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Rettungsschiff Alan Kurdi im Mittelmeer © Sea Eye/Karsten Jäger

Misshandlung durch Küstenwache

„Sea-Watch 4“ wartet mit 455 Flüchtlingen an Bord auf sicheren Hafen

Seenotretter nehmen im Mittelmeer Hunderte Flüchtlinge an Bord. Rund 500 Migranten erreichen aus eigener Kraft Lampedusa, während Sea-Watch Misshandlungen von Flüchtlingen durch die libysche Küstenwache dokumentiert. „Ocean Viking“ bringt 236 Gerettete nach Italien.

Montag, 03.05.2021, 5:20 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 02.05.2021, 20:40 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Die „Sea-Watch 4“ hat nach dem sechsten Rettungseinsatz im südlichen Mittelmeer binnen drei Tagen 455 Flüchtlinge an Bord. In der Nacht auf Sonntag rettete die Besatzung weitere 51 Migranten, teilte „Sea-Watch“ auf Twitter mit. Das Schiff benötige dringend einen sicheren Hafen für die an Bord befindlichen Geretteten.

Die Besatzung wurde überdies Zeuge von Misshandlungen von Flüchtlingen durch die libysche Küstenwache. „Sea Watch“ veröffentlichte auf Twitter ein Video, auf dem Personen, die den von der EU geförderten libyschen Einheiten angehören sollen, von einem Motorboot aus auf Flüchtlinge in einem Schlauchboot einschlagen, um sie zur Umkehr zu zwingen. Derweil erreichten 532 Flüchtlinge auf vier Booten die Insel Lampedusa.

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Die „Ocean Viking“ von der Organisation SOS Méditerranée brachte unterdessen 236 Geretteten in den Hafen von Augusta in Sizilien. Die Besatzung hatte die Menschen am Dienstag vor der libyschen Küste aus zwei überfüllten Schlauchbooten an Bord geholt. 114 von ihnen sind den Helfern zufolge unbegleitete Minderjährige.

EU-Abschottungspolitik

„Die Überlebenden sind erleichtert, endlich an einen sicheren Ort zu kommen“, erklärte Verena Papke, Geschäftsführerin von SOS Méditerranée Deutschland. Bei den Retterinnen und Rettern hinterlasse allerdings das Erlebnis des Schiffbruchs mit 130 Toten in der vergangenen Woche Trauer und Bitterkeit. „Sie haben das dringende Bedürfnis, Europas Öffentlichkeit über die schockierende Realität, die sie im Mittelmeer erlebt haben, aufzuklären“, sagt Verena Papke.

Innerhalb einer Woche sei SOS Méditerranée mehrfach „Zeugin der europäischen EU-Abschottungspolitik geworden“, hieß es weiter: „Ein Schiffbruch ohne Überlebende, die Rettung von 236 Menschen aus zwei seeuntauglichen Schlauchbooten und mehrere Rückführungen der libyschen Küstenwache, die Menschen auf der Flucht abfängt und rechtswidrig in das Bürgerkriegsland zurückschleppt.“

„Illegale Zwangsrückführungen beenden“

Europa dürfe angesichts immer wiederkehrender Schiffsunglücke nicht länger untätig bleiben, so Papke: „Die gezielte Unterstützung von illegalen Zwangsrückführungen nach Libyen muss beendet werden.“ Die EU müsse zu ihren eigenen rechtsstaatlichen Prinzipien stehen, um diese Katastrophe jetzt zu stoppen, fügte Papke hinzu.

SOS Méditerranée ist eine europäische Organisation mit Vereinen in Deutschland, Frankreich, Italien und der Schweiz, die gemeinsam die „Ocean Viking“ betreiben. Das Schiff fährt unter norwegischer Flagge.

599 Tote seit Jahresbeginn

Die „Sea-Watch 4“ wurde im vergangenen Jahr mithilfe von Spenden zur Rettung von Flüchtlingen ins Mittelmeer geschickt. Nach ihrer ersten Rettungsmission wurde sie im Hafen von Palermo festgesetzt und erst im März durch einen Gerichtsbeschluss wieder freigegeben. Betreiber ist der 2015 gegründete Berliner Verein Sea-Watch.

Das Mittelmeer gilt als eine der gefährlichsten Migrationsrouten der Welt. Seit Jahresbeginn kamen nach UN-Angaben bei dem Versuch, auf diesem Wege nach Europa zu gelangen, bereits 599 Menschen ums Leben. Im gleichen Zeitraum 2020 waren es 278. (epd/mig)

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