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Er [ein Paß] kommt auch nicht auf so einfache Weise zustand wie ein Mensch. Ein Mensch kann überall zustandkommen, auf die leichtsinnigste Art und ohne gescheiten Grund, aber ein Paß niemals. Dafür wird er auch anerkannt, wenn er gut ist, während ein Mensch noch so gut sein kann und doch nicht anerkannt wird.

Bertolt Brecht, Flüchtlingsgespräche, 1940

Hoffnungsträger in Afrika

Äthiopischer Premier erhält Nobelpreis

Hohe Auszeichnung für einen afrikanischen Staatsmann: Der äthiopische Ministerpräsident Abiy ist erst seit April 2018 im Amt. Doch sein Einsatz für Frieden und Versöhnung verdient schon jetzt Anerkennung und Ermutigung, findet das Nobelpreiskomitee.

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Der Nobelpreis © Adam Baker @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Der Friedensnobelpreis 2019 geht an den äthiopischen Ministerpräsidenten Abiy Ahmed. Das norwegische Nobelkomitee würdigt damit den Einsatz des 43-jährigen Regierungschefs für den Friedensvertrag mit Eritrea und die politische Öffnung im eigenen Land. „Auch wenn in Äthiopien noch viel Arbeit zu tun ist, hat Abiy Ahmed wichtige Reformen eingeleitet, die vielen Bürgern Hoffnung auf ein besseres Leben und eine hellere Zukunft geben“, sagte die Vorsitzende des Nobelkomitees, Berit Reiss-Andersen, am Freitag in Oslo.

Die Auszeichnung des afrikanischen Politikers wurde international begrüßt. UN-Generalsekretär António Guterres erklärte auf Twitter, Abiy habe Äthiopien und Eritrea zu einer historischen Annäherung verholfen und ein wunderbares Beispiel für Afrika und darüber hinaus gegeben.

Vater Muslim, Mutter Christin

Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Außenminister Heiko Maas (SPD) gratulierten und sicherten Abiys Reformkurs die weitere Unterstützung Deutschlands zu. „Ihr Mut und Ihre Weitsicht sind Beispiel und Vorbild weit über Afrika hinaus“, twitterte Maas. Auch Menschenrechtler lobten die hohe Ehrung für Abiy. Amnesty International forderte ihn aber zugleich auf, Anti-Terror-Gesetze aufzuheben und ethnische Spannungen zu lösen.

Abiy ist seit 2. April 2018 Regierungschef. Der Sohn eines muslimischen Vaters und einer christlichen Mutter schloss bereits im Juli desselben Jahres einen Friedensvertrag mit Eritrea. Das Abkommen legte einen Grenzkonflikt bei, in dem 1998 bis 2000 etwa 70.000 Menschen getötet worden waren. Das Nobelkomitee würdigt auch, dass Abiy den Ausnahmezustand in Äthiopien aufhob, Tausende politische Gefangene freiließ, verbotene Parteien und Medien wieder erlaubte, gegen Korruption vorging und den Einfluss von Frauen in Politik und Gesellschaft erhöhte. Zudem kündigte er freie und faire Wahlen an. Sein Kurs stößt aber auch auf Widerstand. Ethnische Spannungen führen im Vielvölkerstaat Äthiopien mit 105 Millionen Einwohnern immer wieder zu Gewalt. Abiy selbst hat zwei Anschläge überlebt.

Versöhnung, Solidarität, Gerechtigkeit

„Als Premierminister bemüht sich Abiy Ahmed, Versöhnung, Solidarität und soziale Gerechtigkeit zu fördern“, sagte Reiss-Andersen. Das Nobelkomitee lobte auch seinen Einsatz als Vermittler in der Region, etwa zwischen Eritrea und Dschibuti, Kenia und Somalia sowie im Sudan. Reiss-Andersen räumte ein, dass manche denken könnten, der Preis werde ihm zu früh vergeben. Das Nobelkomitee glaube aber, dass Abiys Bemühungen gerade jetzt Anerkennung verdienten und Ermutigung brauchten.

Der Friedensnobelpreis ist mit neun Millionen Schwedischen Kronen (etwa 830.000 Euro) dotiert. Er wird traditionell am 10. Dezember vergeben, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel (1833-1896). Im vergangenen Jahr ging die Auszeichnung an den kongolesischen Arzt Denis Mukwege und die Jesidin Nadia Murad für ihren Einsatz gegen sexuelle Gewalt in kriegerischen Konflikten. (epd/mig)

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