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Flaggen © UNclimatechange @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Hunger, Krankheiten, Krieg

Staaten sagen 1,2 Milliarden Euro Hilfen für den Jemen zu

Hunger, Krankheiten, Krieg: Die humanitäre Situation im Jemen wird immer düsterer. Die Vereinten Nationen brauchen dringend Geld - doch die Spender sind zurückhaltend. Hilfswerk wirft Deutschland passive Haltung vor.

Mittwoch, 03.06.2020, 5:20 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 02.06.2020, 22:03 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

Bei einer internationalen Geberkonferenz haben internationale Staaten umgerechnet 1,2 Milliarden Euro an Hilfen für den kriegsgebeutelten Jemen zugesagt. Der UN-Nothilfekoordinator Mark Lowcock äußerte sich am Ende der virtuellen Veranstaltung am Dienstag enttäuscht darüber, dass nicht die für die kommenden sieben Monate benötigten 2,16 Milliarden Euro (2,4 Milliarden US-Dollar) zusammengekommen sind. Im vergangenen Jahr sei bei einer solchen Konferenz etwa das Doppelte zusammengekommen, sagte er.

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Lowcock betonte, dass die Vereinten Nationen ihre Bemühungen für weitere Spenden fortsetzen werden. „Wir werden die Menschen im Jemen nicht im Stich lassen.“ Die zugesagten Gelder müssten so bald wie möglich übermittelt werden, mahnte er zugleich.

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Deutschland stellt 200 Millionen bereit

Zu Beginn der Konferenz hatte der Nothilfekoordinator die verheerende Lage in dem arabischen Land beschrieben: „Der Jemen steht an der Klippe einer Katastrophe historischen Ausmaßes.“ Das Land leide unter Hunger, Zerstörung und tödlichen Krankheiten. Obwohl sich die Lage weiter verschlimmere, hätten die UN-Hilfswerke noch nie so wenig Mittel gehabt, beklagte Lowcock. Ohne zusätzliches Geld müssten 30 von 41 Hilfsprogrammen in Kürze geschlossen werden. Rund 80 Prozent der 30 Millionen Einwohner im Jemen sind auf Hilfe angewiesen.

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Deutschland stellt nach Angaben der Bundesregierung rund 200 Millionen Euro für humanitäre Hilfe und Sofortmaßnahmen gegen die Corona-Pandemie in diesem Jahr bereit. Das Auswärtige Amt sicherte nach eigenen Angaben 125 Millionen Euro für humanitäre Hilfe zu, das Entwicklungsministerium laut einem Sprecher zusätzlich 70 Millionen Euro für Unterstützungsmaßnahmen.

Virtuellen Geberkonferenz

Die Gelder aus Deutschland fließen laut Außenamt beispielsweise in die Bereiche Nahrungsmittelnothilfe, Gesundheitsversorgung sowie Wasser- und sanitäre Versorgung. Ein Sprecher des Entwicklungsministeriums nannte zudem Corona-Sofortmaßnahmen wie Schulspeisungen und die Wiederherstellung zerstörter Krankenhäuser. Im Jemen wird derzeit auch eine rasante Ausbreitung des Coronavirus befürchtet.

Zu der virtuellen Geberkonferenz hatten die Vereinten Nationen zusammen mit Saudi-Arabien eingeladen. Saudi-Arabien führt seit 2015 eine Militärkoalition an, die aufseiten der jemenitischen Regierung gegen die Huthi-Rebellen kämpft, die wiederum Unterstützung aus dem Iran erhalten.

Hilfswerk: Deutschland passiv

UN-Generalsekretär António Guterres rief zur Eröffnung der Konferenz zu einer landesweiten Waffenruhe auf. „Wir dürfen keine Zeit verlieren“, betonte er. Die humanitäre Lage sei katastrophal, allein seit Januar seien 500 Menschen getötet worden.

Die Diakonie Katastrophenhilfe appellierte eindringlich an die internationale Gemeinschaft, die Menschen im Jemen nicht im Stich zu lassen. Die Präsidentin des evangelischen Hilfswerks, Cornelia Füllkrug-Weitzel, warf der EU und Deutschland eine passive Haltung vor. Sie hätten beim Ausrichten der Geberkonferenz Saudi-Arabien das Feld überlassen. Da Saudi-Arabien im Jemen eine wesentliche Kriegspartei sei, werfe dies Fragen nach der Neutralität und Unabhängigkeit der Hilfe auf.

Hohe Corona-Dunkelziffer befürchtet

Menschenrechtsorganisationen werfen Saudi-Arabien die Bombardierung von Krankenhäusern und Schulen im Jemen vor. Auch anderen Akteuren wie den Huthi-Milizen werden Verstöße gegen das Völkerrecht angelastet.

Im Jemen sind bisher 354 Corona-Infizierte gemeldet, von denen 84 starben. Es wird eine sehr hohe Dunkelziffer befürchtet. „Ärzte ohne Grenzen“ berichtet aus der Stadt Aden, dass viele Covid-19-Patienten in kritischem Zustand seien und zu spät in einer Klinik einträfen. Zudem fehle es an Tests, Schutzkleidung, Masken, Sauerstoff und Beatmungsgeräten. (epd/mig)

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