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Feuerwehr-Sperrzone © Maik Meid @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Rechtsextremismus

Bombenanschlag auf Begegnungsstätte für Flüchtlinge

Die St. Nikolai-Gemeinde bietet wöchentlich Treffen mit Flüchtlingen an und war deswegen bereits öfter Ziel von rechten Hassparolen. Laut Brandenburgs Innenminister haben die Täter jetzt aber auch "die letzte Maske fallenlassen". Die Druckwellen einer Sprengstoffexplosion beschädigten die Gemeinderäume schwer.

Montag, 23.11.2015, 8:21 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 14.02.2016, 12:05 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Eine evangelische Jugend- und Flüchtlingsbegegnungsstätte in Brandenburg ist bei einem mutmaßlich rechten Anschlag beträchtlich beschädigt worden. Eine Explosion im Jugendzentrum „Turmstube“ in Jüterbog (Landkreis Teltow-Fläming) am Freitagabend wurde nach Polizeiangaben offenbar vorsätzlich durch Böller verursacht. Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) erklärte, der Verdacht eines rechtsgerichteten Anschlags liege nahe.

Das Zentrum der St. Nikolai-Gemeinde bietet wöchentlich Treffen mit Flüchtlingen an und war in der Vergangenheit bereits öfter Ziel von rechten Hassparolen. Durch die Druckwelle wurden nach Angaben der Polizei die Fenster, Türen und das Mobiliar des betroffenen Raumes schwer beschädigt. Zudem fielen Teile der Deckenverkleidung herunter.

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Noch am Samstag kam Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) gemeinsam mit dem Berliner Landesbischof Markus Dröge nach Jüterbog. „Wir werden vor denen, die Flüchtlinge und Helfer bedrohen, keinen Zentimeter zurückweichen“, betonte der SPD-Politiker. Wer vorgebe, das christliche Abendland zu verteidigen, aber zugleich Anschläge auf kirchliche Einrichtungen verübe, habe die letzte Maske fallenlassen.

Dröge, Bischof der Evangelischen Kirche-Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, sprach von einer menschenverachtenden Tat, die „unser Gemeinwesen trifft“. Er nannte es erschreckend, dass Menschen, die sich ehrenamtlich für eine gutes Miteinander in der Gesellschaft einsetzten, dafür eingeschüchtert und bedroht würden. Dröge sicherte der Gemeinde die Unterstützung der Landeskirche zu.

Mit dem Innenminister und dem Bischof versammelten sich etwa 100 Menschen vor der angegriffenen Begegnungsstelle. Jüterbogs parteiloser Bürgermeister Arne Raue blieb der Versammlung laut Ministeriumssprecher Ingo Decker fern. Der in Potsdam erscheinenden „Märkischen Allgemeinen“ erklärte Raue sein Fernbleiben mit einem Beisetzungstermin.

Das umstrittene Stadtoberhaupt hatte Anfang November für Unruhe gesorgt, weil es auf Facebook vor dem Einschleppen von ansteckenden Krankheiten durch Flüchtlinge gewarnt hatte und den Bürgern seiner Stadt von dem Kontakt mit Asylbewerbern abriet. Später distanzierte Raue sich von seinem Aufruf.

Die Kirchengemeinde vermutet einen Zusammenhang zwischen der Explosion und einer NPD-Demonstration wenige Stunden zuvor. Auch das Innenministerium sprach von entsprechenden Hinweisen. Am Freitagabend waren rund 200 Asylgegner und Rechtsradikale unter dem Motto „Nein zum Asylwahn, Ja zu Jüterbog“ durch die Stadt gezogen. An einer Gegenkundgebung mit etwa 500 Teilnehmern war auch die evangelische Gemeinde beteiligt. (epd/mig)

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