Studie

50 Jahre deutsch-türkische Migrations- und Integrationsgeschichte

Türkei wie Deutschland haben das deutsch-türkische Anwerbeabkommen unterschätzt. Das ist Konsens. Doch wie kam es zum Abkommen, welche Interessen spielten eine Rolle? Die Studie "Arbeitsplatz Deutschland, Heimat Türkei?" klärt auf.

Mittwoch, 02.11.2011, 8:30 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 08.01.2020, 15:45 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Das 50-jährige Jubiläum des Anwerbeabkommens mit der Türkei am 30. Oktober 2011 fällt in eine Zeit, in der wieder engagiert über die Notwendigkeit der Zuwanderung diskutiert wird. Vor diesem Hintergrund hat die Autorin, Karin Hunn, in der Studie „Arbeitsplatz Deutschland, Heimat Türkei?“ die Anwerbung von Arbeitskräften aus der Türkei im Kontext der Ausländerbeschäftigungspolitik genauer untersucht.

Türkische Gastarbeiter haben das westdeutsche Wirtschaftswunder der 60er Jahre mit ermöglicht. Ihre Familien und Kinder gehören inzwischen zu Deutschland wie Mesut Özil in das Mittelfeld der deutschen Nationalmannschaft.

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In der Studie kommt zum Tragen, dass beide Nationen 1961 die späteren Auswirkungen der Anwerbung unterschätzt haben. Auch das Bundesarbeitsministerium hat sie damals nicht ernst genommen. Der Text des Abkommens war lediglich im Bundesarbeitsblatt, anstatt, wie sonst üblich, im Bundesanzeiger nachzulesen. Die Motive für die Gewinnung der Arbeitskräfte stammten aber nicht nur aus der damaligen Arbeitsmarktpolitik. Auch außenpolitische Ziele wurden verfolgt, weshalb das hierfür zuständige Ministerium eine Hauptrolle bei der Realisierung des Abkommens spielte.

Download: Die Studie „Arbeitsplatz Deutschland, Heimat Türkei?“ kann unter www.bertelsmann-stiftung.de kostenlos heruntergeladen werden.

Die starke Fokussierung der Bundesregierung auf eine Ausländerbeschäftigungspolitik führte letztlich dazu, dass eine strategisch betriebene Zuwanderung kaum eine Rolle spielte und Anfang der 70er Jahre die Anwesenheit der angeworbenen Arbeitskräfte mit ihren Familien zunehmend als problematisch und unbeabsichtigt angesehen wurde. Seit 2005 hat die Bundesrepublik nun ein Gesamtkonzept für Integration, auch wenn nach wie vor viele Fragen aus der Praxis unbeantwortet bleiben.

Für die aktuelle Debatte um Zuwanderung und Integration kann das Jubiläum auf jeden Fall eine Chance sein. Aus türkischen „Gastarbeitern“ wurden „Mitbürger“, „Zuwanderer“ und in vielen Fällen Deutsche. Die 50 Jahre deutsch-türkischer Migrations- und Integrationsgeschichte bieten also einen reichhaltigen Erfahrungsschatz, der nur gehoben werden muss. Denn: Um eine erfolgreiche Einwanderungspolitik zu betreiben, braucht diese ein historisches Gedächtnis. (pm-bs)

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