MiGAZIN

Migration und Integration in Deutschland

Wir haben unsere Behörden über Jahrzehnte in eine Abschottungskultur hineinentwickelt. Man hat gesagt: Haltet uns die Leute vom Hals, die wollen alle nur in unsere Sozialsysteme einwandern. Jetzt müssen wir deutlich machen, dass wir Fachkräfte brauchen, dass wir um sie werben müssen.

Peter Clever, Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, April 2013
Anzeige

Hetty Berg

Neue Direktorin des Jüdischen Museums Berlin berufen

Nach dem unerwarteten Rücktritt des Direktors des Jüdischen Museums Berlin, Peter Schäfer, Mitte des Jahres, ist eine Nachfolgerin gefunden. Jetzt hoffen viele, dass das Museum wieder in ruhigere Fahrwasser kommt.

Jüdisches Museum Berlin, Juden, Museum, Berlin
Jüdisches Museum Berlin © corno.fulgur75 @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Die Museumsmanagerin und langjährige Chefkuratorin des Jüdischen Kulturviertels in Amsterdam, Hetty Berg, wird neue Leiterin des Jüdischen Museums Berlin. Der Stiftungsrat des Museums berief die 58-Jährige am Dienstagabend in Berlin einstimmig zur neuen Direktorin, wie die Vorsitzende des Stiftungsrates, Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU), mitteilte.

Berg soll die Leitung des Hauses am 1. April 2020 übernehmen. Sie ist damit Nachfolgerin von Peter Schäfer, der nach harscher Kritik von seinem Amt zurückgetreten war. Auslöser war ein Tweet des Museums mit einer Leseempfehlung eines Artikels über die israelkritische Bewegung BDS (Boykott, Desinvestitionen, Sanktionen).

Jüdische und israelische Wissenschaftler hatten darin kritisiert, dass der Bundestag BDS als antisemitisch eingestuft hatte. BDS fordert ein Ende der israelischen Besatzung des Westjordanlandes, des Gazastreifens und Ost-Jerusalems, die Israel 1967 erobert hat. Außerdem ruft sie dazu auf, keine israelischen Waren zu kaufen.

Zentralrat begrüßt Berg

Als Kritik laut wurde, vor aus dem Zentralrat der Juden, erhielt Schäfer viel Solidarität. Rund 45 jüdische Gelehrte aus Israel, Europa und den USA hatten ihre Unterstützung bekundet. Auch internationale Museumsdirektoren, Kuratoren und Fachleute jüdischer und nichtjüdischer Museen stellten sich mit „tiefer Besorgnis“ hinter ihn. Dennoch gab Schäfer schließlich auf.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland begrüßte die Entscheidung. Präsident Josef Schuster, der Mitglied der Findungskommission war, erklärte: „Mit Hetty Berg haben wir eine Person für die Leitung des Jüdischen Museums Berlin gefunden, die sowohl eine hohe Qualifikation als Museums-Managerin als auch als Kuratorin von Ausstellungen mitbringt.“

Grütters: Neue Impulse

Er gehe davon aus, dass sie in ihrer neuen Position auch „Empathie für die jüdische Gemeinschaft in Deutschland und Israel aufbringen wird“. „Wir hoffen, dass das Haus mit ihr an der Spitze wieder in ruhigere Fahrwasser kommen wird“, betonte Schuster.

Grütters erklärte, die Berufung von Hetty Berg werde dem Jüdischen Museum Berlin nach innen wie außen neue Impulse verleihen. „Mit Hetty Berg haben wir eine international erfahrene Museumsexpertin gewonnen.“ Sie widme sich seit Jahrzehnten der Vermittlung jüdischer Geschichte, Kultur und Religion. „Als Chefkuratorin des Jüdischen Kulturviertels in Amsterdam hat sie ihre Führungsstärke in komplexen Organisationen erfolgreich unter Beweis gestellt“, erklärte Grütters.

Keine jüdische Einrichtung

Hetty Berg wurde 1961 in Den Haag geboren, studierte Theaterwissenschaften in Amsterdam und Management in Utrecht. Von 1989 an war sie als Kuratorin und Kulturhistorikerin am Jüdischen Historischen Museum in Amsterdam tätig. Seit 2002 arbeitete Berg den Angaben zufolge als Museumsmanagerin und Chefkuratorin des Jüdischen Kulturviertels in Amsterdam, zu dem neben dem Jüdischen Historischen Museum auch das Kindermuseum, die Portugiesische Synagoge, das Nationale Holocaust-Museum und die Gedenkstätte Hollandsche Schouwburg gehören.

Entgegen der verbreiteten Auffassung ist die das Jüdische Museum Berlin keine jüdische Einrichtung. Ziel des Hauses ist es, jüdisches Leben in Berlin und Deutschland zu erforschen, zu vermitteln und einen Ort der Begegnung zu schaffen. Finanziert wird die Stiftung mit einem jährlichen Zuschuss von über 15 Millionen Euro aus dem Etat der Kulturstaatsministerin, mithin aus öffentlichen Geldern. (epd/mig)

Testen Sie den kostenlosen MiGAZIN Newsletter:
Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

Ihr Kommentar dazu:

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...

GRIMME Online Award 2012

    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...