NDO, Neue Deutsche Organisationen, Migranten, Kongress
Regionalkongress der "Neuen deutschen Organisationen" in Niedersachsen.

Kein Praktikum

Neue Deutsche fordern mehr Anerkennung

Sie sind in Deutschland geboren und aufgewachsen, doch viele betrachten sie trotzdem als Ausländer. Jetzt werben die "neuen Deutschen" aus Einwanderer-Familien um Anerkennung. Sie wollen in die Chef-Etagen.

Montag, 05.12.2016, 8:20 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 05.12.2016, 16:51 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Die rechtliche und gesellschaftliche Stellung deutscher Bürger mit ausländischen Wurzeln muss sich nach Ansicht der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, Aydan Özoğuz (SPD), dringend verbessern. Das gelte unter anderem für Arbeit und Ausbildung, sagte Özoğuz am Freitag in Hannover bei einer Konferenz der Initiative „Neue Deutsche Organisationen“ (NDO). „Bewerber mit türkischen oder arabischen Namen werden von Unternehmen trotz guter oder sehr guter Noten deutlich seltener zu Bewerbungsgesprächen eingeladen.“

Auch im öffentlichen Dienst seien Deutsche mit Migrationsgeschichte unterrepräsentiert – anonyme Bewerbungen könnten hier weiterhelfen. Änderungsbedarf gebe es auch beim Friedhofsrecht, kritisierte Özoğuz im Blick auf muslimische Bestattungsriten: „Es ist schon ein eigenartiges Gefühl, wenn man in einem deutschen Ort geboren und aufgewachsen ist und nicht weiß, ob man hier auch beerdigt werden kann, weil es diese Art Grab nicht gibt. Das nimmt einem ein Stück vom Gefühl der Heimat.“

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Schnupperkurse und Praktika sind nicht genug

Zu der Initiative NDO haben sich bundesweit rund 120 Organisationen von Deutschen aus Einwandererfamilien zusammengeschlossen. Sie sehen sich nicht mehr als Migranten oder Ausländer und streben die Gründung eines Dachverbandes an. „Wir wollen mehr als unsere Eltern, wir wollen Gleichberechtigung“, unterstrich Ferda Ataman vom Verein „Neue deutsche Medienmacher“.

Die erste Generation von Einwanderern sei noch mit einem Aufenthaltstitel, einem Arbeitsplatz und einer Wohnung zufrieden gewesen. Doch der neuen Generation reichten Schnupperkurse und Praktika nicht aus: „Wir wollen auch in der Chef-Etage sitzen.“ Jeder Fünfte in Deutschland habe heute einen Migrationshintergrund, rund 9,3 Millionen Menschen mit ausländischen Wurzeln hätten einen deutschen Pass. „Unser Problem: Wir sind integriert, aber nicht als Deutsche anerkannt“, sagte die Journalistin.

Es geht nicht ohne das direkte Gespräch

Die Soldatin Nariman Reinke vom Verein „Deutscher.Soldat“ forderte den Aufbau einer muslimischen Militärseelsorge. In der Bundeswehr gebe es inzwischen rund 1.600 muslimische Soldaten – so wie sie selbst, sagte Reinke, die bei dem Treffen in Uniform auftrat: „Wenn man mich in einen Auslandseinsatz schickt mit der Prämisse, dass mir dort etwas passieren kann, dann kann der Staat auch dafür sorgen, dass meine Eltern in dem Fall angemessen benachrichtigt werden.“

Die Migrationsbeauftragte des Landes Niedersachsen, Doris Schröder-Köpf (SPD), rief dazu auf, rechtspopulistisch denkenden Menschen in offener Diskussion entgegenzutreten. Nur so könnten Vorurteile überwunden werden: „Es geht nicht ohne das direkte Gespräch von Mensch zu Mensch.“ (epd/mig)

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