TV-Tipps des Tages

06.07.2011 – Türkei, Marokko, Obama, Berliner Mauer, KZ-Häftlinge, Bosnien

TV-Tipps des Tages sind: ARD-exclusiv: Rentnerparadies Türkei; Schätze der Welt - Erbe der Menschheit; Auma Obama im Gespräch mit Renata Schmidtkunz; Mauerjahre - Leben im geteilten Berlin; ... nicht mehr heimisch in der Welt; Folgeschäden erzählt auf einer privaten, intimen Ebene eine politische Geschichte

Von Mittwoch, 06.07.2011, 8:00 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 03.07.2011, 17:01 Uhr Lesedauer: 10 Minuten  |  

ARD-exclusiv: Rentnerparadies Türkei
Überwintern unter Palmen – Schon früh ist der Urlauber Jürgen Hartwig auf den Beinen. Der Kampf um die besten Sonnenliegen treibt den Rentner morgens aus den Federn.

Der 71-jährige Ex-Polizist gehört mit seiner Frau Christel zur ständig größer werdenden Gruppe von Senioren, die regelmäßig der kalten Jahreszeit in ihrer Heimat entflieht. Etwa 50.000 Rentner verbringen inzwischen die Wintermonate im warmen Süden. Besonders günstig sind solche Langzeitferien in der Türkei. Oft ist ein Mittelklassehotel mit Vollpension nicht viel teurer als die Selbstversorgung zu Hause. So zahlen Jürgen Hartwig und seine Frau in ihrer Ferienanlage in Side etwa 25 Euro am Tag für Unterkunft, Vollpension und Getränke, alles inklusive. Die meisten Überwinterer sind über 70 Jahre alt. Darauf hat sich die Touristikbranche im Ferienort eingestellt. Ein Arzt kümmert sich täglich um die deutschen Gäste. Kreislaufkollaps, Schlaganfall und Herzinfarkt sind an der Tagesordnung.

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Fast täglich müssen Touristen ins örtliche Krankenhaus überwiesen werden. In jeder Wintersaison sterben in Side zwischen zehn und zwanzig Langzeiturlauber. Doch die meisten Touristen hält das gute Wetter und das häufige Schwimmen im Meer eher fit. Winterinfekte seien hier so gut wie ausgeschlossen, meint Jürgen Hartwig. Sich sonnen, wenn andere frieren, und dann noch gut versorgt werden – das sei schon immer sein Traum gewesen. (11:30-12:00 • HR)

Schätze der Welt – Erbe der Menschheit
Dokumentation – Essaouira, Fes, Marrakesch – Themenschwerpunkt „Marokko“

1765 lässt Sultan Sidi Mohamed Ben Abdellah an der marokkanischen Atlantikküste eine Stadt bauen. Der Ort ist gut gewählt, die Umgebung schon über 2.000 Jahre besiedelt.

Das fruchtbare Hinterland, bewirtschaftet von Berbern, garantiert den Nachschub. Ein idealer Platz für einen Hafen. Das wussten schon die Phönizier, die früher auf der benachbarten Insel Purpurschnecken gezüchtet haben. Und auch die Portugiesen, die hier Forts und Handelsstützpunkte für ihre Segler nach Afrika bauen ließen.

Sultan Sidi Mohamed wollte nicht nur den größten Hafen seines Reiches, sondern auch die modernste und sicherste Stadt. Französische und englische Architekten bauten die mächtige Festung, die Hafen und Stadt vom Meer her abschirmte. Innerhalb der Befestigung durchzog ein Kreuz schnurgerader Strassen die Stadt. Es gab nur wenige enge und dunkle Gassen wie anderswo. Die entstanden erst später, als die Zahl der Häuser zu schnell wuchs, denn mit der Seefahrt kamen Händler und Kaufleute, neben Moslems viele Christen und vor allem Juden. Sie waren der Motor der Stadt und selten gab es Probleme zwischen den verschiedenen Religionen. Essaouira, das bis 1956 Mogador hieß, war eine weltoffene Stadt. Und bis 1912 der einzige marokkanische Hafen, der mehr exportierte als er importierte – dann lief ihm Casablanca den Rang ab. Geblieben ist die Architektur der Medina, eine Melange aus islamischer, spanischer und europäischer Baukunst, ebenso schön wie gefährdet. (19:30-20:15 • BR-alpha)

Auma Obama im Gespräch mit Renata Schmidtkunz
Renata Schmidtkunz trifft Auma Obama, die Schwester von Präsident Barack Obama, anlässlich des 100. Internationalen Frauentages in Nairobi und spricht mit ihr über die Rolle der Frauen in Afrika und über die Zukunft ihres Kontinents.

