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Wir haben unsere Behörden über Jahrzehnte in eine Abschottungskultur hineinentwickelt. Man hat gesagt: Haltet uns die Leute vom Hals, die wollen alle nur in unsere Sozialsysteme einwandern. Jetzt müssen wir deutlich machen, dass wir Fachkräfte brauchen, dass wir um sie werben müssen.

Peter Clever, Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, April 2013
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Ausgrenzung

Juden und Muslime machen ähnliche Erfahrungen

Juden und Muslime machen in Deutschland ähnliche Ausgrenzungserfahrungen, sagt der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster. Gegen Vorbehalte unter Juden und Muslimen macht sich unterdessen das bundesweite Projekt „Schalom Aleikum“ stark.

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Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschaland © Zentralrat der Juden in Deutschland

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat eine positive Zwischenbilanz des jüdisch-muslimischen Dialogprojekts „Schalom Aleikum“ gezogen. Seit gut sechs Monaten würden dazu Gesprächsrunden zwischen jüdischen und muslimischen Vertretern der Zivilgesellschaft veranstaltet, die gemeinsam über konkret bestehende Vorurteile diskutieren, sagte Zentralratspräsident Josef Schuster am Mittwoch in Berlin. Es handle sich um das erste bundesweite Projekt dieser Art.

„Es gibt Vorurteile – definitiv – und zwar auf beiden Seiten“, sagte Schuster am Mittwoch. „Nicht nur, dass Muslime Vorurteile gegen Juden haben“, fügte der Zentralratspräsident hinzu. Er wolle in keiner Weise negieren, „dass es auch Vorurteile auf jüdischer Seite gibt“.

Ähnliche Erfahrungen

Eine Gemeinsamkeit von vielen Juden und Muslimen in Deutschland sei unterdessen, dass beide Gruppen „häufig ähnliche Erfahrungen von Ausgrenzung und Diskriminierung“ machten, sagte Schuster weiter: „Gerade in Zeiten einer wachsenden Polarisierung unserer Gesellschaft und der steigenden Aggressivität brauchen wir die Verständigung der unterschiedlichen Religionen und Kulturen.“

Bislang gab es im Rahmen von „Schalom Aleikum“ Veranstaltungen mit insgesamt fast 150 Teilnehmern in Berlin, Würzburg, Leipzig und Osnabrück. Dabei trafen sich jüdische und muslimische Firmengründer, Eltern und ihre Kinder, Frauen und Senioren, um über Gemeinsamkeiten und Trennendes ins Gespräch zu kommen. Bis Ende des Jahres ist ein weiteres Treffen in Köln mit jüdischen und muslimischen Lehrkräften geplant. Zudem wollen sich Blogger in Berlin treffen, um über Online-Veröffentlichungen das Dialogprojekt bekannter zu machen.

„Antisemitismus unter Muslimen“

Überdies führt „Schalom Aleikum“ aktuell in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut Forsa eine nichtrepräsentative Umfrage über Meinungen und Einstellungen von Juden und Muslimen durch. Themen seien unter anderen Religionsverständnis, Bewertung politischer Entwicklungen, Antisemitismus, Rassismus und der jüdisch-muslimische Dialog. Mit ersten Ergebnissen wird im Dezember gerechnet.

Im Projekt „Schalom Aleikum“ werde auch das Thema „Antisemitismus unter Muslimen“ angesprochen. Daraus könne man aber nicht den Rückschluss ziehen, „dass wir der Meinung sind, dieses sei ein besonders schwerwiegendes Problem im Gegensatz zu dem Antisemitismus auf der politisch extrem rechten Seite“, betonte Schuster. Weiter kündigte der Zentralratspräsident an, dass künftig weiterführende Schulprojekte zum Thema „Antisemitismus an Schulen“ geplant seien.

Ein Präventionsprojekt

Zentralrats-Geschäftsführer Daniel Botmann sagte: „Wir müssen uns im Klaren sein, dass ‚Schalom Aleikum‘ kein Deradikalisierungsprojekt ist.“ Es handle sich vielmehr um ein Präventionsprojekt. „Es soll gerade die abholen, die nicht radikalisiert sind, die aber dagegen immunisiert werden sollen, antisemitische Vorurteile, antisemitisches Gedankengut aufzunehmen“, erklärte Botmann.

Ins Leben gerufen worden war „Schalom Aleikum“ von der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, Staatsministerin Annette Widmann-Mauz (CDU). Eine Fortsetzung des Projekts im kommenden Jahr wird den Angaben zufolge angestrebt. (epd/mig)

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Ein Kommentar
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  1. Ute Plass sagt:

    „Eine Fortsetzung des Projekts im kommenden Jahr wird den Angaben zufolge angestrebt.“
    Sehr zu begrüßen!



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