Bundesregierung

„Daten und Fakten zum Thema Zwangsverheiratung fehlen weitestgehend“

"Daten und Fakten zum Thema Zwangsverheiratung fehlen weitestgehend." Das schreibt die Bundesregierung in ihrer Antwort (16/12573) auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen. Insbesondere zu Ehen, zu denen heterosexuelle Männer sowie homosexuelle Männer und Frauen gezwungen wurden, gibt es keine Informationen, heißt es weiter.

Mittwoch, 06.05.2009, 12:42 Uhr|zuletzt aktualisiert: Samstag, 21.08.2010, 0:22 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Die Grünen hatten in ihrer Kleinen Anfrage insbesondere Zwangsverheiratungen von heterosexuellen Männer bzw. homosexuelle Frauen und Männer thematisiert und moniert, dass es in diesem Kontext bislang weder gesicherte statistischen Daten noch Schutz für Betroffene gibt. So komme die im Februar 2009 herausgegebene Handreichung „Zwangsverheiratung bekämpfen – Betroffene wirksam schützen“ zu der ernüchternden Feststellung: „Spezielle Schutzeinrichtungen gibt es bisher weder für hetero- noch homosexuelle Männer noch für Paare“.

Entsprechend teilte die Bundesregierung mit, dass es zu Ehen, zu denen heterosexuelle Männer sowie homosexuelle Männer und Frauen gezwungen wurden, keine Informationen gibt. Ebenfalls gibt die Bundesregierung zu, dass Daten und Fakten zum Thema Zwangsverheiratungen weitestgehend fehlen.

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Die Bundesregierung hatte zur Verhinderung von Zwangsverheiratungen den Ehegattennachzug als Präventionsmaßnahme an Sprachkenntnisse geknüpft mit der Folge, dass die Zahl der erteilten Visa zur Familienzusammenführung durchschnittlich um 20 % zurückgingen; in Kasachstan beträgt der Rückgang 58 %, in Russland 41%, Thailand 39%, Vietnam 35%, Türkei 33%.

Die Bundesregierung steht angesichts fehlender Daten und Fakten zum Thema Zwangsverheiratungen und dem massiven Rückgang der Visazahlen immens in der Kritik. Kritiker monieren insbesondere die Begründung der Verschärfungen der Ehegattennachzugsregelungen. Wenn Daten und Fakten weitestgehend fehlen, könnten Zwangsverheiratungen nicht als Grund für einen massiven Eingriff in das familiäre Zusammenleben tausender Menschen herhalten, so die Kritiker. Die Bundesregierung solle ehrlich und offen seine wahren Beweggründe für die Einschränkung des Familiennachzugs aus dem Ausland nennen.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, was auch dem Titel der parlamentarischen Anfrage der Grünen „Heterosexuelle Männer sowie homosexuelle Frauen und Männer als Opfer „arrangierter“ Ehen bzw. von Zwangsverheiratungen“ zu entnehmen ist, inwieweit „arrangierte Ehen“ mit Zwangverheiratungen gleichzusetzen sind.

Jedenfalls soll nach Regierungsangaben eine wissenschaftliche Untersuchung zum Umfang und Ausmaß von Zwangsverheiratung in Deutschland belastbare quantitative Aussagen über Struktur, Umfang und Formen von Zwangsverheiratung erbringen. Die Untersuchung werde nicht nur die Situation von Betroffenen beiderlei Geschlechts gleichermaßen in den Blick nehmen, sondern auch die besonderen Probleme homosexueller Frauen und Männer. Ergebnisse sollen bis Herbst 2010 vorliegen. Politik

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  1. emire sagt:

    Ich bin mir sicher das für den Normalen Abendländer ersichtlich ist,welche Morgenländer Zwangsverheiratet wurden…

    Es ist mehr als Peinlich ,wenn im Kreuzzug gegen das Zwangsheiraten,Menschenrechte von Ausländern beschnitten werden.

    Schließlich fragt keine Behörde ,ob Hans die Natascha zur Gewerblichen Arbeit in Deutschland geheiratet hat .

  2. Umut sagt:

    Damit ist die Ausrede beim Ehegattennachzug „Zwangsheirat zu bekämpfen“ sinnlos geworden und die Bundesregierung hat sich mit der Ausrede Zwangsheirat zu bekämpfen lächerlig gemacht. Die sollen endlich die genauen Gründe benennen,warum sie tausende Paare voneinander trennen ? Die Sprache kann man viel besser in Deutschland lernen, weil das Umfeld und die Mitschüler alle deutsch sprechen werden.

  3. bogo70 sagt:

    @emire
    Das finde ich jetzt aber ein bisserl leichtfertig abgetan!
    Wenn Hilfestellung geleistet werden kann, wollen wir uns doch nicht dagegen stemmen und so tun, als sei alles in Ordnung.
    Ich kenne einen jungen Mann, der Zwangsverheiratet wurde.
    Die Scheidung hat ihn sein Studium gekostet und die Familie den guten Ruf.
    Vom Vater verstossen, die Mutter ängstlich und auch die Geschwister konnten nicht helfen, außer Unterkunft gewähren.
    Er konnte nie wieder in sein Dorf, wenn er rüber gefahren ist.
    Von dem verlassenen Mädchen mal ganz zu schweigen.
    Sie ist jetzt zwar verheiratet, aber sie ist auch für immer abgestempelt.
    Was Hans mit der Natascha macht ist schändlich, es rechtfertigt aber nicht was Mehmet mit der Fatma macht.

  4. emire sagt:

    @ bogo70

    Ich kenne auch einige die Zwangsverheiratet wurden,daraus Pauschal auf die Allgemeinheit der Türken zu schließen ist einfach eine Frechheit.

    Der Staat hat sich in Private Familienangelegeheiten nicht von vorn herein einzumischen,Ich fühle mich Persönlich in meiner Privatssphäre gestört.

    Dieser gesamte Komplex Zwangsverheiratung,Ehrenmord und Intregation geht mir gewaltig auf den Geißt.

    De

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