Auma Obama. Eine Frau mit unendlicher Energie, sprühender Intelligenz und wachem Geist.

Auma, promovierte Germanistin, arbeitet in ihrer Geburtsstadt Nairobi für die Hilfsorganisation „CARE International“. Sie koordiniert das Projekt „Sozialer Wandel durch Sport“, das Kinder und Jugendliche durch Sport ermutigt, an sich selbst zu glauben. Kariobangi – Wellblechhütten und Wohnhäuser in ärmlichem Zustand prägen das Straßenbild. Hier leben Christen und Muslime. Was sie verbindet, ist die Armut. Ein großes Problem hier ist die sexuelle Gewalt an Mädchen und Frauen. Die Antwort auf beides: die „Box Girls“. Sie sind Teil des Netzwerkes „Sozialer Wandel durch Sport“, initiiert vom ehemaligen Boxer Analo Anjere, unterstützt von CARE. Wenn Auma Obama zu Besuch kommt, greift sie auch schon mal zu den Boxhandschuhen. Als Koordinatorin von CARE unterstützt sie die „Box Girls“ beim Netzwerken. Nach dem Boxen geht es um Fragen des alltäglichen Lebens. Es geht um den Umgang mit Gewalt, mit Sexualität, der Familie und darum, wie man sich die eigene Zukunft vorstellt. „Safe spaces“ – geschützte Orte, auch diese Initiative gehört zum Netzwerk „Sozialer Wandel durch Sport“. Auch hier wird neben dem Sport Erziehungsarbeit geleistet. Die Mädchen sollen in gewaltfreien Räumen lernen, Führungsfähigkeiten zu entwickeln, um so zum Wandel in ihrer Umgebung beizutragen. (21:00-21:30 • BR-alpha)

Mauerjahre – Leben im geteilten Berlin
1969 – das war das Jahr, in dem die amerikanische Raumfähre Apollo 11 auf dem Mond landete und der erste Mensch den Erdtrabanten betrat und Willy Brandt, Bürgermeister von West-Berlin, zum Bundeskanzler gewählt wurde.

Die DDR feierte ihren 20. Jahrestag mit der Eröffnung des Fernsehturms am Alexanderplatz in Ost-Berlin. Aufgrund der Insellage und dem daraus resultierenden Arbeitermangel kommen Zehntausende von Gastarbeitern nach West-Berlin. Vor allem aus der Türkei, wie der Friseurmeister Suleyman Ilkan, der als erster Türke eine Konzession für einen Friseurladen in West-Berlin beantragte. Er erinnert sich daran, dass er dafür noch einmal eine Meisterprüfung ablegen musste.

Der 16-jährige Ostberliner Schüler Florian Havemann will sich kurz nach seiner Haftentlassung nicht für die Rolling Stones verprügeln lassen. Zu Recht! Denn die Meldung „Die Stones spielen auf dem Springer-Hochhaus!“ entpuppt sich als Gerücht.

„Mauerjahre – Leben im geteilten Berlin“ dokumentiert 30 Jahre Leben in der zweigeteilten Stadt: von den Monaten vor dem Mauerbau 1961 bis zur offiziellen Wiedervereinigung Deutschlands 1990. 30 filmische Jahreschroniken á 15 Minuten erzählen, was die Berliner in West und Ost bewegte. (22:15-22:30 • RBB Berlin, RBB Brandenburg)

… nicht mehr heimisch in der Welt
Dokumentation (Gesellschaft – Gesellschaftliche Problematik/Soziale Brennpunkte) – Einblicke ins Behandlungszentrum für Folteropfer Berlin – Film von Hans-Dieter Grabe

