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Ruhr Museum in Essen © Nordenfan, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Kunstsammlungen

Umbenennungen rassistischer Titel allein reichen nicht

Im Zuge der Provenienzforschung gehen Museen zunehmend auch an die Werktitel ihrer Sammlungen, die rassistisch und diskriminierend sind. Oftmals tauchen dabei mehrere Titel auf, meist nicht vom Künstler selbst vergeben. Der Umgang damit hat eine Debatte ausgelöst.

Donnerstag, 23.09.2021, 5:20 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 21.09.2021, 16:43 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

In der Diskussion über die Umbenennung von rassistischen und diskriminierenden Werktiteln in Museen hat der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, vor einfachen Lösungen gewarnt. Grundsätzlich sollte es keine diskriminierenden und verletzenden Werktitel geben, sagte Parzinger am Donnerstag in Berlin dem „Evangelischen Pressedienst“. „Ich glaube aber, dass es mit Umbenennungen allein nicht getan ist, sondern es geht um ein Verständnis von Geschichte“, fügte er hinzu.

Deshalb ist es in seinen Augen wichtig, „die Dinge zu kontextualisieren“. Dies komme den mündigen Museumsbesuchern sicher entgegen. Unter dem Dach der Preußen-Stiftung befinden sich unter anderem die Staatlichen Museen zu Berlin.

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Parzinger reagierte darauf, dass die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) die Titel von bisher 143 Werken wegen rassistischer oder anderweitig diskriminierender Begriffe verändert hatten. Wörter wie „M…“, „Z…“ und „E…“ wurden aus Werkbezeichnungen entfernt.

Bearbeitung von Titeln übliche Praxis

Laut SKD ist die Bearbeitung von Werk- oder Objekttiteln eine seit Jahrhunderten in vielen Museen der Welt übliche Praxis. Bis in das 19. Jahrhundert hinein seien Kunstwerke nur selten von den Künstlern selbst betitelt worden. Insofern wiesen sie also in den meisten Fällen keinen „Originaltitel“ auf. „Wenn es kein vom Künstler vergebener Originaltitel ist, gibt es doch keinen Grund, einen diskriminierenden Titel zu tradieren“, sagte die Leiterin der SKD, Marion Ackermann, der „Berliner Zeitung“.

Die stellvertretende Generaldirektorin der Staatlichen Museen zu Berlin, Christina Haak, erklärte auf epd-Anfrage, ihre Häuser seien sich den aktuell von den Dresdner Kolleginnen und Kollegen angestoßenen Fragestellungen schon seit langem bewusst. Sie stünden dazu „im engen thematischen Austausch mit vielen Museen und musealen Sammlungen weltweit“.

Verantwortung und Sensibilisität

Es gehöre zu den zentralen Aufgaben von enzyklopädischen Sammlungen, so Haak, verantwortungsbewusst und sensibel mit Sprache umzugehen. Ziel der Forschungs- und Vermittlungsarbeit in den 15 Sammlungen sei auch, die kulturelle Vielfalt und Vielsprachigkeit der Bestände zu kontextualisieren und nachvollziehbar zu machen. Haak betonte, „Museen sind immer auch Zeitspeicher, die sich selbstkritisch auch den dunklen Phasen ihrer Entstehungs-, Entwicklungs- und Sammlungsgeschichte stellen und diese transparent wie differenziert an ihr Publikum vermitteln sollten“.

Ein Sprecher der Staatlichen Museen zu Berlin ergänzte, obwohl grundsätzlich auf die sogenannte Kontextualisierung gesetzt werde, „kann es bei einzelnen ausgewählten Werken zu Umbenennungen kommen – auch deren Kontext wird dann wiederum per Label vor Ort für die Besucher und Besucherinnen erläutert“. (epd/mig)

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