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Walter Lübcke mit höchster hessischer Auszeichnung geehrt

Der Mord an Walter Lübcke ist noch nicht aufgeklärt. Die hessische Landesregierung hat den früheren Regierungspräsidenten mit einer Auszeichnung geehrt und einen neuen Preis zu dessen Andenken gestiftet.

Dienstag, 03.12.2019, 5:20 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 04.12.2019, 16:47 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

Der ermordete Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke ist posthum mit der Wilhelm-Leuschner-Medaille geehrt worden. Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) überreichte die höchste Auszeichnung des Landes Hessen am Sonntag in Wiesbaden stellvertretend an Lübckes Frau und die beiden Söhne. Der Regierungschef, der selbst über Jahrzehnte mit dem seiner Partei angehörenden Politiker und Beamten befreundet war, begründete die Preisverleihung mit dem unerschrockenen Eintreten Lübckes für Freiheit und Demokratie. Politik und Gesellschaft forderte Bouffier zum entschlossenen Eintreten für die Menschenrechte sowie zum Kampf gegen Hass und Extremismus auf.

Um Lübckes Andenken zu wahren, stellte Bouffier bei dem Festakt zugleich einen von ihm gegründeten Walter-Lübcke-Preis für Demokratie vor, der künftig alle zwei Jahre im Gedenken an den Ermordeten vergeben werden soll. Damit geehrt werden sollen Einzelpersonen, Verbände, Projekte und Initiativen, die sich für gesellschaftlichen Zusammenhalt, gegen Hass und Hetze sowie einen von gegenseitigem Respekt getragenen politischen Diskurs einsetzen. Lübcke war am 2. Juni auf der Terrasse seines Hauses im nordhessischen Wolfhagen mutmaßlich von einem Rechtsextremisten erschossen worden. Er ist der erste Preisträger, der nach seinem Tod mit der Wilhelm-Leuschner-Medaille geehrt wird.

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Die höchste hessische Auszeichnung wird seit 1965 jedes Jahr an Persönlichkeiten verliehen, die sich im Sinne Leuschners um die demokratische Gesellschaft verdient gemacht haben. Der Gewerkschafter, ehemalige hessische SPD-Innenminister und Widerstandskämpfer war im September 1944 von den Nationalsozialisten im Berlin-Plötzensee hingerichtet worden.

Der „schreckliche Ungeist“ des Extremismus

Wie Leuschner habe sich auch sein Vater nicht von Drohungen einschüchtern lassen, sagte der jüngere Sohn Lübckes, Jan-Hendrik, bei der Preisverleihung am Sonntag. Mit tränenerstickter Stimme bedankte er sich für die Ehrung und sagte: „Unser Vater fehlt uns allen sehr.“ Christliche Werte hätten sein Handeln bestimmt, und für Walter Lübcke sei es selbstverständlich gewesen, sich für die Aufnahme geflüchteter Menschen in Nordhessen einzusetzen.

Jan-Hendrik Lübcke fügte hinzu, seiner Familie falle es schwer zu sehen, wie der „schreckliche Ungeist“ des Extremismus wieder um sich greife. Der Verrohung der Sprache sowie Hass und Gewalt müssten alle entgegentreten. Angst vor politischem Engagement dürfe sich nicht verfestigen.

Einsatz für die Aufnahme von Flüchtlingen

Lübcke war bis 2009 CDU-Landtagsabgeordneter und dann bis zu seinem gewaltsamen Tod zehn Jahre lang nordhessischer Regierungspräsident mit Sitz in Kassel. Den Unmut rechtsextremistischer Kreise hatte er vor allem mit seinem Eintreten für die Aufnahme von Flüchtlingen und den in einer Bürgerversammlung nach wiederholten Störungen von Neonazis geäußerten Satz erregt, wer diese christlichen Werte nicht teile, dem stehe es frei, das Land zu verlassen.

Die Wilhelm-Leuschner-Medaille wird jedes Jahr am hessischen Verfassungstag am 1. Dezember in Wiesbaden verliehen. Sie war am 29. September 1964 vom damaligen Ministerpräsidenten Georg August Zinn (SPD) am 20. Todestag des Widerstandskämpfers Leuschners gestiftet worden. Der nach ihm benannte Preis geht an Menschen, die sich beispielhaft und nachhaltig für Demokratie, Freiheit und soziale Gerechtigkeit einsetzen.

Im vergangenen Jahr war Altbundespräsident Joachim Gauck damit ausgezeichnet worden. Zu den weiteren Preisträgern zählen Bundeskanzlerin Angela Merkel, die erste weibliche Bundesministerin Elisabeth Schwarzhaupt, der Philosoph Jürgen Habermas, der Computer-Erfinder Konrad Zuse und der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki. (epd/mig)

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