Studie

Sachverständigenrat empfiehlt Aufbau eines Lotsenmodells

Die Selbstständigenquote von Migranten wächst. Dem stehen hohe Kokurs- und Insolvenzraten gegenüber aufgrund mangelhafter Vorbereitung. Daher empfiehlt der SVR ein Lotsenmodell für Selbstständige mit Migrationshintergrund.

Dienstag, 02.11.2010, 8:30 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 08.01.2020, 15:45 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) hat die Studie „Wirtschaftliche Selbstständigkeit als Integrationsstrategie“ vorgelegt. Danach zeigt seit den 1990er Jahren die Selbstständigenquote von Migranten eine enorme Wachstumsdynamik. Hohen Gründungsraten stehen jedoch hohe Konkurs- und Insolvenzraten gegenüber. „Dadurch bleiben viele Potenziale ungenutzt“, so der Sachverständigenrat.

Mangelhafte Vorbereitung
Zu den Ursachen gehören unter anderem mangelnde Vorbereitung. Zuwanderer starten häufig ohne ausreichende Vorbereitung in die Selbstständigkeit. Bei 44 % der Befragten liegen zwischen Entscheidung und Umsetzung weniger als drei Monate. Der Sachverständigenrat: „Ein solch überhasteter Start führt zu zahlreichen Schwierigkeiten bei der Finanzierung, in der Gründungsphase und der laufenden Unternehmensführung.“

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Außerdem haben ein Viertel der Selbstständigen bei Schwierigkeiten keinen Ansprechpartner und bleiben ohne Hilfe. Öffentliche Fördermittel sind 22 % der Selbstständigen mit Migrationshintergrund nicht bekannt.

In Deutschland existiert zwar ein umfangreiches Angebot zur Unterstützung von Existenzgründungen und Unternehmertätigkeit. Bundesweit bieten 80 Industrie- und Handelskammern (IHK) sowie über 50 Handwerkskammern Information und Beratung an. Hinzu kommen in den untersuchten 15 urbanen Regionen über 50 Migrantenorganisationen, die Unterstützung anbieten. Allerdings ist die Förderinfrastruktur sehr unübersichtlich, regional heterogen und insgesamt zu wenig bekannt.

IHK nicht auf Migranten ausgerichtet
Die Studie identifiziert zwei Hürden: die Angebote der Industrie- und Handelskammern sind wenig auf die spezifischen Fragen der Migranten ausgerichtet. Die spezifischen Angebote der Migrantenorganisationen wiederum sind unter Zuwanderern nicht ausreichend bekannt. Die Folge: Selbstständigen mit Migrationshintergrund fehlt im Förderdschungel häufig die Orientierung.

Info: Die SVR-Studie „Wirtschaftlichen Selbstständigkeit als Integrationsstrategie“ evaluiert die bestehenden Förderstrukturen für Existenzgründer und Selbstständige. Hierfür wurden 478 Selbstständige türkischer, vietnamesischer und chinesischer Herkunft befragt. Die Gesamtauswertung der Studie sowie Grafiken zum Download finden Sie auf der Internetseite des SVR.

Aktuell gibt es 587.000 Selbstständige mit Migrationshintergrund in Deutschland. Bei mehr Kenntnis der Beratungsmöglichkeiten könnte ihr wirtschaftliches Potenzial besser zum Tragen kommen.

Daher empfiehlt der SVR den Aufbau eines doppelten Lotsenmodells: „Die Industrie- und Handelskammern sollten als erste Anlaufstelle dienen und als Lotse auf die regionalen Angebote der Migrantenorganisationen hinweisen. Umgekehrt sollten die Migrantenorganisationen die Teilnehmer ihrer Maßnahmen auf die allgemeinen Förderangebote der IHKs, der Handwerkskammern und anderer hinweisen.“

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