KMK-Präsident Spaenle

Hauptschule als niederschwelliges Bildungsangebot für Migranten

Ludwig Spaenle (CSU) will die Hauptschule als spezielles Angebot für Migranten aufrechterhalten. Zentraler bildungspolitischer Auftrag dieser Schulart in Ballungszentren sei es, Schülern ein „niederschwelliges Bildungsangebot“ zu machen. Kritik kam von Maria Böhmer.

Donnerstag, 21.01.2010, 8:09 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 23.08.2010, 8:19 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

In einem Interview mit der taz, sagte der neue Präsident der Kultusministerkonferenz (KMK), Ludwig Spaenle (CSU) wörtlich: „Wenn ich mir die Hauptschulen in Ballungszentren anschaue, sehe ich es als zentralen bildungspolitischen Auftrag für diese Schulart, dass sie unseren Schülerinnen und Schülern ein niederschwelliges Bildungsangebot macht, das auch zu weiterführenden Abschlüssen führt. Gerade für Jugendliche mit Migrationshintergrund.“

Verwundert über die Worte des Spaenles, der ausgerechnet ab diesem Freitag den Vorsitz der KMK übernimmt, kritisierte ihn die für Integration zuständige Staatsministerin Maria Böhmer. Sie wolle die Hauptschule nicht als „Schule der Migranten“ auffassen.

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Ludwig Spaenle (CSU) ist seit dem 30. Oktober 2008 Bayerischer Staatsminister für Unterricht und Kultus. Im Jahr 2010 fungiert er zudem als Präsident der Kultusministerkonferenz.

Integrieren statt separieren
„Junge Migranten haben dieselben Chancen auf einen Bildungserfolg wie alle anderen Jugendlichen verdient. Deshalb ist es ein völlig falsches Signal, sie von vornherein der Hauptschule zuzuordnen. Gleich welche Schulform: Aufgabe jeder Schule ist es, jede Schülerin und jeden Schüler optimal nach den jeweiligen Fähigkeiten und Begabungen individuell zu fördern – und zwar unabhängig von der sozialen oder ethnischen Herkunft. Wir wollen nicht separieren, sondern integrieren“, erklärte Böhmer.

Integration gelinge vor allem dort, wo Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammenkommen und mit- sowie voneinander lernen könnten. Deshalb sei es von entscheidender Bedeutung, dass alle Schulen sämtlicher Schulformen zu Orten der Integration ausgebaut werden. Das bedeute: „Die Schule wird zu einem Ort der gemeinsamen Sprache. Deutsch wird systematisch vermittelt – nicht nur im Deutschunterricht. Zudem muss Schule verstärkt zu einem Ort der Begegnung werden, zu dem Schüler und auch Eltern gerne kommen“, so die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung.

Hauptschule als niederschwelliges Bildungsangebot für Migranten?
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    Hier seien vor allem die Länder gefordert. Im Nationalen Integrationsplan hätten sie zugesagt, bis 2012 die Leistungen der ausländischen Schüler denen der deutschen anzugleichen. Zudem solle die Quote der Schulabbrecher halbiert werden. Um diese Ziele zu erreichen, müssten die Länder ihre Maßnahmen intensivieren und Schulen mit einem hohen Migrantenanteil – unabhängig von der Schulform – speziell fördern. Diese Schulen bräuchten mehr Geld, mehr Lehrer und Schulsozialarbeiter sowie mehr Zeit.

    „Die Förderung der Kinder und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien muss für uns alle oberste Priorität haben. Jedes Kind hat seine Chance verdient – und zwar unabhängig von seiner Herkunft“, erklärte die Staatsministerin abschließend.

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