„Wer der Folter erlag, kann nicht mehr heimisch werden in der Welt“, schrieb der Schriftsteller Jean Améry aus eigener Erfahrung. Der ehemalige KZ-Häftling nahm sich 1978 das Leben. Anfang 1992 begannen drei Ärzte, zwei Psychiater, eine Körpertherapeutin, eine Kunsttherapeutin, ein Sozialarbeiter und einige Dolmetscher im Klinikum Westend Berlin mit der Behandlung von Folteropfern. 1992 und 1993 fanden dort 350 Patienten Rat und Hilfe – neben Stasi-Opfern vor allem Kurden, Palästinenser und Bosnier. Sie ganz zu heilen, wird nicht möglich sein. Ihre körperlichen und seelischen Leiden, ihr Fremdsein in der Welt können aber gemildert werden. Der Film “ … nicht mehr heimisch in der Welt“ von Hans-Dieter Grabe gibt Einblicke ins Behandlungszentrum für Folteropfer Berlin. Im Anschluss, um 1.50 Uhr, zeigt 3sat mit „Gebrochene Glut“ einen weiteren Film von Hans-Dieter Grabe. (00:50-01:50 • 3sa)

Folgeschäden
Spielfilm -„Folgeschäden“ erzählt auf einer privaten, intimen Ebene eine politische Geschichte. „Es interessiert mich, die Auswirkungen von Politik und Zeitgeschehen auf ganz normale Menschen zu zeigen“, erklärt Regisseur Samir Nasr.

Sie sind eine Multikulti-Modellfamilie: Der junge Wissenschaftler Tariq Slimani aus Algerien, seine deutsche Frau Maya, die als Art Directorin bei einer Illustrierten arbeitet, und ihr aufgeweckter Sohn Karim. Religiöse und kulturelle Differenzen meistern sie mit Humor und gutem Willen.

Doch ihre Welt bekommt Risse, als die Polizei Maya über ihren Mann ausfragt. Ein Video zeigt Tariq als Gast bei der Hochzeit von Said Bahaji, einem der Koordinatoren des Anschlags auf das New Yorker World Trade Center. Dass Tariq nur zufällig auf der Hochzeitsfeier war, will man ihm nicht glauben.

Er wird verdächtigt, ein „Schläfer“ – ein Terrorist auf Abruf – zu sein. Maya weist den Verdacht weit von sich. Doch dann kommt Tariqs frommer iranischer Freund Resa zu Besuch und Maya erfährt, dass Tariq ihr Schwierigkeiten im Institut verschwiegen hat. Dort sind Ebola-Viren aus dem Labor verschwunden, worauf dem Algerier der Zugang zum Labor verboten wurde. Tariq, plötzlich das Objekt massiver Verdächtigungen geworden, versteht die Welt nicht mehr.

Als Maya im Fernsehen von einem Terroranschlag in Paris erfährt und Tariq zur gleichen Zeit mehrere Anrufe aus Frankreich erhält, wird sie misstrauisch. Sie durchsucht seine Unterlagen und findet ein Flugticket nach Paris. Sie beginnt zu glauben, dass sie ihren Mann überhaupt nicht kennt.

1968 geboren, studierte Samir Nasr nach seinem Schulbesuch in Libyen und Ägypten an der Filmakademie Baden-Württemberg und drehte dort seinen ersten Dokumentarfilm „Nachttanke“ (1999), für den er 2000 den First-Steps-Preis erhielt. Es folgte der narrative Dokumentarfilm „Auf Streife durchs Leben“, der als Doku-Serie unter dem Titel „Polizeistation“ im regionalen Vorabendprogramm großen Erfolg hatte. 2003 entstand „Leben 16“, eine Langzeitbeobachtung von Schülerinnen einer 11. Klasse in Stuttgart. „Folgeschäden“ ist Samir Nasrs Debüt als Spielfilmregisseur.

Derzeit arbeitet Samir Nasr an der Verfilmung des ägyptischen Romans „SHARAF“ von Sonallah Ibrahim (mit dem zusammen er auch das Drehbuch schrieb): eine wahnwitzige Geschichte über den Zustand der ägyptischen Gesellschaft in den letzten Jahren der Ära Mubarak. Weitere Projekte sind die Verfilmung von Hamed Abdel-Samads Autobiografie „Mein Abschied vom Himmel“ sowie ein Dokumentarfilm über die ägyptische Revolution und den demokratischen Wandel im Land. Samir Nasr ist derzeit Gastprofessor an der Universität der Künste Berlin im Fach „Szenisches Schreiben“.

