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Szene aus einem Handy-Video. Der Täter schießt mit einer Waffe

Halle-Prozess

Polizist: „Er hat eindeutig auf uns gezielt“

Am 13. Prozesstag stand der Polizeieinsatz nach dem Anschlag von Halle am 9. Oktober 2019 im Mittelpunkt. Befragt wurden unter anderen mehrere Streifenpolizisten, die sich einen Schusswechsel mit dem Attentäter geliefert hatten.

Donnerstag, 17.09.2020, 5:22 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 16.09.2020, 17:25 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

Im Prozess gegen den Attentäter von Halle sind am Mittwoch drei Streifenpolizisten zum Einsatz am 9. Oktober 2019 befragt worden. Sie seien auf dem Weg zu einem Einsatz gewesen, als über Funk eine Streife zur Humboldtstraße angefordert worden sei, sagte ein 33-jähriger Polizeimeister vor dem in Magdeburg tagenden Oberlandesgericht Naumburg. Kritik, die Polizei sei nicht schnell genug am Tatort gewesen, wies der Mann zurück. Seine Kollegin sei noch nie so schnell gefahren.

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Auch die Kollegin, die zuerst an der Synagoge bei der Leiche von Jana L. eintraf, habe richtig gehandelt, sagte der Zeuge. Bei einer lebensbedrohlichen Einsatzlage müsse zuerst der Tatort abgesperrt werden. Rettungskräfte könnten erst dorthin, wenn alles gesichert sei. Zudem sei zu dem Zeitpunkt noch unklar gewesen, wo sich der Täter aufhielt.

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Vor dem Döner-Imbiss trafen die Streifenpolizisten auf den Attentäter. Nach Angaben eines 51 Jahre alten Polizeibeamten hatten sie nur zwei Schutzwesten dabei. Als die Polizisten ausstiegen, kam es zum Schusswechsel mit dem Angeklagten. Stephan B. schoss sofort mehrfach in Richtung Polizei. „Er hat eindeutig auf uns gezielt“, sagte der 33-jährige Polizist. Seine Kollegin habe geschrien, dass er schießen solle. Daraufhin schoss er mit einer Maschinenpistole auf B. und verletzte ihn am Hals.

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Polizist wechselt in den Innendienst

Der Attentäter konnte trotz der Verletzung mit seinem Wagen zunächst fliehen. Das Gericht sichtete auch Handyvideos vom Schusswechsel und Fotos von dem durch Einschüsse beschädigten Polizeiwagen. Die drei Polizisten mussten nach dem Anschlag auch psychologische Hilfe in Anspruch nehmen. Der 51-Jährige, der seit 1988 Polizist ist und seit 1994 im Streifendienst in Halle, berichtete unter anderem von Schlafstörungen und Herzrasen. Er musste in den Innendienst wechseln. Der Dienst auf der Straße gehe nicht mehr, sagte er.

Zudem wurden am Mittwoch zwei weitere Zeugen aus der Synagoge befragt. Eine 25-Jährige sagte, in ihr sei das generationsübergreifende Trauma der Schoah, des Terroranschlags vom 11. September 2001 auf das World Trade Center und jetzt das Trauma des Anschlags vom 9. Oktober 2019 in Halle. Sie sei sechs Jahre alt gewesen, als ihr im World Trade Center arbeitender Vater verändert nach Hause gekommen sei. Jetzt habe Halle sie verändert, sagte die junge Frau.

Applaus im Gerichtssaal

Zu Beginn des 13. Prozesstages hatte die Vorsitzende Richterin Ursula Mertens noch einmal darauf hingewiesen, dass Applaus im Gerichtssaal nicht geduldet werden könne. In den vergangenen Prozesstagen hatte es immer wieder teilweise lauten Beifall für die Zeugen gegeben. Für die beiden Jüdinnen, die am Mittwoch aussagten, standen daher Nebenkläger und Publikum auf, um ihre Unterstützung zu signalisieren.

Stephan B. hatte am 9. Oktober 2019 aus einer antisemitischen und rassistischen Motivation heraus einen Anschlag auf die Synagoge in Halle verübt. Weil es ihm nicht gelang, mit Sprengsätzen und Schusswaffen in die Synagoge zu gelangen, erschoss er zunächst eine 40 Jahre alte Passantin und dann in dem nahe gelegenen Kiez-Döner einen 20-jährigen Mann. Die Bundesanwaltschaft hat B. wegen Mordes in zwei Fällen und versuchten Mordes in mehreren Fällen sowie weiteren Straftaten angeklagt. (epd/mig)

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