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Dürre (Symbolfoto) © Tama66 @ pixabay.com (Lizenz), bearb. MiG

Hilfsorganisationen

Armut wächst weltweit wegen Corona-Pandemie drastisch

Die Corona-Pandemie verschärft weltweit Armut drastisch. Hilfsorganisationen warnen vor Hunger- und Bildungskrisen. Viele Projekte leisten Nothilfen für die Schwächsten.

Freitag, 28.08.2020, 5:21 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 27.08.2020, 17:27 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

Die Corona-Krise trifft die Ärmsten und ihre Kinder weltweit am härtesten. Die Präsidentin von „Brot für die Welt“, Cornelia Füllkrug-Weitzel, sagte am Donnerstag bei der Jahresbilanz der evangelischen Hilfsorganisation in Berlin, die Armut wachse so drastisch, dass viele Projekte derzeit nur noch Nothilfe leisteten. Die Menschen verlören ihre Einkünfte. Insbesondere in Südamerika und afrikanischen Ländern drohe die Gefahr, dass Entwicklungsfortschritte wieder zunichtegemacht werden. Das UN-Kinderhilfswerk Unicef warnte vor einer globalen Bildungskrise, die Hilfsorganisation Oxfam vor weiter wachsender Ungleichheit.

Die Welternährungsorganisation geht davon aus, dass durch die Corona-Pandemie mindestens 130 Millionen Menschen zusätzlich an chronischem Hunger leiden werden. Füllkrug-Weitzel erklärte, das bedeute eine Verdopplung der vom Hungertod bedrohten Menschen. Eine neue Hungerkrise droht insbesondere in den ostafrikanischen Ländern. Die rigorosen Lockdowns in vielen Ländern des Südens träfen die Menschen sehr hart, da weltweit zwei Drittel aller Berufstätigen ohne soziale Absicherung im informellen Sektor arbeiteten, als Tagelöhnerinnen und Tagelöhner, als Hausangestellte oder Straßenhändlerinnen, sagte Füllkrug-Weitzel.

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Negative Folgen für prekär Beschäftigte

Die Krise wirke sich auch dramatisch auf prekär Beschäftigte entlang der internationalen Lieferketten aus, etwa Textilarbeiter in Bangladesch. Ohne soziale Sicherung landeten sie auf der Straße, sagte Füllkrug-Weitzel. Sie forderte die Bundesregierung auf, endlich das Lieferkettengesetz auf den Weg zu bringen, um die Unternehmen in die Verantwortung zu nehmen. Eckpunkte sollten im August ins Kabinett kommen, der Termin ist verstrichen.

„Brot für die Welt“ hat bisher 12,7 Millionen Euro zusätzlich für Corona-Hilfen bereitgestellt, wovon Partnerorganisationen beispielsweise Aufklärungskampagnen, Hygienekits, Beatmungsgeräte oder Lebensmittelpakete finanziert haben. Die Organisation ist in acht der zehn Länder mit den derzeit höchsten Infektionsraten tätig, darunter Brasilien, Indien und Südafrika.

Unicef warnt vor Bildungskrise

Das Kinderhilfswerk Unicef warnte vor einer Bildungskrise. Weltweit hätten etwa ein Drittel der Schüler keinen Zugang zu Lernprogrammen, wenn die Schulen geschlossen blieben. Dies treffe wiederum zum allergrößten Teil die Kinder der Ärmsten, weltweit kamen 72 Prozent der betroffenen Kinder aus den ärmsten Haushalten der jeweiligen Länder. Auf dem Höhepunkt der Lockdowns konnten Unicef zufolge weltweit 1,5 Milliarden Schüler nicht zum Unterricht gehen.

Die Hilfsorganisation Oxfam richtete unterdessen ihren Blick auf die in der Krise stark wachsende Ungleichheit. Sie legte Daten zu Nordafrika und dem Nahen Osten vor, wonach das Vermögen von 21 Milliardären aus der Region seit März um weitere zehn Milliarden US-Dollar gestiegen ist, während 45 Millionen Menschen der Abstieg in die Armut drohe.

Hohe Spendenbereitschaft trotz Corona

Die Spendenbereitschaft ist angesichts der Krise nicht gesunken. „Brot für die Welt“ erhielt bisher mehr Spenden als im vorigen Jahr, rechnet aber insgesamt für 2020 mit einem Rückgang. Hauptgrund ist das teilweise oder völlige Wegfallen der Kollekten aus den Gottesdiensten, insbesondere der Weihnachts-Kollekten, die traditionell für „Brot für die Welt“ und das katholische Hilfswerk Misereor bestimmt sind.

Das Jubiläumsjahr 2019 schloss „Brot für die Welt“ mit einem Spendenergebnis von rund 68 Millionen Euro und damit dem drittbesten seit der Gründung 1959 ab. Insgesamt standen der Organisation rund 313 Millionen Euro für die Entwicklungsarbeit zur Verfügung, knapp zwei Prozent mehr als 2018. Die Verwaltungsausgaben lagen mit 5,9 Prozent im niedrigen Bereich. 91,6 Prozent der Mittel gehen direkt an die Projekte der Organisationen in aller Welt. (epd/mig)

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