TV-Tipps des Tages

24.06.2011 – Arbeitsmigration, Ausländer, Türken, Folteropfer, Abu-Ghraib

Die TV-Tipps des Tages sind: Welt in Bewegung: Arbeitsmigration unterliegt vielen Prämissen: z. B. Angebot und Nachfrage, der eigenen Qualifikation; In der Gewalt des Anderen: "In der Gewalt des Anderen" beobachtet, wie Folteropfer psychotherapeutisch behandelt werden.

Von Freitag, 24.06.2011, 8:00 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 19.06.2011, 13:47 Uhr Lesedauer: 4 Minuten  |   Drucken

Welt in Bewegung
Arbeitsmigration – Von unserem Wesen her sind wir Nomaden. Bevor die Menschen sesshaft wurden, zogen sie durch die Welt, auf der Suche nach Nahrung. Diese Wanderungsbewegung ist die älteste Form der Migration, die Arbeitsmigration. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Noch immer ziehen wir von A nach B, um unseren Broterwerb zu sichern, um eine Ausbildung zu absolvieren oder um bessere Chancen wahrzunehmen.

Arbeitsmigration unterliegt vielen Prämissen: z. B. Angebot und Nachfrage, der eigenen Qualifikation, der familiären Bindung, den Möglichkeiten der Fortbewegung und der Kommunikation, aber auch dem Wettbewerb.

Wer sich am Markt behaupten will, ist auf gut ausgebildete Fachkräfte angewiesen. Folglich müssen Unternehmen und Volkswirtschaften Anreize setzen, um qualifizierte Arbeitskräfte zu gewinnen. Je höher die eigene Qualifikation, desto größer sind die Chancen am Arbeitsmarkt. Doch was tut Deutschland, um Hochqualifizierte für den Standort Deutschland zu gewinnen? Bislang reichlich wenig. Migration hat hierzulande noch immer einen negativen Beigeschmack.

Prof. Jochen Oltmer vom Institut für Migrationsforschung der Universität Osnabrück: „Migration ist in der Bundesrepublik immer noch sehr stark angstbesetzt; man hat Angst vor Zuwanderung und übersieht dabei völlig, dass Zuwanderung auch große Chancen mit sich bringt, insbesondere dann, wenn es um qualifizierte Arbeitskräfte geht. () Wichtig wäre, dass viele bürokratische Prozesse im Zusammenhang der Zuwanderung erleichtert werden, dass bestimmte Diplome, die man im Ausland erworben hat, sofort anerkannt werden können, dass Kredite leichter gewährt werden, dass man leichter Arbeitskräfte einsetzen kann; das sind ganz wesentliche Voraussetzungen dafür, dass Zuwanderung von qualifizierten Arbeitskräften, die die Bundesrepublik braucht, zunimmt.“ (09:30-10:00 • BR-alpha)

alpha-Campus
Studium Generale – Bavaristische Ringvorlesung – Themen: „Ein Museum der bayerischen Geschichte“ WS-2010/2011; Das Türkenzelt Max Emanuels – Dr. Marcus Junkelmann, Mainburg.

alpha-campus, das Bildungsforum, vermittelt Wissen aktuell, kompakt und informativ. (16:00-16:30 • BR-alpha)

In der Gewalt des Anderen
Dokumentation – „In der Gewalt des Anderen“ beobachtet, wie Folteropfer psychotherapeutisch behandelt werden.

Folteropfer – was diese verstörten und dauerhaft schwer geschädigten Menschen auszudrücken versuchen, sind unmenschliche Erfahrungen, für die es kaum Worte gibt. Sie wollen den Schmerz lindern, um nicht in den Wahnsinn abzugleiten, sie wollen ihre Verwandten und Freunde vor der in ihnen schlummernden Gewalt schützen, und sie wollen verstanden und anerkannt werden.

Im Laufe dieses Erinnerungsvorganges erscheint zwangsläufig ihr Peiniger in seiner ganzen Grausamkeit. Es offenbart sich sein Wesen: Er ist ein ganz gewöhnlicher Mensch, der von einem zerstörerischen politischen System bewusst und methodisch zum Folterer gemacht wurde.

Der Schweizer Verein APPARTENANCES bietete Psychotherapien für Migranten an. Psychotherapeuten und einige ihrer Folteropfer-Patienten haben die Filmemacher an den Sitzungen teilhaben lassen.

„Ich verstand die Fragen kaum und weiß nicht einmal, ob es Fragen waren. Eher eine Art Schreie, Beschuldigungen und Schläge. Mir war nicht klar, ob man Informationen aus mir herauspressen oder mich körperlich fertigmachen wollte. Ich wurde wie ein Tier behandelt. Die Folter ist das Mittel der Diktaturen, den Menschen zu vernichten. Sie quälen dich, sie schreien dich an, sie erniedrigen dich, sie wollen dich bis an den Rand des Todes zerstören,“ so Carlos Poma Cruz, ein Peruaner, der unter dem ehemaligen peruanischen Präsidenten Fujimori gefoltert wurde. Alberto Fujimori wurde am 7. April 2009 zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt. Er wurde wegen Verstoßes gegen die Menschenrechte, insbesondere wegen der während seiner Präsidentschaft (1990-2000) von Todesschwadronen begangenen Massaker an Zivilisten schuldig gesprochen.

Das Beispiel von Carlos Poma Cruz wirft viele Fragen auf, denen man sich stellen muss, wenn man die Folter verstehen und wirksam bekämpfen will: Wie ist es möglich, dass Menschen der Folter standhalten? Wie und warum tun Menschen anderen so etwas an? Weshalb töten die Peiniger ihre Opfer nicht einfach?

Da im Namen der Terrorbekämpfung verstärkt zur Folter gegriffen wurde, war die Debatte um ihre Legitimität neu entbrannt – vor allem nach dem Abu-Ghraib-Skandal, bei dem amerikanische Militärs irakische Gefangene grausam gequält und misshandelt hatten. Die Psychotherapie soll den Opfern helfen, ihre Traumata zu überwinden, beschäftigt sich aber auch mit den Tätern, die ihnen dies angetan haben, und den potenziellen Tätern in uns selbst. (22:30-00:00 • arte)

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