
Nebenan
New World Order?
USA und China teilen die Welt neu, Russland spielt als nützlicher Störfaktor mit, Europa droht zum Anhängsel zu werden: Der Blick auf Arktis, Taiwan und Afrika führt zur Frage, ob Integration oder Nationalismus Europas Zukunft bestimmt.
Von Sven Bensmann Montag, 12.01.2026, 10:12 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 12.01.2026, 8:55 Uhr Lesedauer: 4 Minuten |
Wenn alle Stricke reißen, kann man sich nicht einmal mehr aufhängen. So bleibt uns dieser Tage nicht viel mehr übrig, als zuzuschauen, wie die alte Weltordnung zerbricht und sich die USA und China wohl schon bald die Welt untereinander aufteilen werden. Dabei ist das Jahr noch kaum zwei Wochen alt. Holy Fuck.
Nicht so schnell! Hat da nicht jemand Russland vergessen? Nö, Russland können se vergessen, jedenfalls mittelfristig. Den Schuss hat selbst die AfD bereits gehört und bändelt neben Russland auch mit China an.
„Trumps Kriegsverbrechen – für alle Experten glasklar ein Kriegsverbrechen – sind nur für die Laien aus der Bundesregierung zu „komplex“ für ein Urteil.“
Während Trump Kriegsverbrechen um Kriegsverbrechen begeht und zuletzt den legitimen Präsidenten eines souveränen Staates entführt hat – für alle Experten glasklar ein Kriegsverbrechen, nur für die Laien aus der Bundesregierung zu „komplex“ für ein Urteil –, feiert er im Inland die Exekution einer Zivilistin durch seine maskierten Braunhemden (a.k.a. „ICE“). Und womöglich hat er auch seine fettigen CIA-Händchen im Iran im Spiel – was kein besonders gutes Vorzeichen für die Volte des iranischen Widerstands ist. China steckt derweil bereits den eigenen Claim ab.
Die kritische Rolle werden für diese Zukunft weniger Kanada oder Grönland spielen, die China ziemlich egal sind und gegen deren widerrechtliche Aneignung durch die USA die Europäer allenfalls einen bösen Brief formulieren können, weil sie halt nicht selbständig kriegsfähig sind – und nicht einmal Russland, geschweige denn die USA, eigenhändig niederringen könnten.
Vermutlich wird es Kuba sein, nach dem Trump ebenfalls seine Fettfingerchen ausstreckt und an dem sich das weitere Schicksal der Welt entscheidet: Einigen sich China und die USA darauf, dass auch Kuba fallen darf, dann wohl nur um den Preis Taiwans. Und darin wird der zukünftige Kurs vorgezeichnet: So sehr Russland als Gefahr aktuell im Fokus Europas ist – dass es den Krieg in der aktuellen Lage nicht gewinnt, liegt wohl in nicht geringem Maße an China, dass ein Interesse daran hat, Russlands Kräfte im Westen zu binden und es daher gerade so weit unterstützt, dass es im Limbo zwischen Sieg und Niederlage verbleibt. Der Grund dafür ist naheliegend – im engsten Sinne -, denn in jener multipolaren Welt, die Putin seit jeher anstrebt und in der die Großmächte ihre eigenen Einflussbereiche abstecken, könnte sich gerade dieser oft als politisches Genie, das fünf Züge im Voraus denkt, dargestellte Autokrat gründlich verkalkuliert haben.
China lechzt schließlich seit Jahren nach einem Zugang zur Arktis, um einerseits im zukünftig eisfreien arktischen Ozean schneller Waren nach Europa verschiffen zu können, andererseits um Anspruch auf arktische Bodenschätze anmelden zu können. Und den kann es am ehesten über Sibirien erreichen, wo Chinesen lokal bereits Bevölkerungsmehrheiten stellen. So könnte das heute bereits stark von China abhängige Russland schneller auf die Gebiete diesseits des Urals zusammenschrumpfen, als es sich derzeit die meisten vorstellen können.
„Wo Europas Platz in dieser neuen Welt ist … wird sich daran entscheiden, ob … Deutschland und Frankreich sich in Kleinstaaterei, Fremdenfeindlichkeit und Nationalismus ergehen.“
Wo Europas Platz in dieser neuen Welt ist, wird in besonderem Maße davon abhängen, ob es seine innere Integration vorantreiben und gleichzeitig einen multipolaren Block mit den Staaten Afrikas bilden kann, die über das notwendige Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum verfügen, das Europa fehlt und die im Gegenzug von europäischen Erfahrungen in Sachen friedlicher Integration und nicht zuletzt der technischen Expertise profitieren könnten. Das heißt auch: Es wird sich daran entscheiden, ob insbesondere die beiden großen Staaten Deutschland und Frankreich sich in Kleinstaaterei, Fremdenfeindlichkeit und Nationalismus ergehen, ob rechte Parteien sich weiter der extremen Rechten anbiedern und Kulturkampf betreiben oder, ob internationale Kooperation und Integration – wie sie in früheren Zeiten gerade auch von Konservativen vorangetrieben wurde – die zukünftige europäische Politik bestimmen. Also auch daran, ob man als Kanzler auch einmal ins Ausland reisen kann, ohne sich über das Stadtbild oder fehlendes Brot zu beschweren.
Mit anderen Worten: Wenn sich diese neue Weltordnung tatsächlich manifestieren sollte, sind wird ziemlich in den Hintern gekniffen und dazu verdammt, das Anhängsel entweder Russlands oder der USA zu werden, je nachdem, wie sich die Interessenlage entwickelt. Aber immerhin werden wir bis dahin ein paar Menschen abgeschoben und Veggie-Schnitzel veganes Sojaerzeugnis nach Art eines panierten bovinen Kadavers genannt haben. Prioritäten.
Wenn Sie an einen Gott glauben, wäre jetzt wohl der Zeitpunkt, zu beten. (mig) Meinung
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