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Flugzeug auf der Startbahn © bilaleldaou @ pixabay.com (Lizenz), bearb. MiG

Sanktionen gegen Russland

Folgen treffen mehr als nur Lieferketten

Der Krieg in der Ukraine trifft nahezu die gesamte Wirtschaft. Einzelhändler, die in ihren Geschäften Waren aus Russland oder China anbieten, stehen vor einer großen Herausforderung. Aber auch private Reisen zu Familien im Ausland sind – je nach Region – nicht ohne weiteres möglich.

Donnerstag, 07.04.2022, 0:54 Uhr|zuletzt aktualisiert: Freitag, 08.04.2022, 8:05 Uhr Lesedauer: 4 Minuten  |  

Der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine hinterlässt seine Spuren längst in allen Lebensbereichen hierzulande. Nicht nur die direkten Folgen wie die Fluchtbewegung oder steigende Spritpreise an den Tankstellen bekommen wir zu spüren. Auch indirekte Folgen, beispielsweise für Lieferketten von Warentransporten, werden uns noch kurz- und langfristig begleiten. So hat der Branchenriese Porsche bereits aufgrund mangelnder Teile aus der Ukraine die Produktion des Taycan drosseln müssen, aber auch kleine Nischenanbieter wie Teehändler scheitern aufgrund mangelnder Ernteergebnisse aus bestimmten Regionen an der Zusammenstellung beliebter Teemischungen wie Früchtetee oder Kräutertee, und müssen die Rezepturen wohl dauerhaft umstellen. Und das sind nur ein paar Beispiele, die vergleichsweise leicht zu verkraften sind.

Direkte Folgen für den internationalen Flugverkehr

Der Krieg beeinträchtigt tatsächlich viele Lebensbereiche. Selbst wenn keine direkten Waren aus Russland oder der Ukraine bezogen werden, wird der Warentransport aus Asien durch die politische Situation beeinflusst. So ist für viele Unternehmen unserer Region China ein wichtiger Handelspartner. Die Waren kommen in vielen Fällen über den Flugweg nach Deutschland und Europa, wofür eine Reihe von russischen Transitflughäfen genutzt werden.

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Anzahl und Größe der Flughäfen in Russland verdeutlichen, wie sehr sich Einschränkungen im Flugverkehr auf die direkte Warenlieferung in Richtung Europa auswirken. Luftfrachtlandungen von Flughäfen wie Krasnojarsk und Moskau-Scheremetjewo kommen nicht mehr an und machen eventuell eine langfristige Umplanung für den Frachttransport aus China notwendig. Eine verlässliche Planung mit Prognose der kriegerischen Situation ist aktuell kaum möglich.

Personenverkehr und Business-Kontakte betroffen

Werden Einschränkungen auf nationale und europäische Lieferketten erkannt, ist der Wunsch nach Alternativen groß. Dieser lässt sich aktuell nicht ohne Weiteres erfüllen, da die Geschäftskontakte selbst durch Einschränkungen im Flugverkehr erschwert werden. Dies gilt für viele internationale Wirtschaftsstandorte, ob in Übersee oder als starke asiatische Handelspartner wie Singapur.

Reisende, die ihre Geschäfte vor Ort in diesen Regionen ankurbelten, müssen sich auf ausfallende oder deutlich teurere Flüge einstellen. Hier spiegeln sich bereits jetzt die steigenden Energiekosten je nach Flugstrecke und Energiekosten wider. Da nicht für jedes Produkt auf eine Lieferung aus dem näheren Umfeld umgestellt werden kann, bleiben viele Fragen bei der Problemlösung offen. Was für Geschäftsreisende gilt, gilt auch für Privatpersonen. Auch sie müssen tiefer in die Tasche greifen, wenn sie etwa ihre Familien im Ausland besuchen und dafür einen Flugticket kaufen müssen.

Weitere Probleme für bestehende Lieferketten

Die Konfliktsituation zwischen Russland und der Ukraine trifft viele Unternehmen nicht in einer wirtschaftlich blendenden Phase. Vielmehr werden Probleme für bestehende Lieferketten durch die globale Pandemie-Situation der letzten beiden Jahre noch verschärft. Durch medizinische Restriktionen wurden zwischenzeitlich Lieferungen komplett eingestellt oder erst mit großen Verzögerungen erfüllt.

Waren viele Firmen froh, endlich wieder Waren in der gewohnten Geschwindigkeit aus weiten Teilen der Erde zu erhalten, muss nun in den Planungen wieder zurückgerudert werden. Einige Firmen konnten in den letzten beiden Jahren auf regionale Lösungen umstellen, nicht immer ist dies aufgrund der Art des Produkts oder den Herstellungskosten möglich. Direkte Auswirkungen spüren Endkunden bis heute, beispielsweise durch die phasenweise schwierig bestellbare „Weiße Ware“ wie Wasch- und Spülmaschinen.

Die aktuelle Situation trifft in besonderer Weise aber Betreiber von Warenhäusern, die sich spezialisiert haben auf Produkte aus dem Ausland, etwa aus Russland, China oder anderen asiatischen Ländern. Sie stehen vor der Herausforderung, zu vernünftigen Preisen weiter Waren einkaufen und ihren Kunden anbieten zu können.

Schnelle Lösungen nicht in Sicht

Einen zeitnahen Ersatz der bisher gewohnten Lieferketten gibt es nicht immer. Firmen und Unternehmer aller Branchen sehen sich einer unsicheren Planung gegenüber, da nicht eingeschätzt werden kann, wie lange der Konflikt im Osten Europas noch andauert. Schließlich möchte niemand in gänzlich neue Händler und Transportwege investieren, wenn in einigen Wochen wieder die vertrauten Wege offenstehen.

In jedem Fall dürften die Folgen durch steigende Energiekosten erhalten bleiben, die sich auf Schiene und Straße auswirken. Zusammen mit den steigenden Produktionskosten in Branchen, die einen großen Energiebedarf in der Produktion haben, ist die Suche nach Alternativen zu etablierten und globalen Lieferketten nahezu alternativlos. (dd)

Wirtschaft
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