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Die Reformation der Trauer

Die erste interkulturelle „Trauerhaltestelle“ Bayerns

Eine Trauerhaltestelle für jedermann, unabhängig von der Religionszugehörigkeit? Unmöglich? Nein. In Unterfranken zieht eine solche Haltestelle die Blicke auf sich. Der Evangelische Pfarrer ist überzeugt, dass Deutschland solche Stellen braucht – gedanklich ist er bei den Flüchtlingen.

Von Ralph Bauer Dienstag, 11.11.2014, 8:20 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 11.11.2014, 18:04 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Der erdfarbene Kubus im Garten der evangelischen Auferstehungskirche im unterfränkischen Münnerstadt weckt bei Passanten Neugierde und Erstaunen. Es ist die erste sogenannte Trauerhaltestelle in Bayern, ein interkulturelles Angebot für Menschen, die mit Schmerz und Verlust fertig werden müssen. Im Innenraum lädt eine hölzerne Insel ein zum Verweilen und zur Ruhe. An die Wände der teilweise nach oben offenen Holzkonstruktion können Besucher mit Kohlestift eine Botschaft schreiben, die vom Regen wieder abgewaschen wird. Seitlich wächst mitten in dem Raum ein richtiger Baum.

„Was kann es Passenderes geben für Trauer?“, sagt der evangelische Gemeindepfarrer Joachim Pennig. Gerade der Baum stehe für Sterben, Auferstehung oder Wiedergeburt – und das in vielen Weltreligionen. Der Theologe sieht das bereits 2012 aus einem Architektenwettbewerb hervorgegangene Projekt, das bislang in einem abgegrenzten Areal in Frankfurt am Main stand, als wichtiges Angebot für Nicht- oder Andersgläubige. Etwa Asylbewerber, die in dem Rhönstädtchen untergebracht sind. „Das ist die Welt, in der wir leben, das hat auch etwas mit Globalisierung zu tun“, unterstreicht er.

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Der Platz geben
Doch selbst für gläubige Christen hält der Pfarrer Pennig so eine Trauerhaltestelle für wichtig. Er berichtet von einem weitläufig Verwandten aus Schottland, dessen Flugzeug auf dem Weg zu einer Himalaya-Expedition abstürzte. „Oder wenn eine 16-Jährige Liebeskummer hat, das ist schlimm für sie. Wo soll sie da hingehen? Sich an das Grab der Oma zu stellen, nutzt ihr dann ja nichts“, spielt er mögliche Fälle für die Trauerhaltestelle gedanklich durch.

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Initiiert wurde das Projekt vom Kuratorium Deutsche Bestattungskultur. „Uns ist wichtig, dass das Thema Trauer auch in der Gesellschaft einen Platz hat“, sagt Geschäftsführer Oliver Wirthmann. In Münnerstadt solle nun ein Jahr lang getestet werden, inwieweit das Holzmodell vor einer Realisierung in Beton und Stein noch verändert werden muss. Es gebe dabei kein finanzielles Interesse, im Gegenteil: „Wir unterstützen den Bau an einer exponierten Stelle in Deutschland.“

Mobile Version vorstellbar
Er kann sich aber durchaus vorstellen, die Trauerhaltestelle auch in einer mobilen Version umzusetzen – beispielsweise nach Katastrophen oder Amokläufen. „Wir wollen helfen, da etwas zu gestalten, was auch ästhetischen Ansprüchen genügt“, sagt Wirthmann. Ein Besuch der Trauerhaltestelle wird auch zum Unterrichtsprogramm des Bundesausbildungszentrums der Bestatter in Münnerstadt gehören. „Die kennen das im Grunde schon aus einigen Fachveröffentlichungen. Aber es ist geplant, dass sie sich das einmal vor Ort anschauen“, sagt Akademieleiterin Rosina Eckert.

Pfarrer Pennig macht sich Gedanken, wie die Trauerhaltestelle in das Gemeindeleben integriert werden kann. Am Ewigkeitssonntag (23. November) plant er eine kleine Prozession von der Kirche zu der fünf mal neun Meter großen Holzkonstruktion. Weitere Ideen sind etwa das Bemalen der Außenwände durch Schüler, um wilde Graffitis zu verhindern. (epd/mig)

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