Buchtipp zum Wochenende

Deutsch sein und schwarz dazu – Erinnerungen eines Afro-Deutschen

Theodor Michaels Vater kam vor dem Ersten Weltkrieg aus der deutschen Kolonie Kamerun nach Deutschland und wurde freundlich aufgenommen. Er heiratete eine Deutsche und gründete eine Familie. Doch schon während der Weimarer Republik fand man, Schwarze sollten den Deutschen keine Arbeitsplätze mehr wegnehmen. Eine Biographie.

Freitag, 07.03.2014, 8:24 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 10.03.2014, 21:13 Uhr Lesedauer: 1 Minuten  |   Drucken

Theodor Michaels Autobiografie ist so aberwitzig, dass sie erfunden sein könnte, wenn sie nicht allzu wahr wäre. Er entfaltet in „Deutsch sein und schwarz dazu“ eine Welt, die man so nicht gekannt hat, beschrieben von einem Mann, den man für seine Kraft, das alles zu bewältigen, nur bewundern kann, und dafür, dass es ihm gelungen ist, die Menschlichkeit zu bewahren. Theodor Michael erzählt ganz nüchtern, aber die Ereignisse sprechen für sich.

Theodor Michael wurde 1925 in Berlin als Sohn einer Deutschen und eines Kameruners geboren. Als sein Vater nach Deutschland kam, war Kamerun noch deutsches Schutzgebiet, sprich Kolonie. Afrikaner wurden in Deutschland ganz freundlich aufgenommen. Nach dem Ersten Weltkrieg waren die Kolonien verloren und das Klima wurde deutlich unfreundlicher. Man fand, die Schwarzen sollten den Deutschen keine Arbeitsplätze wegnehmen.

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Deutsch sein und schwarz dazu hat viele Probleme bereitet
Aber in den sehr beliebten Völkerschauen kamen sie noch unter, die „Artfremden“ mit dem „negroiden Einschlag“. Sogar in der Nazi-Zeit, als Statisten in den äußerst beliebten Kolonialfilmen. Doch dann landeten sie im KZ oder in Zwangsarbeiterlagern. So erging es auch Theodor Michael: Nachdem seine Eltern starben, schlug er sich als Page, Portier und Komparse durch, bis er 1943, mit 18 Jahren, in einem Zwangsarbeiterlager interniert wurde.

Theodor Michael hat das alles überstanden, um dann nach Kriegsende feststellen zu müssen, dass er der Kollaboration verdächtigt wurde, weil er überlebt hatte. Damals hätte er es sich nicht träumen lassen, dass er einmal als Regierungsdirektor beim BND in den Ruhestand gehen würde. Seit seiner Pensionierung engagiert er sich für die afro-deutsche Gemeinde und ist ein gefragter Ansprechpartner für die Presse. (vh)

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