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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier

Mauerfall vor 30 Jahren

Steinmeier: Mauern aus Frust, Wut, Hass und Entfremdung einreißen!

Epochaler Umbruch vor 30 Jahren: Am 9. November 1989 fiel die Mauer, die deutsch-deutsche Grenze wurde geöffnet. In die Freude auf den Festveranstaltungen zum 30. Jahrestag mischten sich am Wochenende auch nachdenkliche Töne.

Montag, 11.11.2019, 5:24 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 13.11.2019, 17:45 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Mit Appellen für den Erhalt der freiheitlichen Demokratie ist am Samstag der 30. Jahrestag des Mauerfalls am 9. November 1989 gefeiert worden. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier dankte vor Zehntausenden Menschen am Brandenburger Tor in Berlin den Ostdeutschen für die friedliche Revolution. „Sie, die Mutigen in der DDR, haben Geschichte geschrieben: Demokratiegeschichte, Weltgeschichte. Dafür können ihnen wir auch 30 Jahre später nicht dankbar genug sein“, sagte Steinmeier.

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Der Bundespräsident würdigte auch die Rolle anderer Staaten bei den Umbrüchen von 1989. Die Mauer sei nicht einfach gefallen. Durch die Entspannungspolitik des früheren sowjetischen Staats- und Parteichefs Michail Gorbatschow sei sie brüchig geworden, und die Menschen in Polen, Ungarn, Tschechien und der Slowakei hätten sie mit ihrem Mut ins Wanken gebracht. Steinmeier lobte zugleich die Rolle der USA.

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Mauern einreißen

Er rief dazu auf, neu entstandene unsichtbare Mauern aus Frust, Wut, Hass, Sprachlosigkeit und Entfremdung einzureißen. „Die neuen Mauern in unserem Land, die haben wir selbst gebaut. Und nur wir selber können sie einreißen“, sagte Steinmeier. „Einheit, Freiheit, Demokratie – das haben die Mutigen damals erkämpft. Welch ein großartiges, welch ein stolzes Erbe. Machen wir was draus!“.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) räumte in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ (Samstag) ein, dass der Prozess der Wiedervereinigung mehr Zeit in Anspruch nehme als ursprünglich angenommen. „Bei manchem, von dem man gedacht hat, dass es sich zwischen Ost und West angleichen würde, sieht man heute, dass es doch eher ein halbes Jahrhundert oder länger dauert.“

Schicksalstag der Deutschen

Bei einer Gedenkveranstaltung am Samstagvormittag in Berlin bezeichnete Merkel den 9. November als einen Schicksalstag der Deutschen. In ihm spiegelten sich sowohl die glücklichen als auch die fürchterlichen Momente der deutschen Geschichte wider. Der 9. November 1938 mit den gegen die Juden gerichteten Pogromen ermahne dazu, Hass, Rassismus und Antisemitismus entschlossen entgegenzutreten.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) würdigte die friedliche Revolution als gewaltige Leistung. „Sie war ein Aufstehen, das gewaltlos war, aber voller Wucht“, sagte Müller. Der Mauerfall und die Wiedervereinigung wären nicht möglich gewesen ohne die Alliierten und die Menschen in den europäischen Nachbarstaaten. An der Festveranstaltung nahmen Vertreter von über 20 Staaten teil darunter die Staatsoberhäupter von Polen, Ungarn, Tschechien und der Slowakei.

Unfassbares Glück

Die frühere DDR-Bürgerrechtlerin und ehemalige Stasi-Unterlagenbeauftragte Marianne Birthler sprach von einem unfassbaren Glück, als freie Bürgerin in einer freien Stadt leben zu können. Wer sich heute für Klimaschutz einsetze und gegen weltweites Unrecht, Hass und Ausgrenzung seine Stimme erhebe, stehe in der Tradition der „89er“, sagte Birthler.

Bei einer Festveranstaltung am ehemaligen Grenzübergang Marienborn betonte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU), Freiheit und Demokratie seien keine Selbstverständlichkeiten. Dies dürfe nicht in Vergessenheit geraten. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weill (SPD) nannte die deutsche Einheit ein „bis heute ein nahezu unfassbares Wunder“. (epd/mig)

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