Rassismus, Demo, Transparent, Ausländerfeindlichkeit
Das Problem heißt Rassismus (Archivfoto) © strassenstriche.net @ flickr.com (CC 2.0)

„Haltung zeigen“

Internationale Wochen gegen Rassismus gestartet

Die Internationalen Wochen gegen Rassismus wurden am Montag eröffnet. 1.500 Veranstaltungen sind geplant. In Dresden wurde der „Marwa El-Sherbini-Park“ eingeweiht. Dieses Jahr beteiligen sich neun Religionsgemeinschaften, die Bundeswehr und Sportler an den Wochen.

Dienstag, 15.03.2022, 5:19 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 14.03.2022, 17:55 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |  

Unter dem Motto „Haltung zeigen“ sind am Montag die Internationalen Wochen gegen Rassismus eröffnet worden. „Es geht um Haltung und Zivilcourage von jedem und jeder einzelnen“, sagte die Bundesbeauftragte für Antirassismus, Reem Alabali-Radovan (SPD), in einer digitalen Konferenz. „Wir müssen uns einmischen, wenn Menschen rassistisch angefeindet werden – in Bus, Bahn oder in der Schlange beim Supermarkt.“ Bürgerinnen und Bürger müssten wachsam sein gegen Propaganda, Desinformation und Verschwörungsmythen. Die von den UN ausgerufenen Wochen enden am 27. März.

„Wir brauchen einen starken Staat im Kampf gegen Rassismus“, fügte Alabali-Radovan hinzu. „Aber dieser Kampf ist nur gemeinsam mit einer aktiven Zivilgesellschaft und mit starken Partnern zu gewinnen.“ Daran setzten die Internationalen Wochen gegen Rassismus an, sagte der Geschäftsführende Vorstand des Organisators in Deutschland, der Stiftung gegen Rassismus, Jürgen Micksch. Ziel der Wochen mit ihren mehr als 1.500 Veranstaltungen sei es, „eine neue Haltung gegen Hass und Rassismus zu entwickeln“, hieß es weiter.

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„Marwa El-Sherbini-Park“ in Dresden eingeweiht

In Dresden wurde zum Auftakt der Wochen gegen Rassismus zu Ehren der 2009 ermordeten Ägypterin Marwa El-Sherbini ein Park mit ihrem Namen eingeweiht. Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) enthüllte bei der Feier das Straßenschild „Marwa El-Sherbini-Park“. Der Park befindet sich vor dem Dresdner Landgericht, an dem El-Sherbini 2009 Opfer eines Hassverbrechens wurde. Die Pharmazeutin war damals während einer Verhandlung niedergestochen worden. Der Täter wurde wegen Mordes aus Islamhass zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

Das Schild am Park ist laut Stadtverwaltung aber „nur ein Baustein, dem weitere folgen werden: Mittels eines aktiven Beteiligungsprozesses soll der neue Park als lebendiger Ort des Erinnerns für die Zukunft gestaltet werden“. Der Stadtrat hatte der Namensgebung 2020 zugestimmt, das offizielle Schild für den Park vor dem Gerichtsgebäude fehlte aber bisher. El-Sherbini ist nicht das einzige Opfer fremdenfeindlicher Gewalt in Dresden: Bereits im April 1991 kam der mosambikanische Vertragsarbeiter Jorge Gomondai in Folge eines fremdenfeindlichen Übergriffs zu Tode.

Freitagsgebete in 1.700 Moscheen

Mehr als 1.800 religiöse Feiern griffen das Anliegen auf, davon die Freitagsgebete in 1.700 Moscheen. Neun verschiedene Religionsgemeinschaften beteiligten sich. Der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) rief dazu auf, sich an der „Woche gegen Rassismus“ zu beteiligen.

„Nach NSU, Halle und Hanau wissen wir spätestens auch in Deutschland, dass Rassismus tötet und dass Hass und eine Gewaltsprache am Ende in physischen Terror enden“, erklärte der ZMD-Vorsitzende Aiman Mazyek am Montag zum Beginn der Aktion in Köln. Deshalb sei es wichtig, Haltung zu zeigen und sich jeder Forme der Menschenfeindlichkeit entschieden entgegenzustellen.

#BewegtGegenRassismus

Dieses Jahr beteilige sich auch die Bundeswehr mit dem ranghöchsten Soldaten, Generalinspekteur Eberhard Zorn, an den Internationalen Wochen gegen Rassismus, erläuterte Micksch. Erstmals gebe es einen Aktionstag des Sports unter dem Motto „#BewegtGegenRassismus“. Sportler seien Vorbilder, und ein gemeinsam ausgeübter Sport wirke gegen Vorurteile. Der Deutsche Fußball-Bund, die DFL-Stiftung, die Deutsche Sportjugend im Deutschen Olympischen Sportbund und der Sportverein Eintracht Frankfurt als Botschafter hätten Stellungnahmen zu den UN-Wochen abgegeben.

„Wir sind nicht nur gegen Rassismus, wir sind für Frieden und gegen Krieg“, sagte der Präsident von Eintracht Frankfurt, Peter Fischer. Es sei unvorstellbar, was in der Ukraine passiere. Aus Worten entstünden Taten. Im Fall von Rassismus habe dies der Anschlag von Hanau am 19. Februar 2020 gezeigt. „Wir dürfen nicht zulassen, dass in sozialen Medien solche Biotope entstehen“, sagte er. „Wir gehören nicht dazu, dagegen wehren wir uns, gegen Rassismus gibt es eine ganz klare Haltung.“ (epd/mig)

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