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Rettungsaktion im Mittelmeer © Laurin Schmid / SOS MEDITERRANEE

Gefährlicher denn je

Todesrate bei Flüchtlingen im Mittelmeer gestiegen

Die zentrale Fluchtroute über das Mittelmeer ist gefährlicher denn je. Wie IOM mitteilt, ist dort die Todesrate stark angestiegen, seit Jahresbeginn kamen 257 Menschen ums Leben. Menschenrechtler fordern, die libysche Seenotrettungszone Malta zu übertragen.

Donnerstag, 02.05.2019, 5:25 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 07.05.2019, 16:48 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Die Todesrate unter Flüchtlingen, die das Mittelmeer von Libyen aus zu überqueren versuchen, ist nach der Schließung der italienischen Häfen für Schiffe von Hilfsorganisationen und der Gewalteskalation in Libyen deutlich gestiegen. Seit Jahresbeginn kamen nach Angaben eines Sprechers der Internationalen Organisation für Migration (IOM) 257 Menschen auf der zentralen Mittelmeerroute ums Leben.

„Heute stirbt mehr als einer von zehn Migranten auf der Überfahrt, früher waren es wesentlich weniger“, sagte IOM-Sprecher Flavio Di Giacomo dem „Evangelischen Pressedienst“ auf Anfrage.

Die Todesrate sei von 3,5 Prozent im vergangenen Jahr auf zwölf Prozent in den ersten vier Monaten dieses Jahres gestiegen, teilte der IOM-Sprecher auf Twitter mit. Vor zwei Jahren kamen demnach 2,6 Prozent der Bootsflüchtlinge auf der zentralen Mittelmeerroute ums Leben. Die absoluten Zahlen seien gesunken, die Todesrate jedoch gestiegen. Die Mittelmeerüberquerung sei „gefährlicher denn je“, betonte der IOM-Sprecher.

Menschenrechtler: Libyen Seerettungszone entziehen

Seit Januar erreichten laut IOM 722 Migranten Italien und 308 Malta. Weitere knapp 1.100 versuchten demnach, Europa von Libyen aus zu erreichen, wurden jedoch dorthin zurückgebracht.

Derweil fordern Menschenrechtler, die libysche Seenotrettungszone dem Inselstaat Malta zu übertragen. Die libysche Küstenwache fahre seit dem 10. April keine Einsätze mehr in dem Gebiet, für das sie zuständig sei, kritisierte die Rettungsorganisation „Sea-Eye“. Die EU-Mitgliedsstaaten müssten schnellstmöglich handeln, wenn sie die Seenotrettung nicht weiter einem „handlungsunfähigen Bürgerkriegsland“ überlassen wollten. Selbst die Libyer flöhen derzeit aus der Hauptstadt Tripolis, um sich in Sicherheit zu bringen. „Aus der sogenannten Such- und Rettungszone Libyens wird so eine libysche Todeszone“, sagte „Sea-Eye“-Sprecher Gorden Isler.

Keine EU-Rettungsmission mehr

Die Bundesregierung müsse auf Malta zugehen und dem Land zusammen mit anderen EU-Mitgliedsstaaten dauerhafte Unterstützung bei der Rettung, Koordinierung und Verteilung geretteter Flüchtlinge zusichern. „Nur so kann das Sterben Tausender im Mittelmeer verhindert werden“, sagte Isler. Die Internationale Seeschifffahrtsorganisation der Vereinten Nationen (IMO) müsse jetzt handeln und den Libyern die Verantwortung über dieses Seegebiet aberkennen.

Die Europäische Union hat Ende März beschlossen, den Einsatz von Schiffen auf dem Mittelmeer für die Operation „Sophia“ gegen Schleuser und Menschenhändler zu beenden. An der Operation hatte sich seit 2015 auch die deutsche Marine mit Schiffen beteiligt. Die Beobachtung des Seeraums werde in Zukunft nur noch aus der Luft erfolgen. Damit kann die EU keine Flüchtlinge zwischen Libyen und Europa mehr aus Seenot retten. Die Entscheidung war auf scharfe Kritik gestoßen. (epd/mig)

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