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Niger © OpenStreetMap (CC 2.0)

Gipfel in Berlin

Merkel wirbt für Investitionen in Afrika

Afrikas Bevölkerung wächst, doch Jugendlichen fehlt die Perspektive. Die Bundesregierung fördert Investitionen auf dem Nachbarkontinent - auch damit es keine Migration nach Europa gibt. Bei einem Gipfel werden die Projekte präsentiert.

Mittwoch, 20.11.2019, 5:24 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 24.11.2019, 17:09 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

Die Bundesregierung setzt sich für mehr Investitionen deutscher Firmen in Afrika ein und hat afrikanische Regierende und Unternehmer bei einem Gipfeltreffen zusammengebracht. Die Entscheidung, in Afrika zu investieren, liege bei den Firmen, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei ihrer Ansprache zu Beginn einer G20-Investorenkonferenz am Dienstag in Berlin. Aber die Bundesregierung könne Vertrauen schaffen. Afrika werde mit mehr als 50 Staaten und einer wachsenden Bevölkerung eine wichtige Rolle spielen, globale Probleme zu lösen, betonte sie. Entwicklungsexperten kritisierten derweil, dass die afrikanische Zivilgesellschaft nicht zum Treffen zugelassen wurde.

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Auf der Investorenkonferenz waren unter anderem auch Siemens-Chef Joe Kaeser und Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi. Al-Sisi lobte die guten Beziehungen zu Deutschland und betonte, dass Investitionen ein stabilisierender Faktor seien. Ägypten biete große Gelegenheiten für Investitionen und sei für deutsche Unternehmen ein Tor nach Afrika.

… damit die Menschen nicht kommen

Das Treffen mit Investoren wurde am Vormittag im Rahmen der Initiative „Compact with Africa“ veranstaltet, ein Format, das im Juni 2017 startete, als Deutschland die Präsidentschaft der G20, der führenden Industrie- und Schwellenländer, innehatte. Ziel ist es, in Afrika Zukunftsperspektiven zu eröffnen, damit die Menschen nicht als Flüchtlinge oder Migranten nach Europa kommen.

Afrikanische Partnerländer verpflichten sich, Korruption zu bekämpfen und Maßnahmen für mehr Transparenz einzuleiten. Im Gegenzug unterstützt Deutschland Investoren mit Krediten und Risikoabsicherungen. Bisher machen zwölf Länder mit: Ägypten, Äthiopien, Benin, Burkina Faso, Elfenbeinküste, Ghana, Guinea, Marokko, Ruanda, Senegal, Togo und Tunesien. Für den Nachmittag hat Merkel sie zur dritten „Compact with Africa“-Konferenz ins Kanzleramt eingeladen.

Kein Vertreter der afrikanischen Zivilgesellschaft

Herzstück der Initiative ist der im Juni gestartete Entwicklungsinvestitionsfonds, der mit einer Milliarde Euro ausgestattet wird. Die Gelder aus diesem Topf fließen über die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) in die einzelnen Projekte. Eine Säule ist dabei das Programm „AfricaConnect“ mit einem Volumen von bis zu 400 Millionen Euro. Europäische Firmen bekommen Darlehen für entwicklungsrelevante Investitionen in einer Höhe von 750.000 Euro bis vier Millionen Euro. Neben den Krediten werden auch Risikoabsicherungen übernommen. Nach Merkels Worten gab es mehr als 220 Bewerbungen.

Die Entwicklungsorganisation „Brot für die Welt“ mahnte derweil die Einbeziehung gesellschaftlicher Akteure an. Trotz vieler Versuche sei kein Vertreter der afrikanischen Zivilgesellschaft zu der Konferenz zugelassen worden, sagte der Abteilungsleiter Afrika, Reinhard Palm, dem „Evangelischen Pressedienst“. Das Hilfswerk fordert, dass im Zentrum der Investitionen die „von lokalen Gemeinschaften gesetzten Prioritäten“ stehen. Der Verband Entwicklungspolitik (Venro) verlangte klare soziale und ökologische Kriterien für die Mittelvergabe.

Projekte vorgestellt

Projekte, die Förderung erhalten, wurden beim Investitionsgipfel vorgestellt. Eines ist die Initiative „Fairafric“ aus München, die in Ghana Bio-Schokolade herstellt. Das Unternehmen wird nach eigenen Angaben über die DEG mit zwei Millionen Euro unterstützt und kann somit eine neue Produktionsstätte im Süden Ghanas aufbauen und 50 neue Arbeitsplätze schaffen. Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) unterzeichnete laut Ministerium weitere Verträge, darunter auch für Wasserversorgung in Tunesien und dem Ausbau einer nachhaltig produzierenden Textilfabrik in Ghana, die allein 1.500 neue Arbeitsplätze schaffe.

Die Förderung afrikanischer Mittelständler ist Müller zufolge ebenfalls auf den Weg gebracht worden: 400 Millionen Euro stehen demnach für „AfricaGrow“, der zweiten Säule des Fonds, zur Verfügung. Gemeinsam mit dem Wirtschaftsministerium wird außerdem das „Wirtschaftsnetzwerk Afrika“ gefördert, die dritte Säule, damit deutsche Unternehmen zuverlässige Ansprechpartner vor Ort haben. (epd/mig)

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