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Fußgänger (Symbolfoto) © B_Me @ pixabay.com (Lizenz), bearb. MiG

Studie

Ausländerfeindlichkeit weiter auf hohem Niveau

Die Ausländerfeindlichkeit in Deutschland hat abgenommen, aber es gibt ein dauerhaft hohes Niveau bei rechtsextremen Einstellungen. Zu beobachten ist zudem eine „Radikalisierung und Enthemmung unter extremen Rechten“. Das sind zentrale Ergebnisse der „Leipziger Autoritarismus-Studie“.

Donnerstag, 19.11.2020, 5:25 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 18.11.2020, 19:57 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Verschwörungsmythen sind in der aktuellen Corona-Pandemie in Deutschland weit verbreitet. Das geht aus der 10. Leipziger Autoritarismus-Studie mit dem Titel „Autoritäre Dynamiken. Alte Ressentiments – neue Radikalität“ hervor, die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde. Die Studienautoren warnen vor einem weiterhin hohen Niveau bei Ausländerfeindlichkeit.

Der Studie zufolge gab es bei 47,8 Prozent der Befragten eine deutliche Zustimmung zu der Aussage: „Die Hintergründe der Corona-Pandemie werden nie ans Licht der Öffentlichkeit kommen“ und bei 33 Prozent zu der Aussage: „Die Corona-Krise wurde so groß geredet, damit einige wenige davon profitieren können“. Im Osten waren diese Überzeugungen dabei wesentlich stärker ausgeprägt als im Westen.

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Der Direktor des Kompetenzzentrums für Rechtsextremismus- und Demokratieforschung der Universität Leipzig, Oliver Decker, sprach von einer Zunahme solcher Einstellungen und warnte, dass Verschwörungmythen als „Einstiegsdroge“ für ein antimodernes Weltbild wirken könnten. Sie seien neben der Ausländerfeindlichkeit derzeit sehr tragfähige Bindeglieder zwischen den verschiedenen antidemokratischen Milieus – genauso wie Antisemitismus und Antifeminismus.

Hohes Niveau bei Ausländerfeindlichkeit

„Diesmal können wir mit einer guten Nachricht aufwarten, müssen aber zugleich auf ein immer noch hohes Niveau bei Ausländerfeindlichkeit und rechtsextremen Einstellungen hinweisen – und darauf, dass autoritäre und antidemokratische Einstellungen eine beständige Bedrohung für unsere offene, liberale Gesellschaft darstellen. Zudem verfestigen sich bestimmte Ideologien“, so Decker.

Der Psychologe und Soziologe Elmar Brähler erläuterte, die Unzufriedenheit mit der Demokratie werde von Befragten in den neuen Bundesländern auch damit begründet, dass sie keine Möglichkeiten der politischen Partizipation hätten. Sie fühlten sich nicht von den Parteien vertreten. Teilhabe müsse deshalb gestärkt werden – in Betrieben, an Schulen, in der Politik. Das sei ein zentraler Punkt.

Jeder Zehnte im Osten manifest Rechtsextrem

„Manifest rechtsextreme Einstellungen“ fanden die Forscher indes bei 4,3 Prozent der Befragten, im Osten waren es 9,5 Prozent, im Westen drei Prozent – eine leichte Zunahme im Osten, ein leichter Rückgang im Westen. „Menschen mit autoritärem Charakter neigen zu rigiden Ideologien, die es gestatten, sich gleichzeitig einer Autorität zu unterwerfen, an ihrer Macht teilzuhaben und die Abwertung anderer im Namen dieser Ordnung zu fordern“, erläutert Brähler. „Rund ein Drittel der Deutschen zeigen Merkmale eines autoritären Typus.“

Eine Leipziger Autoritarismus-Studie wird seit 2002 alle zwei Jahre veröffentlicht. Sie hieß bis 2016 „Mitte-Studie“. Für die aktuelle Erhebung wurden vom 2. Mai 2020 bis 19. Juni 2020 bundesweit 2.503 Menschen befragt. (epd/mig)

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