Polizeiabsperrung, Durchsuchung, Ermittlung, Polizei, Gewalt, Straftat
Polizeiabsperrung (Symbolfoto) © Stadtgeschehen-Luebeck @ pixabay.com (Lizenz), bearb. MiG

Bombendrohungen gegen Moscheen

Mazyek: Es wird gefährlich für Muslime

Mehrere Moscheen in NRW sind bedroht worden, auf ein alevitisches Gemeindehaus wurde geschossen. Die Polizei ermittelt. Muslime und Aleviten warnen vor der Gewaltspirale. Linke fordern Landesregierung auf, einen Plan zum Schutz von Moscheen vorzulegen.

Freitag, 14.02.2020, 5:25 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 13.02.2020, 23:24 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

Moscheen in vier Städten in Nordrhein-Westfalen sind Ziel von Bombendrohungen geworden. In E-Mails an die Moscheegemeinden in Unna, Hagen, Essen und Bielefeld wurden Sprengstoffexplosion angedroht, wie die Polizei am Donnerstag mitteilte. In allen vier Fällen wurden den Beamten zufolge die Gebäude mit Spürhunden durchsucht, dabei wurde nichts Verdächtiges entdeckt. Die Hintergründe der anonymen Drohungen seien noch unklar. In Marl hatten zuvor Unbekannte offenbar ein alevitisches Gemeindehaus beschossen.

Zunächst sei es darum gegangen, die Sicherheit in den Moscheen zu gewährleisten, sagte ein Sprecher der Polizei Dortmund am Donnerstag dem „Evangelischen Pressedienst“. Nun stehe die Ermittlung der Identität des Verfassers der E-Mails im Fokus. Der Polizei zufolge ähneln sich die Mails inhaltlich. Die Mail in Hagen war nach Angaben eines Ditib-Moscheemitglieds mit „Combat 18″ unterschrieben. Dabei handelt es sich um eine rechtsterroristische Vereinigung, die im Januar 2020 vom Bundesinnenminister verboten wurde. Wie lange die Ermittlungen dauerten, lasse sich derzeit nicht einschätzen. Die Ermittler seien jedoch mit Hochdruck bei der Sache.

Mazyek: Es wird gefährlich für Muslime

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, kommentierte die Bombendrohungen auf dem Kurznachrichtendienst Twitter: „Es wird gefährlich für Muslime – aber noch gefährlicher für unsere freiheitliche Grundordnung, zumal Letzteres gesamtgesellschaftlich fälschlich gar nicht so wahrgenommen wird.“

Kurdische und alevitische Vertreter riefen zu einem gemeinsamen Widerstand gegen Extremismus auf. Der Generalsekretär der Kurdischen Gemeinde Deutschland, Cahit Basar, warnte vor einer Spirale des Hasses in der Gesellschaft. Die Antwort der demokratischen Mitte könne nur ein stärkerer gesellschaftlicher Zusammenhalt sein. Die Alevitische Gemeinde Deutschland erklärte, menschenfeindlichen Aktionen müsse der Nährboden entzogen werden, „in dem wir offen und in solidarischer Bekundung für das friedliche Zusammenleben in Vielfalt einstehen“. Der Einfalt müsse eine Vielfalt entgegengestellt werden.

Stamp: Drohungen „furchtbar“

Die Alevitische Gemeinde Marl hatte am Montagabend eine Einschussstelle im Fenster des Gebäudes bemerkt, wie sie auf ihrer Facebookseite mitteilte. Bereits vor dem Anschlag auf das Gemeindehaus in Marl seien die Wände der Zentralstelle der Alevitischen Gemeinden in Köln mit Naziparolen beschmiert worden.

NRW-Integrationsminister, Joachim Stamp, bezeichnete die Vorgänge auf Twitter als „furchtbar“. Bedrohungen von Kirchen, Synagogen und Moscheen seien „aber immer auch eine Bedrohung für die gesamte offene Gesellschaft“, so Stamp.

Linke fordert Plan

Jules El-Khatib, stellvertretender Landessprecher der Linke in Nordrhein-Westfalen forderte die Landesregierung auf, nicht zu warten, bis etwas geschieht. Sie müsse „jetzt einen konkreten Plan vorlegen, wie Moscheen in NRW vor rechter Gewalt geschützt werden können.“ Linke-Landesgeschäftsführer, Sascha Wagner, ergänzte: „Der Islam und Muslime sind das zentrale Feindbild der rechten Szene, ihre Hetze geht aber weit über die diese hinaus bis ins bürgerliche Lager.“ Rechte Stimmungsmache und Gewaltandrohungen müssten ernst genommen werden. Und genau so wichtig sei es, deutliche Zeichen gegen Islamfeindlichkeit zu setzen. „Denn der wachsende alltägliche antimuslimische Rassismus schafft ein Klima der Angst und führt zu immer mehr Gewalt“, erklärte Wagner.

Zahlen der Bundesregierung zufolge wurden im vergangenen Jahr 184 islamfeindlich motivierte Angriffe auf Moscheen, Religionsstätten, Einrichtungen oder auf religiöse Repräsentanten registriert. (epd/mig)

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