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RomArchive

Kunstgeschichte

Archiv für Roma-Kultur geht online

Ein ehrgeiziges und bislang einmaliges Projekt: Ein europaweites Online-Archiv zeigt den Einfluss von Roma-Künstlern auf die europäische Kunstgeschichte. Zum Start der Website gibt es in der Berliner Akademie der Künste ein viertägiges Festival.

Freitag, 25.01.2019, 5:21 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 28.01.2019, 21:08 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

Die Kultur der Sinti und Roma wird ab sofort online in einem eigenen Archiv präsentiert. Es gehe darum, den großen kulturellen Reichtum der Sinti und Roma und deren Einfluss auf die europäische Kulturgeschichte sichtbar zu machen, sagten die Initiatorinnen Isabel Raabe und Franziska Sauerbrey am Mittwoch in Berlin an. Die dreisprachige Homepage romarchive.eu präsentiert knapp 5.000 Objekte und wurde am Donnerstagabend freigeschaltet.

Gefördert wurde der Aufbau des Archivs seit 2015 von der Kulturstiftung des Bundes mit insgesamt 3,7 Millionen Euro. Zum Start veranstaltet die Berliner Akademie der Künste von Donnerstag bis Sonntag ein interdisziplinäres Festival mit Ausstellungen, Diskussionsrunden und Konzerten.

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Der Vorsitzende des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, sagte bei der Präsentation am Mittwoch, das Archiv-Projekt habe „historische Bedeutung“. Es werde den Roma-Minderheiten helfen, in ihren jeweiligen Heimatländern auf ihre wichtigen Beiträge zur Kultur und Geschichte aufmerksam zu machen. „Wir leben in einem demokratischen Europa und das gibt uns die Chance, auf Missstände und zugleich auf unsere lange Geschichte hinzuweisen und sie aufzuarbeiten“, sagte Rose. Auch die künstlerische Leiterin der Kulturstiftung des Bundes, Hortensia Völckers, lobte das Ergebnis der jahrelangen Recherchen.

Verfolgung der Sinti und Roma im Nationalsozialismus

Am Aufbau von „RomArchive“ waren den Angaben zufolge europaweit rund 150 Menschen in 15 Ländern beteiligt. Dabei sei der Inhalt „in allen entscheidenden Positionen“ von Angehörigen der Minderheit gestaltet worden, hieß es. Es habe auch einzelne Künstler gegeben, die nicht als „Roma-Künstler“ in dem Archiv auftauchen wollten und deshalb ihre Mitarbeit zunächst verweigerten.

Neben einer umfangreichen Sammlung von internationaler Kunst aus allen Gattungen stellt „RomArchive“ auch zeitgeschichtliche Dokumente und wissenschaftliche Abhandlungen zur Verfügung. Dabei geht es um Film, Bildende Kunst, Theater und Drama, Tanz, Musik und Literatur. Auch Material zur Bilderpolitik, Selbstzeugnisse im Zusammenhang mit der Verfolgung der Sinti und Roma im Nationalsozialismus sowie wissenschaftliches Material zur Bürgerrechtsbewegung ist abrufbar.

Dreisprachige Homepage

Die Homepage ist auf Deutsch, Englisch und Romanes aufrufbar. Berücksichtigt wurden deutsche Sinti ebenso wie etwa spanische Gitanos, osteuropäische Roma und sogenannte Romani Traveller aus Großbritannien.

Künftig wird das „RomArchive“ verantwortet vom European Roma Institute for Arts and Culture (ERIAC) in Berlin. Die Bundeszentrale für politische Bildung übernimmt für die kommenden fünf Jahre die redaktionelle Betreuung. Unterstützung kam auch vom Auswärtigen Amt und dem Goethe-Institut. Im Februar und März sind weitere Launch-Veranstaltungen zum Online-Archiv in Budapest und Bukarest geplant.

Fakten statt Vorurteile

Erstmals gebe es mit dem Archiv eine online zugängliche und verlässliche Wissensquelle, „die Stereotypen und Vorurteilen mit Fakten begegnet“, teilte die Akademie der Künste mit. Das viertägige Festival anlässlich der Veröffentlichung der Archiv-Website soll den Reichtum und die Vielseitigkeit der europäischen Kulturproduktion von Sinti und Roma zeigen.

ERIAC-Direktorin Timea Junghaus, die den Archivbereich Bildende Kunst als Kuratorin verantwortete, betonte, „wir müssen anfangen, die Geschichte der Sinti und Roma mit eigenen Stimmen zu schreiben“. Das Archiv biete nun die Chance, die Kunst und das Wissen über Roma „in die eigenen Hände zu nehmen“, sagte die ungarische Kunsthistorikerin. Beiratsvorsitzende Nicoleta Bitu vom Demokratischen Bund der Rumänischen Roma unterstrich, „man kann den Rassismus nicht bekämpfen, ohne sich auf Geschichte und Kunst zu beziehen“. (epd/mig)

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