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Özlem Türeci (l.) und Uğur Şahin (r.), Biontech Gründer © Biontech, Collage: MiG

Bahnbrechende Entdeckung

Biontech-Gründer Türeci und Şahin mit Bundesverdienstkreuz ausgzeichnet

Bundespräsident Steinmeier hat Özlem Türeci und Uğur Şahin mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Die beiden Biontech-Gründer machen Mut und fordern Pragmatismus bei den Impfungen. Zwei Drittel des Weges durch die Pandemie seien gegangen.

Montag, 22.03.2021, 5:20 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 21.03.2021, 14:59 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |  

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat das Forscher-Ehepaar Özlem Türeci und Uğur Şahin für die Entwicklung eines der ersten Corona-Impfstoffe mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Steinmeier würdigte die Biontech-Gründer am Freitag in Berlin als herausragende Wissenschaftler und mutige Unternehmer. „Ihre bahnbrechende Entdeckung rettet Menschenleben, sie rettet Existenzen, sie sichert unser gesellschaftliches, wirtschaftliches und kulturelles Überleben“, sagte der Bundespräsident.

Türeci und Şahin riefen zur Zuversicht und zu Pragmatismus bei der Überwindung der Pandemie auf. „Das Licht im Dunklen wird heller“, sagte Türeci. Durch eine internationale Kraftanstrengung sei schon viel erreicht worden. Die Aufgabe sei aber erst gelöst, wenn jeder einen Impfstoff erhalten könne.

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Steinmeier: „Impfstoff hat keine Nationalität“

Die Ehrung im Schloss Bellevue war die erste persönliche Ordensverleihung des Bundespräsidenten in diesem Jahr. Er verlieh den Biontech-Gründern im Beisein von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) das große Verdienstkreuz mit Stern, eine der höchsten Auszeichnungen der Bundesrepublik. Steinmeier sagte, er sei zutiefst beeindruckt vom Mut, der Tatkraft und dem Vertrauen ins Gelingen, das die beiden Forscher zeigten. Sie hätten ihre Weitsicht mit Kenntnis und Entdeckergeist verbunden, entschieden gehandelt und „einen Impfstoff für die ganze Menschheit“ entwickelt.

„Viele haben versucht, Ihre Leistung zu vereinnahmen, Ihrer Entdeckung eine Nationalität zu geben. Ein Impfstoff aber hat keine Nationalität – er ist weder deutsch, noch türkisch, er ist auch nicht amerikanisch. Wenn er etwas zeigt, dann, dass Menschen zu Großem und Größtem fähig sind, wenn sie in Freiheit und Respekt füreinander zusammenarbeiten, wenn sie über politische, soziale und kulturelle Grenzen hinweg miteinander etwas Neues wagen, etwas Gutes schaffen und damit unsere Gesellschaft voranbringen“, sagte Steinmeier.

Şahin: Zwei Drittel des Weges gegangen

Türeci und Şahin verbänden medizinische Grundlagenforschung mit deren Übersetzung in eine praktische Nutzung, erklärte Steinmeier: „Sie entschieden sich dafür, Forscher und Unternehmer zu sein, weil Sie wollten, dass die Forschung ‚beim Patienten ankommt‘.“ Dank ihrer Kompetenz im Bereich der mRNA-Technologien und ihres Einsatzes sei ihnen in kürzester Zeit die Entwicklung und Zulassung eines Impfstoffes gegen Covid-19 gelungen. „Sie haben das Entscheidende getan“, betonte Steinmeier. Gerade jetzt, in der dritten Welle der Pandemie, helfe doch nur eines, „mehr und schneller impfen – mit allen Mitteln, die wir haben“, sagte Steinmeier.

Ugur Şahin sagte, bei den Impfungen sollte mehr Pragmatismus angewendet werden, um schneller voranzukommen. Es sei wichtig, dass kein Impfstoff verschwendet werde. Die Impfstoffentwickler würden alles dafür tun, dass bis zum Ende des Sommers jeder, der ihn haben wolle, einen Impfstoff bekomme. Es kämen noch sechs schwere Monate, zwei Drittel des Weges seien aber gegangen, sagte Şahin. Die Gesellschaft dürfe sich durch die dritte Welle, die voraussichtlich länger anhalten werde, nicht demoralisieren lassen.

Axel Springer Award

Der Corona-Impfstoff von Biontech ist der erste zugelassene Impfstoff, der auf mRNA-Technologie basiert. Dabei wird genetische Information für den Bau eines ungefährlichen Erregerbestandteils mittels Injektion verabreicht. Das menschliche Immunsystem reagiert darauf und baut einen Schutz gegen das Virus auf. Der Impfstoff wurde am 21. Dezember für die EU zugelassen. Seit dem 27. Dezember wird er in Deutschland verimpft.

Am Donnerstagabend war das Forscher-Ehepaar bereits mit dem Axel Springer Award ausgezeichnet worden. Der nicht dotierte Preis für herausragende Innovationskraft, außergewöhnliches Unternehmertum und gesellschaftliche Verantwortung wurde zum sechsten Mal vergeben.

Das Paar Türeci und Şahin

Şahin zog im Alter von vier Jahren mit seiner Mutter aus der Türkei zu seinem Vater, der in den Kölner Ford-Werken arbeitete. Sein Grundschullehrer gab ihm eine Empfehlung für die Hauptschule. Erst durch die Intervention eines deutschen Nachbarn konnte er auf das Erich-Kästner-Gymnasium in Köln – er war erstes türkeistämmiges Gastarbeiterkind der Schule. Er hatte die Leistungskurse Mathematik und Chemie belegt und wurde Jahrgangsbester.

Türeci ist die Tochter eines Chirurgen aus dem türkischen Fındıklı, der nach Deutschland gekommen war und in dem katholischen Krankenhaus St. Elisabeth-Stift in Lastrup arbeitete. Türeci studierte Humanmedizin an der Universität des Saarlandes in Homburg, wo sie ihren späteren Ehemann Şahin kennenlernte. 2002 heiratete das Paar. (epd/mig)

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