Geschmacklos

Stadt möchte Flüchtlinge im ehemaligen Konzentrationslager unterbringen

Die nordrhein-westfälische Stadt Schwerte plant, Flüchtlinge in einer ehemaligen Außenstelle des Konzentrationslagers Buchenwald unterzubringen. Das Vorhaben stößt beim Flüchtlingsrat und in der Politik auf heftige Kritik.

Mittwoch, 14.01.2015, 8:24 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 29.01.2015, 16:59 Uhr Lesedauer: 1 Minuten  |   Drucken

Die nordrhein-westfälische Stadt Schwerte plant, Flüchtlinge in einer ehemaligen Außenstelle des Konzentrationslagers Buchenwald unterzubringen. Knapp zwei Dutzend Asylsuchende sollen in einer früheren Aufseherbaracke wohnen, die die Ruhr Nachrichten berichten.

Das löst heftige Kritik aus. Die innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, Ulla Jelpke, bezeichnet das Vorhaben der Stadt als „geschmacklos“. Die Stadt müsse ihre Pläne dringend zurücknehmen.

Flüchtlingsrat: Kein Verständnis
Kritik kommt auch vom nordrhein-westfälischen Flüchtlingsrat, Birgit Naujocks. Sie verweist auf die NS-Vergangenheit der Baracke. „Die Pläne rufen böse Erinnerungen und unheilvolle Bilder hervor“, sagte sie dem Mitteldeutschen Rundfunk. Man habe Verständnis für Notlösungen, warum die Stadt aber keine Container aufstelle, sei ihr unverständlich.

Die hingegen wehrt sich gegen die Vorwürfe. Wie ein Sprecher der Stadt erklärte, sie die Errichtung von Containern schon aus Kostengründen nicht möglich. Im Übrigen sei die ehemalige KZ-Baracke bereits vor 20 Jahren schon einmal als Flüchtlingsheim genutzt worden und seit dem Kriegsende auch als Kindergarten oder Lagerhalle.

Jelpke: Geschichtsvergessen
Jelpke überzeugen die Argumente der Stadtverwaltung nicht. Das sei „ein schlechter Rechtfertigungsversuch“. Die Unterbringung dort sei entwürdigend. Eine solche Unterbringung „ausgerechnet dort vorzunehmen, wo die Persönlichkeit von Menschen gezielt gebrochen wurde, Ungehorsam mit willkürliche Gewalt und Mord beantwortet wurde und viele Insassen durch Arbeit und Auszehrung starben, ist einfach nur zynisch und geschichtsvergessen“, erklärte die Linkspolitikerin.

In dem Konzentrationslager in Buchenwald wurde von Juli 1937 bis 1945 als Arbeitslager genutzt. Dort starben Schätzungen zufolge 56.000 Menschen, rund 12.000 von ihnen waren Juden. Damit gehörte das KZ Buchenwald mit zu den größten Arbeitslagern während des Nationalsozialismus. (bk)

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