Führungswechsel im Sachverständigenrat

Prof. Bade bleibt den Themenfeldern Integration und Migration erhalten

Der Gründungsvorsitzende Prof. Dr. Klaus J. Bade übergibt turnusgemäß die Leitung des SVR. Er wird den Themenfeldern Integration und Migration jedoch erhalten bleiben – mit eigenen Projekten.

Von Freitag, 29.06.2012, 8:27 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 03.07.2012, 0:32 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Zum 1. Juli übergibt Prof. Dr. Klaus J. Bade den Vorsitz des Sachverständigenrates deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR). Der renommierte Wissenschaftler wird aber den Themen Integration und Migration treu bleiben. Er scheidet aus dem SVR auf eigenen Wunsch aus und wird sich wieder stärker eigenen Projekten im Bereich Integration und Migration widmen.

Prof. Dr. Bernhard Lorentz, Geschäftsführer der Stiftung Mercator: „Prof. Dr. Bade hat die Idee zur Gründung des Sachverständigenrats gegeben und seitdem hervorragende und erfolgreiche Arbeit geleistet. Eine moderne und mutige Integrations- und Migrationspolitik hat in ihm einen großen und weitsichtigen Fürsprecher. Mit seinem beeindruckend kraftvollen Engagement hat er entscheidend dazu beigetragen, den Sachverständigenrat als national und international anerkanntes unabhängiges Expertengremium für Fragen der Integration und Migration zu etablieren. Für seinen überragenden Einsatz danken wir ihm sehr.“

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Dass Bade weitermacht, dürfte aber nicht nur die Fachwelt, sondern auch viele Menschen mit Zuwanderungsgeschichte freuen. Denn ist es mitunter sein Verdienst, dass sich neue Themen und Perspektiven bei der Integrationsforschung durchgesetzt haben. Bei der Suche nach Ursachen, Gründen und Hintergründen wagt er bei den integrations- und migrationspolitischen Herausforderungen stets auch einen Blick über den Tellerrand hinaus und spricht Probleme und Defizite offen an. So etwa, wenn er Politiker nach der Sarrazin-Debatte davor warnt, sie sollten „nicht länger davon ausgehen, die Bürger in einer Art Kindergarten für Erwachsene vor ihren eigenen Ängsten beschützen zu müssen.“ Gegen den Gedanken, Multikulti sei tot, wehrt er sich ebenso wie gegen das Feindbild „Ausländer“ oder „Islam“.

Prof. Uslucan neues SVR-Mitglied
Seine Stelle beim SVR wird Prof. Dr. Christine Langenfeld übernehmen. Die Göttinger Europarechts-Expertin, die dem Sachverständigenrat seit Beginn angehört, wurde bereits im Januar einstimmig von den neun Sachverständigen des unabhängigen Expertengremiums gewählt. Langenfeld war von 1991 bis 1997 am Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht in Heidelberg tätig. Seit 2000 hat sie einen Lehrstuhl an der Universität Göttingen inne und ist Direktorin des Instituts für Öffentliches Recht. Seit vielen Jahren forscht sie zu Zuwanderungsfragen. Zu ihren zentralen Arbeitsgebieten gehören das Europarecht und der europäische Menschenrechtsschutz, das Zuwanderungsrecht sowie Bildungsfragen. Mit ihrer interdisziplinär angelegten Habilitation „Integration und kulturelle Identität zugewanderter Minderheiten – eine Untersuchung am Beispiel des allgemeinbildenden Schulwesens“ setzte sie im Jahr 2000 das Thema Spracherwerb als Teil der Integration in der Rechtswissenschaft auf die Agenda.

Neuer Stellvertretender SVR-Vorsitzender ist Prof. Dr. Ludger Pries, der dem Sachverständigenrat seit Sommer 2011 angehört. Der Soziologe mit den Schwerpunkten Transnationalisierung und Migration wurde von den Sachverständigen ebenfalls einstimmig gewählt. Als neues Mitglied des Sachverständigenrats wurde der unter Migranten ebenfalls bekannte und geschätzte Entwicklungspsychologe Prof. Dr. Haci Halil Uslucan berufen. Er ist wissenschaftlicher Leiter des Zentrums für Türkeistudien und Integrationsforschung sowie Professor für Moderne Türkeistudien an der Universität Duisburg-Essen.

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