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Klassenzimmer (Symbolfoto) © Taken @ pixabay.com (Lizenz), bearb. MiG

Hessen

Weniger Schüler im Islam-Unterricht nach Ditib-Aus

Obwohl der Islam-Unterricht in Hessen erweitert wurde, ist die Zahl der teilnehmenden Schüler im neuen Schuljahr kaum gestiegen. Ursächlich dürfte die Beendigung der Zusammenarbeit mit Ditib sein. Die Landesregierung ist dennoch zufrieden.

Montag, 17.08.2020, 5:21 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 16.08.2020, 13:40 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Das Interesse am staatlichen Islam-Unterricht ohne den türkischen Ditib-Verband ist laut hessischer Landesregierung groß. Etwa 3.000 muslimische Schüler seien für das beginnende Schuljahr angemeldet, sagte Kultusminister Alexander Lorz (CDU) am Freitag in Wiesbaden. Tatsächlich liegt die Zahl allerdings nur um etwa 40 Kinder höher als im Vorjahr. Dabei wird der Unterricht mit Beginn des neuen Schuljahrs am Montag erstmals für die Klassen 1 bis 8 angeboten, nachdem sich die Landesregierung von Ditib als Partner lossagte.

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Lorz räumte ein, dass der Zuwachs nur gering sei in Anbetracht der Ausweitung auf die Klassenstufe 8. Gerechnet auf die einzelnen Stufen könne sich sogar ein kleiner Rückgang ergeben haben. Nach Aufrufen, den nicht bekenntnisorientierten Unterricht ohne Ditib zu boykottieren, sei er aber mit dieser Zahl sehr zufrieden.

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Zusammenarbeit mit Ditib beendet

Der Kultusminister hatte im April entschieden, dass der bekenntnisorientierte Islamunterricht mit Ditib als Partner im neuen Schuljahr nicht fortgesetzt wird. Als Grund nannte er Zweifel an der Unabhängigkeit des Verbands vom türkischen Staat und Präsident Recep Tayyip Erdoğan.

Stattdessen wird der Islamunterricht jetzt erstmals für alle Klassen in rein staatlicher Regie ohne religiöse Partner erteilt, wie es im alten Schuljahr schon einmal als Schulversuch nur in der siebten Klasse der Fall war. Lorz betonte, ihm sei wichtig gewesen, auch nach der Trennung von Ditib Kindern muslimischen Glaubens in Hessen ein Unterrichtsangebot zu unterbreiten.

Hessen-Modell in der Kritik

Er begrüßte, dass sich die weitaus meisten Lehrer des bisherigen bekenntnisorientierten Religionsunterrichts auch für den neuen staatlichen gemeldet hätten. Da es sich um in Deutschland ausgebildete und beim hessischen Staat angestellte Lehrkräfte handele, sei dies kein Problem. Die Fachkunde hätten diese Lehrer ohnehin, sie müssten den Islamunterricht nur jetzt neutral erteilen und auch über die gesamte Geschichte, Kultur und Philosophie des Islams informieren. Grundsätzlich steht der staatliche Islamunterricht jetzt auch nichtmuslimischen Schülern offen.

Das hessische Modell steht in der Kritik. Verfassungsrechtler werfen dem Land vor, über einen Umweg Religionsunterricht anzubieten. Der Staat verletze das Neutralitätsgebot. Muslime wiederum fordern einen bekenntnisorientierten Religionsunterricht und fühlen sich im Vergleich zu anderen Religionen benachteiligt. (epd/mig)

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