Die 1976 geborene Silke Bodenbender, die als Maya in ihrer ersten Hauptrolle überzeugt, hat neben ihrer Ausbildung zur Schauspielerin in München schon früh Erfahrungen in Workshops und Kurzfilmen gesammelt. Sie spielte Theater an renommierten Häusern und in TV-Serien wie „Soko Köln“, „Einmal Bulle, immer Bulle“ oder „St. Angela“. Sie übernahm die Rolle der Rosa in Daniel D. Wissmanns „Der Tote am Strand“ (2006; auf ARTE am 08.07.2011) und drehte mit Dieter Wedel den Zweiteiler „Papa und Mama“ (2006). In Filmen wie „Erlkönig“ (2007), „Über den Tod hinaus“ (2009) und „Der Teufel weiß es“ (2011) brillierte sie ebenfalls mit ihrem Können.

Mehdi Nebbou hat erstmals 2001 in „My Sweet Home“ des griechischen Regisseurs Fillipos Tsitos mitgewirkt und spielte 2004 in dem Kurzfilm „Manson’s Dream“ von Florian Scheibe. Nach „Folgeschäden“ wirkte er in weiteren Projekte mit, wie zum Beispiel in Heisenbergs „Schläfer“ (2005), Steven Spielbergs „Munich“ (2005), Connie Walters „Schattenwelt“ (2008) und in Lars Kraumes „Die kommenden Tage“ (2010).

Jürgen Hentsch spielte vor allem auf der Bühne des Wiener Burgtheaters, der Münchner Kammerspiele, der Berliner Schaubühne und des Deutschen Theaters in Berlin. Es folgten Filmrollen in der preisgekrönten Produktion „Der Totmacher“ (1995, Regie: Romuald Karmakar) und in dem Dreiteiler „Die Manns“ (2001, Regie: Heinrich Breloer). Für seine Darstellung des Heinrich Mann wurde Hentsch mit dem Bayerischen Fernsehpreis und dem Adolf-Grimme-Preis 2002 in Gold ausgezeichnet. Im Moment arbeitet Jürgen Hentsch an der Produktion des Filmes „Der rote Kardinal“ mit.

Drehbuchautor Florian Hanig erhielt für sein Skript zu „Folgeschäden“ den renommierten Tankred-Dorst-Preis beim Münchner Filmfest 2004 sowie den ARD-Medienpreis CIVIS für Integration und kulturelle Vielfalt in Europa. (03:10-05:00 • arte)

Gesichter des Islam
Die erste Folge spürt den religiösen Grundlagen und der Vielfalt der muslimischen Welt nach – von der laizistischen Türkei über das fundamentalistische Saudi-Arabien bis nach Indonesien mit seinem bunten Mix an Religionen.

Die „Fünf Säulen des Islams“ haben alle gemeinsam: Glaubensbekenntnis, Gebet, Fasten, das Almosengeben und die Pilgerfahrt nach Mekka. Daneben herrscht Vielfalt: In Istanbul beginnt eine junge Familie den Tag mit dem Einkauf des festlichen Prinzengewandes für die Beschneidung des dreijährigen Sohnes Efe. Wir erleben junge Rockmusiker zwischen Glauben und Selbstverwirklichung. In der Wüste Saudi-Arabiens pflegen Beduinen, wie zu Zeiten des Propheten, das einfache Leben der Kamelzüchter. In Mekka umrunden Pilger die Kaaba, den zentralen Ort der Muslime, und in Indonesien führt die Schwester des Sultans von Cirebon durch die Feierlichkeiten zum Geburtstag des Propheten. In Istanbul leitet die Architektin Nilgün Olgun die Restaurierungsarbeiten in der prächtigen Süleymaniye-Moschee, und in einer religiösen Eliteschule üben sich Halbwüchsige in Anzug und Krawatte in Koranrezitation, büffeln Englisch und pauken moderne Naturwissenschaften. (05:20-05:50 • HR) TV-Tipps

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