 Uhr Lesedauer: 2 Minuten |
Der islamische Religionsunterricht in Nordrhein-Westfalen wird laut einer neuen Studie von der Mehrzahl der befragten Schüler als „alltagsrelevant, motivierend und zufriedenstellend“ wahrgenommen. Auch andere Gruppen wie Lehrkräfte, Schulleitungen und Eltern äußerten sich demnach überwiegend positiv gegenüber dem seit dem Schuljahr 2012/13 bestehenden Schulfach, heißt es in der vom Zentrum für Islamische Theologie der Universität Münster vorgelegten Untersuchung. Die Evaluation wurde am Mittwoch vergangener Woche im Schulausschuss des nordrhein-westfälischen Landtags vorgestellt.
Nach Angaben des Schulministeriums wird islamischer Religionsunterricht im laufenden Schuljahr an 247 Schulen von insgesamt 332 Lehrkräften erteilt. 31.673 Schülerinnen und Schüler nehmen daran teil, das sind lediglich etwas über sechs Prozent aller rund 500.000 muslimischen Schüler (zum Vergleich: 2015 waren es 2,5 Prozent). So beklagen die Studienautoren, dass das Fach bislang nur einen kleinen Teil der muslimischen Schülerschaft erreicht. Bemängelt wird, dass der Unterricht trotz steigender Nachfrage nur begrenzt angeboten wird – er sei vielerorts von Einzelinitiativen abhängig. Ein Ausbau des Angebots wird als zentraler Punkt genannt – verbunden mit dem Bedarf an zusätzlichen, entsprechend qualifizierten Lehrkräften.
Mangelhafte Unterrichtsqualität
Als weiterer Kritikpunkt werden Defizite bei Lehr- und Lernmaterialien benannt. Lehrkräfte und Fachverantwortliche berichten demnach, dass es an praxistauglichen, einheitlichen Materialien fehle und vieles selbst erarbeitet werden müsse. Außerdem wird eine Aktualisierung von Inhalten gefordert, um stärker auf Gegenwartsfragen einzugehen – etwa den Einfluss sozialer Medien, Prävention von Antisemitismus, Fragen von Gleichberechtigung oder Gewaltprävention.
Auch bei den Strukturen sehen die Autoren Handlungsbedarf: So wird auf organisatorische Belastungen hingewiesen, etwa weil zentrale Aufgaben stark vom Ehrenamt abhängen.
Potenzial zur Identitätsentwicklung
Die neben den Schülern befragten Gruppen wie Lehrerinnen und Lehrer, Eltern und auch die Kommission islamischer Religionsunterricht als Vertretung islamischer Organisationen betonten demnach „den hohen pädagogischen und gesellschaftlichen Stellenwert“ des Faches und sähen darin „wesentliches Potenzial“ zur Identitätsentwicklung junger Muslime und Musliminnen. Schüler könnten dort lernen, ihren Glauben „reflektiert, verantwortungsbewusst und im Einklang mit demokratischen Werten zu leben“.
Das Ministerium hatte das Zentrum für Islamische Theologie unter Leitung des Soziologen und Religionspädagogen Mouhanad Khorchide mit der Studie beauftragt. Für die Untersuchung befragten die Forscher nach eigenen Angaben im Jahr 2024 353 Schüler und 60 Lehrkräfte mit einem Fragebogen. Anschließend wurden Interviews mit insgesamt 45 Personen geführt. (epd/mig) Aktuell Panorama
Wir informieren täglich über das Wichtigste zu Migration, Integration und Rassismus. Dafür wurde MiGAZIN mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet. Unterstüzte diese Arbeit und verpasse nichts mehr: Werde jetzt Mitglied.
MiGGLIED WERDEN- Klimaklage aus Pakistan Deutschland mitverantwortlich für Jahrhundertflut?
- Sachsen Über 600 Kinder ohne Schulplatz – alle ohne deutschen Pass
- Neue Entwicklungspolitik Alabali Radovan: Deutschland gibt Kampf gegen…
- Wahlkampf in Bayern AfD will Einbürgerung nur noch für Reiche –…
- Return Hubs EU-Staaten bereiten Abschiebezentren in Drittstaaten vor
- Wirbel um OB-Kandidaten „Mein N-Wort ist Nürnberg“

