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Internationale Wochen gegen Rassismus

25 Jahre Wochen gegen Rassismus

Schulter an Schulter gegen Hass und Hetze

Von Hoyerswerda und Mölln nach Halle und Hanau - die Reihe rassistisch motivierter Gewalttaten in Deutschland ist lang. Die Internationalen Wochen gegen Rassismus wollen dazu beitragen, dass Drohungen, Diffamierungen und Übergriffe aufhören.

Von Donnerstag, 12.03.2020, 5:21 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 11.03.2020, 15:36 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

Ob Halle oder Hanau – die Täter mordeten, weil Rassismus ihr Denken bestimmte. Auch wenn die Konstruktion von Menschengruppen aufgrund vermeintlicher oder tatsächlicher Merkmale wie Hautfarbe, Herkunft oder Religion wissenschaftlich widerlegt ist, ist sie weiterhin in vielen Köpfen verankert. Um dieser Ideologie entgegenzuwirken, wurden vor 25 Jahren in Deutschland erstmals in größerem Stil Veranstaltungen gegen Rassismus organisiert. Inzwischen sind es jährlich mehr als 3.500.

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Eigentlich hatten die Vereinten Nationen das Thema Rassismus schon drei Jahrzehnte zuvor zum Thema gemacht, als sie den 21. März in Erinnerung an das Massaker an der schwarzen Bevölkerung im südafrikanischen Sharpeville 1960 zum Internationalen Tag gegen Rassismus ausriefen. Beachtet wurde der Tag aber kaum. In Deutschland änderte sich das nach der Wiedervereinigung.

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Anlass für die Ausrichtung der ersten Anti-Rassismus-Wochen seien die gewaltsamen, völkisch-rassistisch motivierten Übergriffe in Hoyerswerda, Rostock-Lichtenhagen, Mölln und Solingen gewesen, sagt der Initiator und frühere Interkulturelle Beauftragte der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Jürgen Micksch. Die Bilder von brennenden Häusern seien damals um die Welt gegangen und hätten Erinnerungen an die Gräuel der Nazizeit wachgerufen. Also habe sich der kurz zuvor gegründete Interkulturelle Rat des Themas angenommen und rund um den 21. März zu Mahnwachen, Vorträgen und Podiumsdiskussionen aufgerufen.

Anti-Rassismus-Wochen wachsen

Die Anti-Rassismus-Wochen wachsen schnell. 2004 werden bundesweit rund 270 Veranstaltungen gezählt, 2010 sind es bereits 500 und 2013 mehr als 1.300. Auftrieb erhält die Bewegung im Jahr darauf durch die Gründung der Stiftung für die Aktionswochen, die von dem damaligen Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes, Theo Zwanziger, angeregt worden war. Das Grundkapital in Höhe von 100.000 Euro kommt von Zwanziger, dem Deutschen Gewerkschaftsbund, der Flüchtlingsorganisation Pro Asyl, der hessen-nassauischen Kirche und 30 Gründungsstiftern. 2016 übernimmt die Stiftung alle Aufgaben vom Interkulturellen Rat, der seine Arbeit wenig später einstellt. Micksch wird Geschäftsführender Vorstand und Zwanziger Vorsitzender des Stiftungsrats.

Inzwischen existieren bei der Stiftung die drei Arbeitskreise „Religionen laden ein“, „Schulter an Schulter“ und „Prominent gegen Rassismus“. Dem Arbeitskreis „Religionen laden ein“ gehören muslimische Persönlichkeiten aus allen Gruppierungen an. „Sie haben es sich zur Aufgabe gestellt, Kontakte zwischen Moscheegemeinden und ihren Nachbarn zu fördern und in gemeinsamen Veranstaltungen zur Überwindung von Hass und Hetze aufzurufen, etwa in Freitagsgebeten“, erläutert Micksch.

Projekt „Engagiert gegen Rassismus“

Der Arbeitskreis „Schulter an Schulter“ organisiere Solidaritätsbesuche bei Opfern von antisemitischen oder antimuslimischen Angriffen, und die derzeit 77 Prominenten gegen Rassismus engagierten sich vor allem während der Aktionswochen, fügt der 79-jährige Theologe und Soziologe Micksch hinzu. Darunter seien etwa der Bundestagsabgeordnete Karamba Diaby, DGB-Chef Reiner Hoffmann, Hessen-Nassaus Kirchenpräsident Volker Jung, die Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor, die TV-Moderatorin und Schauspielerin Mo Asumang und der Vorsitzende des Zentralrats der Sinti und Roma, Romani Rose.

Anfang dieses Jahres hat die Stiftung das Projekt „Engagiert gegen Rassismus“ auf den Weg gebracht. Mit ihm sollen Personen aus verschiedenen Berufsgruppen, etwa Feuerwehrleute, Gewerkschafter, Kulturschaffende und Bundeswehrangehörige erreicht werden.

Gesicht zeigen – Stimme erheben

Die Stiftung hat ihren Sitz in Darmstadt. Der Geschäftsführer und seine fünf Mitarbeiterinnen haben für ihre Arbeit in diesem Jahr rund 350.000 Euro zur Verfügung, die Hälfte davon komme aus dem staatlichen Bereich, etwa vom Bundesinnenministerium und einigen Bundesländern, rechnet Micksch vor. Weitere Geldgeber seien Unternehmen, Wohlfahrtsorganisationen, der DFB und die hessen-nassauische Kirche.

Die diesjährigen Aktionswochen stehen unter dem Motto „Gesicht zeigen – Stimme erheben“ und finden vom 16. bis 29. März statt. Zum Auftakt sprechen im Bundeskanzleramt in Berlin unter anderen die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz (CDU), die Bundestagsvizepräsidentin und Stiftungsratsvorsitzende Claudia Roth (Grüne) sowie DGB-Chef Hoffmann. Geplant seien deutschlandweit rund 3.500 Veranstaltungen, darunter mehr als 1.700 Freitagsgebete, sagt Micksch. Er sei sicher, dass die rassistisch motivierten Anschläge von Halle und Hanau noch mehr Menschen mobilisieren werden als zuletzt. (epd/mig)

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