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Vereinte Nationen Weltklimawandel-Konferenz (Archiv) © UNclimatechange @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Knackpunkt

Klimagipfel ringt um Finanzen

Im schottischen Glasgow ist die UN-Klimakonferenz in die zweite und entscheidende Woche gestartet. Der finanzielle Bedarf armer Länder für die Anpassung an die Erderwärmung stellt sich als Knackpunkt heraus - wie bei vergangenen Gipfeln.

Dienstag, 09.11.2021, 5:22 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 08.11.2021, 15:52 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Streit ums Geld hat den Auftakt zur zweiten und entscheidenden Verhandlungswoche beim Weltklimagipfel in Glasgow geprägt. Arme Staaten forderten die Industrieländer auf, ihre finanziellen Versprechen zu präzisieren. „Sonst scheitert Glasgow“, sagte der Vertreter Guineas als Sprecher der Entwicklungsländergruppe G77 am Montag. Insbesondere forderte er mehr Geld für die Anpassung an die Erderwärmung und zur Kompensation klimabedingter Schäden und Verluste.

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Bei vergangenen Gipfeln hatten die Industriestaaten zugesichert, ab 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar an Klima-Hilfen in armen Staaten bereitzustellen. OECD-Berechnungen zeigen, dass das Versprechen bislang unerfüllt ist. Kanada und Deutschland haben deshalb vor dem Gipfel einen Plan vorgestellt, wie das Finanzierungsziel bis spätestens 2023 erreicht werden kann. In der ersten Woche der Glasgower Konferenz gab es mehrere neue Zusagen reicher Staaten, darunter Japans.

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Klima-„Hilfe“ oft nur Kredit

Wie Oxfam-Finanzexperte Jan Kowalzig erläuterte, wünschen sich nun die Industrieländer, dass ihre Bemühungen in der Abschlusserklärung des Gipfels anerkannt werden. Die armen Länder verlangten im Gegenzug eine Zusage der reichen Staaten, mehr Mittel als Haushaltszuschüsse und für die Anpassung an die Folgen des Klimawandels bereitzustellen.

Bislang werden mehr als 70 Prozent der staatlichen Klimahilfen als Kredite zur Verfügung gestellt. Außerdem fließt etwa nur ein Viertel der Gelder in Anpassung, der Großteil dagegen in Klimaschutzmaßnahmen wie den Ausbau der erneuerbaren Energien.

„Tappen im Dunkeln“

Kowalzig ergänzte, dass die Entwicklungsländer darüber hinaus gesonderte Mittel zum Ausgleich für klimabedingte Schäden verlangen, die etwa durch Hochwasser, Stürme und Ernteausfälle entstehen. „Dazu sollte das Abschlussdokument einen Passus enthalten“, forderte er. Das Pariser Klimaabkommen sieht finanzielle Unterstützung für Klimaschutz und Anpassung vor, nicht aber explizit für den Umgang mit Verlusten.

Der Abteilungsleiter für Klimaschutz im deutschen Entwicklungsministerium, Jürgen Zattler, erläuterte, dass es noch nicht klar sei, wie die Anpassungsfinanzierung und die Unterstützung bei Schäden und Verlusten gegeneinander abzugrenzen seien. „Wir tappen da noch sehr im Dunkeln“, sagt er.

Deutschland gibt mehr Geld

Die Bundesregierung sagte bei dem Gipfel zu, ihre Beiträge zu zwei Fonds zu erhöhen, die armen Staaten bei der Bewältigung der Klimakrise helfen sollen. In den internationalen Anpassungsfonds fließen demnach zusätzliche 50 Millionen Euro, damit steigt der deutsche Beitrag für diesen Topf auf 440 Millionen Euro. Weitere 100 Millionen Euro sollen in einen Fonds für die am wenigsten entwickelten Länder eingezahlt werden. Dadurch erhöht sich die deutsche Unterstützung für dieses Finanzierungsinstrument auf 500 Millionen Euro.

Im vergangenen Jahr unterstützte Deutschland arme Staaten im Kampf gegen die Erderwärmung mit insgesamt knapp fünf Milliarden Euro aus Haushaltsmitteln. Die Klimahilfen sollen bis spätestens 2025 auf sechs Milliarden Euro erhöht werden. Das nun für die beiden Fonds zugesagte Geld ist darin enthalten. (epd/mig)

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