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Klassenzimmer (Symbolfoto) © Taken @ pixabay.com (Lizenz), bearb. MiG

Bayern

Umstrittener Islamischer Unterricht startet an mehr als 400 Schulen

Im neuen Schuljahr bietet Bayern muslimischen Schülern keinen Religionsunterricht mehr, sondern eine Ethik-Alternative als Wahlpflichtfach. Muslime sehen sich benachteiligt, Juristen sehen einen Verfassungsbruch und die Opposition kritisiert sicherheitspolitische Erwägungen.

Freitag, 10.09.2021, 5:22 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 09.09.2021, 15:13 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Premiere im neuen Schuljahr: Islamischen Unterricht gibt es nach Jahren des Modellversuchs in Bayern erstmals als reguläres Wahlpflichtfach. Das Fach werde sehr gut angenommen, betonte Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) im Gespräch. Im April 2021 hatten knapp 17.000 Schüler an rund 400 Standorten im Freistaat Islamischen Unterricht besucht. Im neuen Schuljahr, das am 14. September beginnt, sollen 20 weitere Standorte dazukommen; die Schülerzahlen sollen allerdings erst im Oktober vorliegen.

Der Modellversuch „Islamischer Unterricht“ startete bereits im Jahr 2009. Piazolo zeigte sich erleichtert, dass nun nach mehr als einem Jahrzehnt endlich der nächste Schritt gemacht werden kann. Noch im Sommer hatte die AfD gegen die Einführung des Islamischen Unterrichts als Wahlpflichtfach beim Bayerischen Verfassungsgerichtshof geklagt. Dieser hatte Ende August aber entschieden, dass das Fach rechtens sei. „Die Entscheidung hat mich natürlich gefreut, denn sie gibt uns Rechtssicherheit“, sagte Piazolo.

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Umstritten

Das bayerische Modell ist unter Juristen dennoch umstritten, allerdings aus einem anderen Grund. Der Islamische Unterricht ist laut Piazolo ein Wahlpflichtfach und als Alternative zum Ethikunterricht gedacht. „Er ist also kein Religionsunterricht wie der katholische oder evangelische“, so der Kultusminister. Es gehe auch nicht um die Einübung einer Religion, sondern es sollen Inhalte des Islam und Werte weltanschaulich neutral vermittelt werden. Auch andere Religionen sollen vorgestellt werden.

Muslime sehen sich in dieser Konstellation benachteiligt. Während christlichen Kindern an staatlichen Schulen bekenntnisorientierter Religionsunterricht angeboten werde, werde dies muslimischen Schülern vorenthalten. Kritiker werfen dem Land zudem vor, Eltern und Schüler nicht ausreichend über das neue Format unterrichtet zu haben, aus Angst, die Schüler könnten dem Unterricht fernbleiben. Die meisten Eltern gingen fälschlicherweise von einem islamischen Religionsunterricht aus.

Verfassungsbruch

Außerdem, so die Kritik weiter, begehe Bayern mit dem Islamunterricht Verfassungsbruch. Der Staat schlüpfe durch dieses Konstrukt quasi durch die Hintertür in die Rolle von Religionsgemeinschaften und übernehme in einer intransparenten Weise die religiöse Unterweisung von Schülern durch Inhalts- und Wertevermittlungen. Das sei per Landesverfassung jedoch allein Angelegenheit der Religionsgemeinschaften. Die Grünen werfen der Landesregierung vor, mit diesem Modell „bewusst islamkritische Ressentiments“ zu schüren, da die „Neukonzeptionierung des Wahlpflichtfaches offenkundig integrations- und sicherheitspolitisch motiviert sei.

Der Bayerische Unterrichtet wird offiziellen Angaben zufolge von rund 100 Lehrkräften erteilt, die in Deutschland ausgebildet wurden und auf Deutsch unterrichten. (epd/mig)

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