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Niedersachsen © MiG

Suizidversuche unter Asylbewerbern stark angestiegen

Die Zahl der Suizidversuche von Flüchtlingen in Niedersachsen ist stark angestiegen, auch in Bayern ist eine steigende Tendenz zu beobachten. Experten zufolge wirken verweigerter Schutz und Abschiebeandrohung belastend.

Donnerstag, 18.05.2017, 4:21 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 18.05.2017, 23:41 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

In Niedersachsen ist die Zahl der Suizidversuche von Asylbewerbern einem Medienbericht zufolge in den vergangenen Jahren stark gestiegen. 2016 hätten die Behörden aus 13 Kommunen 50 versuchte Selbsttötungen gemeldet, berichtete die Neue Osnabrücker Zeitung. Im Jahr zuvor habe es 19 Suizidversuche gegeben. Das Blatt berief sich auf eine Antwort des Innenministeriums auf eine Anfrage der FDP-Landtagsfraktion.

Eine steigende Tendenz der Suizidversuche habe auch Bayern gemeldet, schrieb die Zeitung. Dort habe sich deren Zahl nach Angaben der Behörden 2016 mit 162 Vorfällen binnen weniger Jahre mehr als verdreifacht.

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Das Bremer Beratungs- und Behandlungszentrum für Flüchtlinge „Refugio“ erklärte, es habe bei seinen Klienten keinen signifikanten Anstieg der Suizidversuche gegeben. Die für „Refugio“ tätige Psychotherapeutin Katrin Schock sagte, die Frage nach dem Grund für einen Anstieg der Suizidversuche in Niedersachsen lasse sich nicht pauschal beantworten: „Schließlich handelt es sich um Menschen mit individuellen Biografien“. Studien zufolge seien etwa 40 Prozent der Asylsuchenden durch Traumata seelisch belastet. Mit der Zahl der Flüchtlinge steige statistisch auch die Zahl der psychisch belasteten Flüchtlinge.

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Expertin: Abschiebeandrohung können belastend wirken

Die psychische Verfassung von Menschen werde von inneren und äußeren Faktoren beeinflusst, betonte Schock. Belastete Flüchtlinge suchten Schutz in Deutschland. „Wenn dieser Schutz infrage gestellt wird, etwa durch Abschiebeandrohungen oder die Abschiebung selbst, kann dies durchaus destabilisierend wirken“. Auch die Vorstellung, an den Ort eines traumatischen Geschehens zurückkehren zu müssen, könne individuell zu einer hochgradigen Destabilisierung führen.

Kai Weber vom Niedersächsischen Flüchtlingsrat sagte dem epd, es gebe immer mehr Flüchtlinge, die aufgrund eines verweigerten oder behinderten Familiennachzugs verzweifelt seien: „Es sind vor allem Familienväter, die sich um ihre Familien in Herkunfts- oder Transitländern sorgen und schuldig fühlen, weil sie hier in Sicherheit leben, während ihre Familien weiterhin in Not sind.“ Der Rückgang der Schutzquote sorge bei Geflüchteten für zusätzliche Verunsicherung. (epd/mig)

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